nachhaltiges Investment
Für viele Anleger spielt nachhaltiges Investieren noch keine große Rolle. Dabei gibt es gute Gründe, auch am Kapitalmarkt nachhaltige Aspekte zu berücksichtigen.

Das Wachstum der Bevölkerung und die Steigerung des Lebensstandards im globalen Maßstab sind unweigerlich mit einem zunehmenden Verbrauch der natürlichen Ressourcen und damit auch der weiteren Beanspruchung der Natur durch die etc. verbunden: weitere Nutzung fossiler Energieträger und Verbrauch weiterer nicht erneuerbarer Ressourcen, Verdrängen der natürlichen Ökosysteme, Verlust der Artenvielfalt etc. Wirtschaft und Gesellschaft stehen damit in allen Regionen der Welt vor erheblichen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Dramatische Verbesserungen der Energie- und Ressourceneffizienz sind erforderlich, um die Tragfähigkeit der Erde nicht zu gefährden. Und nicht nur die klimapolitischen Vereinbarungen in Paris zeigen: Die Zeit der eher unbekümmerten Nutzung des Reichtums der Natur wird sich nicht mehr allzu lange hinziehen (können).

Zu diesen ökologisch bedingten Herausforderungen tritt eine weitere zentrale Herausforderung hinzu: Der Freihandel, die Globalisierung der Wirtschaft, ist mit der Hoffnung großer Teile der Weltbevölkerung verbunden, dass es auch tatsächlich zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen kommt. Globale Gerechtigkeit, Einhaltung der Menschenrechte und Realisierung fairer Arbeitsbedingungen, das sind die eigentlichen ideellen Versprechen, die mit der Globalisierung der Märkte einhergehen.

Die damit erforderlichen Änderungen der Rahmenbedingungen einerseits sowie die veränderte Wahrnehmung der gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung der Unternehmen andererseits trifft alle Branchen – wenn auch in unterschiedlicher Weise.

Zunehmend rückt dabei auch die Funktion des Kapitalmarkts bzw. der privaten und institutionellen Investoren und Finanzdienstleister in den Vordergrund: Die Rendite- und Wachstumserwartungen der Investoren sind nur dann in den kommenden Jahren und auf Dauer erfüllbar, wenn sich auf der realwirtschaftlichen und technologischen Ebene und im Finanzsektor ein gut abgestimmter Wandel vollzieht: Der Wandel zur „Green Economy“ braucht einen korrespondierenden Wandel zu „sustainable, social responsible“ oder „fair finance“. Diese wechselseitige Orientierung und Verständigung zwischen Vertretern des Kapitalmarkts und der Realwirtschaft wie auch Politik und Gesellschaft kann helfen, den Konflikt zwischen Verknappung der Ressourcen, den Erfordernissen des Klimaschutzes sowie den Folgen des Klimawandels einerseits und den Rendite- und Wachstumserwartungen des Kapitalmarkts zu identifizieren und zu entschärfen. Und tatsächlich finden sich immer mehr Investoren, die diesen Weg als Basis ihrer finanziellen Verantwortung und ihrer weiter gefassten gesellschaftlichen Mitverantwortung gehen.

nachhaltiges Investment

Vor diesem Hintergrund hat sich nachhaltiges Investment als ein vitaler Trend etabliert: Aufbauend auf zwei älteren separaten Ansätzen des ethisch und des umweltorientierten Investments wurden in den neunziger Jahren integrierte Nachhaltigkeitskonzepte entwickelt. Alle Konzepte basieren auf der gemeinsamen Vision einer nachhaltigen Entwicklung i. S. eines qualitativen Wachstums (Sustainable Growth oder Green Economy), also einer wirtschaftlichen Entwicklung, in der es gelingt, Gerechtigkeit, Wachstum und Respektierung ökologischer Grenzen des Wachstums in Einklang zu bringen. Das Verbindende ist daher, dass alle diese Konzepte der gemeinsamen Leitidee folgen, ökologische, soziale, gesellschaftliche, ethische oder subjektive moralische Aspekte unternehmerischen Verhaltens „mehr“ oder „besser“ zu berücksichtigen, als dies im konventionellen Asset Management üblich ist.

Dabei geht es um die Frage, welche ökologisch oder sozial bedingten Veränderungen die Wirtschaft und damit den Erfolg der Unternehmen prägen werden bzw. welche Aspekte, Werte und Normen der Investor in besonderer Weise beachten will. Das nachhaltige Investment erweitert damit den Horizont des rein finanziellen, ökonomischen Kalküls bzw. der ökonomischen Rationalität in dreifacher Hinsicht:

  • erstens im Hinblick auf die Berücksichtigung, nicht finanzieller, sozialer, ökologischer und weiterer Kriterien der Performance und der Wirkungen,
  • zweitens i. S. der Berücksichtigung des langfristigen Zeithorizonts der (nachhaltigen) Entwicklung des Unternehmens und der Wirtschaft insgesamt sowie
  • drittens im Hinblick auf die Berücksichtigung der moralischen Dimension wirtschaftlichen Handelns und damit auch der Wirkung unternehmerischen Handelns auf die Menschen, die Gesellschaft und Politik sowie die Umwelt.

Für alle Investitionen bleibt trotz dieser Erweiterung der ökonomischen Rationalität das klassische „Zieldreiecks“ der Investitionsentscheidung gültig: Sicherheit (Risiko), Flexibilität (Liquidität) und Rendite. Neu ist beim nachhaltigen Investment die Intention der Suche nach den Möglichkeiten, sich als Investor – unter Berücksichtigung dieses Zieldreiecks – an der Lösung der Probleme zu beteiligen. Diese Möglichkeiten sind heute gegeben: Insbesondere für Fonds und ETFs, die in Aktien oder Renten investieren gilt dies (siehe nachhaltiges-investment.org). Viele Studien zeigen, dass diese Investoren nicht nur gute Intentionen hatten, sondern in der Summe auch im Hinblick auf die finanzielle Rendite richtig lagen. Für die Zukunft sind allerdings weitere innovative Finanzierungsstrukturen dringend erforderlich – insbesondere im Bereich der Infrastrukturen, der zentralen und dezentralen Energieversorgung, der Landwirtschaft und in weiteren Bereichen, die helfen können, den Lebensstandard der Menschen in den Schwellen und Entwicklungsländern in einer nachhaltigen Art und Weise zu steigern.

Hier finden Sie eine Liste, mit allen in Deutschland handelbaren Nachhaltigkeits-ETFs.

Über den Autor

Paschen v. Flotow ist Geschäftsführender Vorsitzender des Sustainable Business Institute (SBI) und Herausgeber der Plattform www.nachhaltiges-investment.org. Er forscht und berät zu Themen des nachhaltigen Wirtschaftens. Er hat Volkswirtschaftslehre und Philosophie studiert und an der Hochschule St. Gallen über Geld- und Wachstumstheorie promoviert. Die Plattform www.nachhaltiges-investment.org zeigt alle 400 Publikumsfonds und ETFs des deutschsprachigen Markts, die wichtigsten Indizes und 4.300 Aktien, in die diese Fonds investieren bzw. die in den Indizes gelistet sind.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.