Start ETF-News Weltweit verwaltetes Vermögen in Rohstoff-ETPs erreicht Rekordniveau

Weltweit verwaltetes Vermögen in Rohstoff-ETPs erreicht Rekordniveau

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Börsengehandelte Indexprodukte, die Rohstoffe abbilden, sind weltweit stark in das Jahr 2012 gestartet. Dies geht aus der neuesten Ausgabe des Global Commodity ETP Quarterly Report hervor, der heute von ETF Securities veröffentlicht wurde. Gestiegene Rohstoffpreise und eine wachsende Nachfrage nach ETPs ließen danach das weltweit verwaltete Vermögen in Rohstoff-ETPs zum Ende des ersten Quartals um 19 Milliarden US-Dollar auf insgesamt 189 Milliarden US-Dollar steigen. Damit habe das verwaltete Vermögen den höchsten jemals erreichten Stand zum Ende eines Quartals erreicht.

Eine Erholung des US-Wirtschaftswachstums sowie die geordnete Umstrukturierung der griechischen Staatsschulden hätten zu einem Anstieg der Risikobereitschaft der Investoren und einem Ausbau der Positionen bei Rohstoff-ETPs geführt. Die Nettomittelzuflüsse seien so stark wie zuletzt im zweiten Quartal 2010 gestiegen und hätten um 7,5 Milliarden US-Dollar zugelegt.

Das anziehende Wirtschaftswachstum unterstützt ETPs, die keine Edelmetalle abbilden

Während der ersten drei Monate des laufenden Jahres hätten Rohstoff-ETPs weltweit den größten Mittelzufluss seit zwei Jahren erlebt. Die Nachfrage sei deutlich breiter auf die verschiedenen Anlagesegmente verteilt gewesen als in den vorherigen Quartalen.
„In der Vergangenheit dominierten Edelmetalle und insbesondere Gold die gesamten Mittelzuflüsse bei ETPs. Zwar flossen im ersten Quartal 2012 4,4 Milliarden US-Dollar in die Edelmetall-ETPs, gleichzeitig zogen andere Rohstoff-ETPs jedoch weitere 3,1 Milliarden US-Dollar an. Dies sind die höchsten Zuflüsse im Nicht-Edelmetall-Bereich in den vergangenen zwei Jahren“, berichtet ETF Securities. Da sich die US-Wirtschaft erholt habe und die akuten Schuldenrisiken in Europa gesunken seien, sei die Risikobereitschaft der Investoren wieder gestiegen. Hiervon hätten ETPs auf eher zyklische Rohstoffe, wie zum Beispiel Kupfer, Zinn, Öl, Palladium, Platin und Silber profitiert. Zudem seien auch die Investments in ETPs auf breit diversifizierte Rohstoffkörbe gestiegen.

Starke Nachfrage nach Gold ETPs trotz nachgebender Kurse

„Der Goldpreis fiel in der zweiten Hälfte des ersten Quartals 2012 deutlich. Da sich die Lage der US-Wirtschaft verbesserte, gingen die Erwartungen der Investoren einer weiteren Lockerung der Geldpolitik in naher Zukunft zurück. Auch der Dollar konnte zulegen, da die Entwicklung der Zinsdifferenzen die US-Währung unterstützt hat. Trotz der Korrektur des Goldpreises blieb die Nachfrage nach Gold-ETPs mit Nettozuflüssen in Höhe von 3,6 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2012 weiterhin stabil. Damit erlebten Gold-ETPs das dritte Quartal in Folge beträchtliche Mittelzuflüsse“, heißt es weiter. Obwohl die zyklische Erholung der US-Wirtschaft die Erwartungen einer weiterhin lockeren Geldpolitik gedämpft hätten und die Marktzinsen erhöht habe, hätten sich die Faktoren nicht geändert, welche den Goldpreis langfristig stützten.

Spannungen im Nahen Osten ließen die Mittelzuflüsse in Öl-ETPs stark ansteigen

Im ersten Quartal 2012 sind laut ETF Securities weltweit 1,2 Milliarden US-Dollar in Öl-ETPs geflossen. Der Trend von sechs aufeinanderfolgenden Quartalen mit Nettoabflüssen sei damit beendet worden. Die Nachfrage nach Öl-ETPs sei so stark wie seit dem zweiten Quartal 2010 nicht mehr gewesen. Die Zuflüsse in die Öl-ETPs seien damit allein von denen in Gold übertroffen worden.
Die Erholung der US-Wirtschaft und das anhaltend starke Wachstum in China hätten offenbar den Anstieg des Ölpreises gefördert. Auch die Zuspitzung der politischen Lage im Iran und die steigenden Risiken einer militärischen Auseinandersetzung in der Region hätten hierzu beigetragen.

Nicholas Brooks, Head of Research und Investment Strategy bei ETF Securities, kommentiert:

„Das erste Quartal 2012 war ein guter Start für Rohstoff-ETPs. So haben steigende Rohstoffpreise und starke Mittezuflüsse das verwaltete Vermögen zum Quartalsende auf ein neues Rekordniveau getrieben. Drei Schlüsselfaktoren sind für diese Entwicklung verantwortlich: Erstens stützen das wieder anziehende Wirtschaftswachstum und die steigende Risikobereitschaft der Investoren die Nachfrage. Zweitens hat die Gefahr eines Militärkonfliktes im Nahen Osten den Ölpreis und damit auch die Nachfrage nach Öl-ETPs steigen lassen. Der wichtigste Faktor und größte Wachstumstreiber des gesamten ETP-Sektors bleibt jedoch die anhaltende Nachfrage nach Gold-ETPs zur Portfolio-Diversifizierung sowie als Absicherung gegen eine Währungsabwertung und Inflationsrisiken in einem Umfeld niedriger Realzinsen. Da sich die Situation im Iran in naher Zukunft wahrscheinlich nicht verbessern wird und die strukturellen Faktoren für eine starke Goldnachfrage unverändert Bestand haben, bestehen zwei der drei Schlüsselfaktoren für eine hohe Nachfrage nach Rohstoff-ETPs fort. Offene Fragen für den weiteren Jahresverlauf sind, ob der wirtschaftliche Aufschwung in den USA anhält und ob Europa seine Staatsschuldenkrise in den Griff bekommt und damit verhindert, dass der globale Wirtschaftsaufschwung beeinträchtigt wird.“

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.