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In der Theorie ist es eigentlich ganz einfach: Mit einem ETF bilden Anleger eins zu eins einen Index ab. In der Praxis gelingt die Abbildung sehr genau, aber nie 100%ig eins zu eins – ein Fehler, der als „Tracking Error“ bezeichnet wird. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

ETFs stehen in der Gunst von privaten wie professionellen Anlegern weit oben. Aus gutem Grund: das veranlagte Kapital gilt als Sondervermögen und bleibt daher im Besitz des Anlegers; ETFs werden kontinuierlich gehandelt und können somit jederzeit während der Börsenhandelszeiten ge- bzw. verkauft werden. Nicht vergessen werden darf das Kostenargument: Produkte auf gängige Indizes wie den DAX oder den Euro STOXX 50 sind mit einer sehr niedrigen Gesamtkostenquote (TER) ausgestattet; Ausgabeaufschläge, wie bei aktiven Fonds üblich, werden nicht erhoben.

Bevor Anleger das erste Mal in ETFs investieren, gehen sie häufig davon aus, dass der jeweilige Fonds seinen Referenzindex 100%ig exakt abbildet – denn das Ziel eines ETFs ist es schließlich, dem jeweiligen Referenzindex möglichst genau zu entsprechen. In der Praxis schaffen es viele ETFs jedoch nicht, ihren Index jederzeit eins zu eins abzubilden.

Der Tracking-Error hängt auch von der Art der Indexnachbildung ab

Die Differenz zwischen der Wertentwicklung eines ETFs und der des zugrunde liegenden Index wird als Tracking Error bezeichnet und stellt eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale von ETFs dar. Die Höhe des Tracking Errors hängt dabei nicht nur von der Expertise des einzelnen ETFAnbieters ab, sondern zum Großteil auch von der Art der Indexnachbildung.

Im Wesentlichen kann man zwischen der sogenannten vollen und der synthetischen Replikationsmethode unterscheiden. Bei der vollen Replikation führt die Fondsgesellschaft eine Investition in alle im Index enthaltenen Wertpapiere durch und gewichtet diese entsprechend ihres Anteils im jeweiligen Index. Diese Variante erzeugt allerdings zum einen hohe Transaktionskosten, da bei jeder Veränderung des Index auch der Wertpapierkorb des ETFs angepasst werden muss, zum anderen können Verluste durch den Zeitpunkt des Dividendenerhalts und deren Reinvestition entstehen. Der Tracking Error wird demzufolge relativ höher sein.

Dividenden werden leicht verzögert wieder reinvestiert

Während ein Indexanbieter Umstellungen des Index oder Kapitalmaßnahmen der im Index vertretenen Unternehmen unmittelbar (und ohne Kosten) berücksichtigen kann, ist dies bei ETFs nicht möglich. Ausschüttungen wie Dividenden oder Zinszahlungen führen bei ETFs auf Preisindizes zu einer unerwünschten Erhöhung der Cashquote, die bei starken Indexbewegungen zu einer Abweichung von der Benchmark führt. Auch bei Performanceindizes sorgen Dividendenausschüttungen für Probleme, da bei solchen Indizes in der Regel unterstellt wird, dass ausgeschüttete Dividenden sofort reinvestiert werden. In der Realität fließen dem Fondsvermögen Dividenden jedoch oft erst mit zeitlicher Verzögerung zu. Daher ist ein Tracking-Error-freier ETF-Nachbau insbesondere von sehr großen Indizes wie zum Beispiel dem MSCI World (rund 1.800 Aktien) mittels der vollen Replikationsmethode nicht möglich. Anders bei der synthetischen Variante. Sie ist kostengünstiger und effizienter in der Abbildung des Referenzindex und führt in der Regel zu einer wesentlich höheren Abbildungsgenauigkeit.

Rechenwege

Wer den Tracking Error selbst ausrechnen möchte, findet Ansätze für dessen mathematische Bestimmung, wobei grundsätzlich lineare und quadratische Verfahren unterschieden werden. Die gebräuchlichste Methode fasst den Tracking Error als Standardabweichung der Differenzrendite zwischen einem Portfolio und einer Benchmark (ausgedrückt in Prozent) über einen bestimmten Beobachtungszeitraum auf. Zur Berechnung des Tracking Errors wird zunächst die Varianz der Renditedifferenz zwischen dem ETF und der Benchmark berechnet und im Anschluss die Standardabweichung ermittelt. Der auf diese Weise berechnete Tracking Error veranschaulicht, wie gut der jeweilige ETF seine Benchmark repliziert hat.

Tracking Error: Zusammenfassung

Wichtig ist es für Anleger zu verstehen, dass der Tracking Error ein Risikomaß und kein Performancemaß ist. Dies verdeutlicht das nachfolgende Beispiel: Ein ETF, der am ersten Tag der Beobachtungsperiode gegenüber der Benchmark drei Prozent einbüßt, aber dann jeden Tag genau drei Prozent unter der Performance seiner Benchmark liegt, hat unter Umständen einen niedrigeren Tracking Error (dieser könnte sogar gegen null tendieren) als ein ETF, der der Performance seines Index mit großen Schwankungen zu einem gewissen Beobachtungszeitpunkt exakt entspricht. Ein Tracking Error hat damit nichts mit der Performance des ETFs zu tun – er drückt lediglich aus, was auf dem was auf dem Weg zum realisierten Ergebnis geschehen ist.

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Der Artikel wurde dem Anlegermagazin „Die Welt der ETFs“ von Lyxor übernommen.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.