Viele der WM-Favoriten sind auch aus wirtschaftlicher Sicht für Privatanleger interessant.

Die Fußball-WM beginnt. Nun kämpfen 32 Mannschaften vier Wochen lang um die begehrte Trophäe. Wie ist die sportliche und wirtschaftliche WM-Form der Favoriten und wie sieht es mit den entsprechenden Länder-ETFs aus?

Fans fiebern schon seit Monaten der Fußball-WM in Russland entgegen. Heute ertönt der Anpfiff des Eröffnungsspiels zwischen Gastgeber Russland und Außenseiter Saudi-Arabien. Ins Finale werden wohl beide nicht einziehen. Die Favoriten im WM-Check – fußballerisch und aus Anlegersicht.

Titelfavorit Brasilien

Die größten Chancen für den Gewinn der WM-Trophäe räumen Fußballkenner wie bereits schon bei der vergangenen Weltmeisterschaft Brasilien ein. Dass aus der damaligen Prognose nichts wurde und für den lateinamerikanischen Fußballgiganten mit einem traumatischen 1:7 gegen Deutschland im eigenen Land endete, ist bekannt. Das dürfte den Willen, sich diesmal im Kampf um den Pokal durchzusetzen, eher steigern. Mit 24,31-prozentiger Wahrscheinlichkeit wird diesmal das Land an der Copacabana laut Studie von fussballmathe.de die Nase vorn haben und den WM-Pokal erringen. Auch bei den Wettquoten liegt das Team mit dem wertvollsten Fußballspieler der Welt Neymar da Silva Santos mit 1:5 knapp vor Deutschland.

Ähnlich wie Gastgeber Russland durchlebte das Land eine langandauernde Rezession. So schrumpfte die Wirtschaft 2015 um 3,8 Prozent und 2016 um 3,6 Prozent. Als rohstoffexportierendes Land litt es besonders stark unter den zurückgehenden Rohstoffpreisen. Eine Korruptionskrise, in die höchste Regierungs- und Wirtschaftskreise involviert sind, belastet seit Jahren das Land und zerstörte das Vertrauen breiter Kreise der Bevölkerung in das politische System. Der einstige Präsident Luiz Inácio Lula de Silva muss nun eine Gefängnisstrafe antreten. Trotzdem erholt sich die Wirtschaft deutlich. Für das laufende Jahr rechnet der IWF mit einem Wachstum von 1,9 Prozent, für 2019 sogar von 2,1 Prozent. Grund dafür sind umfangreiche Reformen des derzeitigen Staatspräsidenten Michel Temer. Dazu zählen die Arbeitsreform, die Privatisierung von Staatsunternehmen, die Bekämpfung von Staatsverschuldung und Inflation, die Entbürokratisierung sowie die geplante Rentenreform. Allerdings sind solche Maßnahmen in großen Teilen der Bevölkerung umstritten. Als Unsicherheit gilt daher die im Oktober stattfindende Parlamentswahl.

Der Aktienmarkt des Landes honorierte den Aufwärtstrend. Der brasilianische Aktienmarkt zählt in diesem Jahr zu einem der renditeträchtigsten weltweit. Günstig daran teilhaben können Anleger mit einem ETF. Zur Wahl stehen etwa Lyxor Brazil Bovespa UCITS ETF, Amundi MSCI BRAZIL oder Xtrackers MSCI Brazil UCITS ETF.

Die deutsche Nationalmannschaft

Mit zehn Siegen bei zehn WM-Qualifikationsspielen zählt auch der amtierende Weltmeister Deutschland trotz der peinlichen Niederlage gegen Österreich zu den heißen Kandidaten. Wettquote: 1:5,5. Laut der Prognose von fussballmathe.de wird Deutschland mit 20,93 Prozent Weltmeister. Der Marktwert der Mannschaft liegt laut transfermarkt.de bei 949 Millionen Euro dicht hinter Frankreich und Spanien.

Rein wirtschaftlich ist Deutschland in Europa nach wie vor die Konjunkturlokomotive. Daten der vergangenen Monate signalisieren jedoch eine Verlangsamung des Wachstums. So sank der Ifo-Geschäftsklimaindex im April von 103,3 auf 102,1 Punkte. Der Wert wurde auch zuletzt festgestellt. Es war der dritte Rückgang in Folge. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister zusammen legte zwar noch einmal überraschend um 0,1 auf 56,9 Zähler zu, der Auftragszuwachs sank allerdings vor wenigen Wochen auf den niedrigsten Stand seit rund eineinhalb Jahren. Auch die Verbraucherstimmung trübte sich leicht ein. So stuften auch die führenden Wirtschaftsökonomen im April das Wachstum von 2,5 Prozent im Vormonat auf nun 2,2 Prozent für das laufende Jahr herunter. Der IWF rechnet in diesem Jahr nach wie vor mit einem Wachstum von 2,5 Prozent und für das kommende Jahr mit zwei Prozent.

