Volatilität als Stimmungsmesser
Die Volatilität gibt die Kursschwankungsbreite einer Aktie oder eines Index über einen bestimmten Zeitraum in Prozent an.

Wegen ihrer negativen Korrelation zu den Aktienkursen setzen institutionelle Investoren die implizite Volatilität zur Depotabsicherung und -diversifikation ein. Privatanleger sollten die Tücken dieses speziellen Instruments beachten.

Die Deutsche Post hat sich der Vermessung des Glücks verschrieben. Jahr für Jahr lässt das Unternehmen eine Umfrage zum Wohlergehen der Deutschen erstellen. 2016 kletterte das auf einer Skala von 0 bis 10 bewertete Glücksniveau von 7,02 auf 7,11 Punkte. Nach Ansicht der für die Erhebung verantwortlichen Sozialforscher dürften die gute Beschäftigungslage und der nachhaltige Anstieg der Reallöhne für den Sprung verantwortlich sein. Während das gesellschaftliche Stimmungsbarometer nur alle zwölf Monate erhoben wird, ist die kollektive Gemütslage an der Börse an jedem Handelstag einsehbar. Dazu genügt ein Blick auf die Volatilitäten.

Historisch und implizit

Diese spezielle Kennzahl gibt die Kursschwankungsbreite einer Aktie über einen bestimmten Zeitraum in Prozent an. Dabei wird zwischen historischer und impliziter Volatilität unterschieden. In der erstgenannten Ausprägung erfolgt die Berechnung an Hand von Kursen aus der Vergangenheit. Dagegen basiert die implizite Variante auf den aktuellen Gegebenheiten am Optionsmarkt. Da die Volatilität eine wichtige Komponente für den Wert solche Termingeschäfte ist, kann sie aus den von den Marktteilnehmern eingesetzten Optionspreismodellen herausgerechnet werden. Mathematisch betrachtet handelt es sich bei der Volatilität um eine Standardabweichung. Das heißt, es wird jeweils die Schwankungsbreite um einen Mittelwert herum festgestellt. Dabei gilt: Je größer die Abweichung vom durchschnittlichen Preis ist, desto volatiler und damit auch risikoreicher ist eine Anlage.

Allgemeine Gelassenheit

Typischerweise schlägt die Volatilität nach oben aus, sobald die Hektik an den Märkten zunimmt. Dagegen entwickelt sich die Kursschwankungsbreite während freundlichen Börsenphasen nach unten. An dieser Stelle kommt die bereits erwähnte Aussagekraft in Bezug auf die psychologische Verfassung der Investoren zum Vorschein. Mit Hilfe von Volatilitätsindizes lässt sich die Stimmung für ganze Märkte beurteilen. In Deutschland fällt diese Aufgabe dem VDAX-New zu. Dieser Gradmesser steht für die in Optionen auf den DAX einkalkulierte Volatilität. Konkret handelt es sich dabei um die für die kommenden 30 Tage erwartete Schwankungsbreite. Die seit Jahren zu beobachtende Aufwärtsfahrt der heimischen Blue Chips hat dazu geführt, dass die Volatilität auf ein extrem niedriges Niveau zusammengeschmolzen ist. Aktuell notiert der VDAX-New bei weniger als 15 Prozent und damit mehr als ein Drittel unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Unsere Grafik macht den zentralen Wesenszug dieser Kennzahl, ihre negative Korrelation zu den Aktienkursen deutlich: Sobald der DAX nach oben tendiert, geht es mit der Volatilität nach unten – gleiches gilt umgekehrt. Typisch sind auch die zu erkennenden Ausschläge nach oben. Beispielsweise löste das überraschende „Ja“ der Briten zum EU-Aussteig, Stichwort Brexit, im Juni 2016 eine Vola-Spitze aus. Häufig ist im Zusammenhang mit der Volatilität auch von der Mean Reversion die Rede. Sie sagt aus, dass die Kursschwankungsbreite im Zeitverlauf immer wieder zu ihrem Mittelwert zurückkehrt. Insofern mahnt die aktuelle Situation zur Vorsicht. Über kurz oder lang dürfte die Hektik an den Märkten wieder zunehmen und „Angstbarometer“ wie der VDAX-New höhere Niveaus sehen.