Mögliche ETFs auf deutsche Großunternehmen sind Xtrackers DAX UCITS ETF oder der Deka DAX UCITS ETF, der der Sparkassen-Familie entspringt. „Anleger, die auf deutsche Aktien setzten, sollten sich aber nicht lediglich auf die 30 Dax-Unternehmen verlassen“, sagt Markus Jordan, Herausgeber des ETF Extra Magazins und Betreiber der Plattform extra-funds.de. Besser sei ein ETF, der den deutschen Markt und besser noch den gesamten weltweiten Aktienmarkt abbildet. Auf Deutschland bezogen könnte das der AMUNDI ETF MSCI GERMANY UCITS ETF sein oder aber auch der ComStage F.A.Z. Index UCITS ETF. ETFs auf den MSCI World investieren in 23 Industrieländer rund um den Globus. Mit Schwellenländerkomponente gesellen sich noch 24 Schwellenländer dazu.

Spanien mit großen Chancen

Einer der großen Kandidaten im Kampf um den Fußball-WM-Pokal dürfte der Weltmeister von 2010 und der Europameister von 2008 und 2012 sein. Mit neun Siegen und einem Remis gegen Italien konnte die spanische Nationalelf nach den vergangenen Schlappen wieder eine tadellose Bilanz in der WM-Qualifikation vorweisen. Mit einer Wettquote von 1:7 wird der “La Furia roja” als heißer Anwärter um den Titel bewertet. Die Wahrscheinlichkeit für den Sieg wird von fussballmathe.de mit 14,84 Prozent bewertet. Mit einem Marktwert von 992 Millionen Euro ist die Mannschaft die zweitteuerste der 32 teilnehmenden WM-Teilnehmer.

Auch wirtschaftlich geht es dem einstigen EU-Krisenstaat wieder etwas besser. 2012 musste das iberische Land unter den europäischen Rettungsschirm ESM schlüpfen und erhielt damit Zusagen in Höhe von 100 Milliarden Euro, wovon 40 Milliarden Euro abgerufen wurden. Ein Teil davon konnte inzwischen zurückgezahlt werden. Die Arbeitslosenrate sank von ihrem Rekordwert 26,9 Prozent (Anfang 2013) auf nunmehr 16,45 Prozent. Vor allem der Tourismusboom sorgte für jährliche Einnahmen in Höhe von 119 Milliarden Euro. Krisen in anderen wichtigen Urlaubsländern der Welt sorgten für eine ausgezeichnete Hotelauslastung. Die Wirtschaft wächst wieder. So legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent und gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozent zu. Ein Problem ist allerdings die Verschuldung.

Mögliche ETFs: Xtrackers Spain UCITS ETF, AMUNDI ETF MSCI SPAIN UCITS ETF oder ComStage MSCI Spain TRN UCITS ETF.

Frankreich mit wertvollstem Team

Frankreichs “Equipe Tricolore” ist mit Fußballstars wie Kylian Mbappé, und Antoine Griezmann mit einem Marktwert von gut einer Milliarde Euro die teuerste der WM-Teilnehmerstaaten. In der WM-Qualifikation überzeugte Frankreichs Mannschaft mit einem klaren 4:0 gegen die Niederlande, blamierte sich aber mit einem 0:0 gegen den Fußballzwerg Luxemburg. Bei fussballmathe.de wird die Wahrscheinlichkeit eines WM-Sieges bei 7,83 Prozent gesehen. Die Wettquote steht bei 1:7,5.

Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas und war lange Zeit Sorgenkind innerhalb der Eurozone.  Der IWF hob die Wachstumsprognose für 2018 von 1,9 auf 2,0 Prozent an. 2017 legte das Bruttoinlandsprodukt um 1,9 Prozent zu, das war bereits das höchste Wachstum seit sechs Jahren. Präsident Emmanuel Macron will das Land kräftig umkrempeln. Das Arbeitsrecht wurde erneuert, die Vermögenssteuer abgeschafft, die Unternehmenssteuer wird stufenweise von 33,3 auf 25 Prozent im Jahr 2022 gesenkt. Die Ausbildung soll künftig praxisnäher werden, die Gründung mittelständischer Unternehmen soll gefördert, bürokratische Hürden abgebaut werden. Das dürfte langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessern, wovon Anleger auch an den Aktienmärkten profitieren können.

Frankreich-ETFs: Xtrackers CAC 40 UCITS ETF, AMUNDI CAC 40 und der breiter streuende iShares MSCI France UCITS ETF.

Übrigens: Geht es nach der Börsenentwicklung zwischen der vergangenen und dieser Fußball-WM, so lautet mit einem Kursplus von 64 Prozent der klare Weltmeister Peru.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.