Ein Stimmungsbild: Dax Index und Volatilität

DAX Volatilität im Vergleich
Die Grafik zeigt die Entwicklung des DAX und im Vergleich der V-Dax (Volatilitätsindex).

Vorsichtige Profis

Aufgrund der erläuterten Eigenschaften hat sich die Volatilität als eigene Anlageklasse etabliert. Sie kommt bei institutionellen Investoren zur Portfolioabsicherung respektive -diversifkation zum Einsatz. Allerdings ist keine direkte Positionierung möglich. Vielmehr greifen die Profis auf Terminkontrakte zurück. An der Eurex sind spezielle Instrumente auf den VSTOXX, dass europäische Pendant zum VDAX-New, gelistet. „Investoren setzen stark auf VSTOXX-Derivate, um ihre Risiken an den Aktien- und Anleihenmärkten abzusichern“, schreibt die Terminbörse in ihrem jüngsten Monatsbericht. Im Februar erreichte das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen in Vola-Papieren knapp 120.000 Kontrakte. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutete das ein Plus von 75 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass institutionelle Investoren der vermeintlichen Gelassenheit an den Börse nicht trauen. Gerade mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Frankreich decken sie sich mit VSTOXX-Kontrakten ein, um das Depot gegen mögliche Kursrückschläge zu wappnen.

Vor einigen Jahren hielt die im Fachjargon als „Hedge“ bezeichnete Strategie am ETF-Markt Einzug. Mehre passive Indexfonds machten es für Privatanleger möglich, auf eine steigende Volatilität in Europa respektive an der Wall Street zu setzen. Mittlerweile ist der Großteil dieser Produkte wieder von der Bildfläche verschwunden. Angesichts notorisch tiefer Kursschwankungsbreiten überraschen das mangelnde Interesses und die daraus resultierenden ETF-Schließungen nicht. Hinzu kommt die komplexe Bauweise der zugrunde liegenden Indizes. Volatilität notiert üblicherweise in einem so genannten Contango. Das heisst, länger laufende Kontrakte stehen höher, als der nächstfällige. Volatilitätsindizes sind auf den regelmäßigen Austausch des zugrunde liegende Futures angewiesen. Dabei entstehen in Contango-Phase Rollverluste, welche ungeachtet der generellen Volatilitätsentwicklung auf diesen Indizes lasten.

Solides Tracking

Quasi als „Letzter seiner Art“ ist der Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll ETF (WKN:LYX0PM) am deutschen Markt verblieben. Der zugrunde liegende Index versucht über eine spezielle Methodik, der Contango-Falle zu entkommen. Dazu positioniert sich die Benchmark sowohl in kurz- als auch mittelfristigen Laufzeiten beim VIX – dem Volatilitätsgradmesser für den US-Aktienmarkt. Lässt man den Wechselkurs EUR/USD aussen vor, passt das Tracking. Beispielsweise betrug der Performanceunterschied zwischen ETF und VIX laut Lyxor im vergangenen Jahr lediglich 0,54 Prozent. Entsprechend führten die beim Brexit-Votum sowie der überraschenden Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten aufkommenden Vola-Spitzen auch beim Fondspreis zu einem Sprung nach oben. Der verheerenden langfristigen Wertentwicklung kann dies keinen Abbruch tun. Daher sollten allenfalls erfahrene und aktive Anleger dieses taktische Werkzeug zeitlich begrenzt einsetzen.

Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll UCITS ETF

WKN: LYX0PM ISIN: LU0832435464
Kurs

3,71 €

Kosten (TER) 0,60 %
Fondsvolumen 46,49 Mio. €
Indexabbildung synthetisch
1 Monat -3,40 %
Lfd. Jahr -7,99 %
Mehr ETFs finden: ETF-Suche

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.