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Weltweiter Investitionsstau – mit Infrastruktur-ETFs profitieren

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Die Erfüllung von Grundbedürfnissen wie sauberes Wasser, Schienen- und Straßenverkehrswege und eine flächendeckende Stromversorgung erfordern enorme Investitionen. Diese werden unter dem Begriff Infrastruktur zusammengefasst. Anleger können an der Entwicklung dieses Sektors mit zahlreichen ETFs partizipieren.

 

Rund zwei Jahre nach dem Tiefpunkt der weltweiten Finanzkrise und der dadurch verursachten Rezession scheint der Weltkonjunkturmotor wieder anzulaufen. Die Weltbank erwartet für das Jahr 2011 ein weltweites Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent. Neben der Politik des billigen Geldes waren vor allem die weltweiten Konjunkturprogramme für eine zügige Rückkehr zu alter Wirtschaftsleistung verantwortlich. Besonders Unternehmen aus den Bereichen Infrastruktur profitierten von den staatlichen Subventionen.

Definition Infrastruktur

Unter diesem Begriff versteht man alle langlebigen Grundeinrichtungen, die das Funktionieren einer Volkswirtschaft ermöglichen. Darunter fallen sowohl technische Bereiche wie die Ver- und Entsorgung, die Kommunikation und der Verkehrsbereich als auch soziale Bereiche wie Investitionen in das Bildungssystem, das Gesundheitssystem, die öffentliche Sicherheit, die Verwaltung und das Rechtssystem. Beide Bereiche sind in gleicher Weise für das reibungslose Funktionieren des Lebens notwendig. Für Anleger investierbar sind bisher im Wesentlichen Unternehmen aus dem technischen Bereich.

Ver- und Entsorgung weltweit

Die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser und anschließender Entsorgung des Abwassers ist einer der essenziellsten Belange weltweit. Dennoch ist dies in ärmeren Ländern, speziell in Afrika, noch nicht oder nur unzureichend gegeben. Doch auch in den entwickelten Ländern besteht weiterhin Potenzial, speziell der Aufbereitung von Abwasser und der Erneuerung der zum Teil veralteten Leitungen kommt eine immer größere Bedeutung zu. Auch Wertstoffverwertung und Recycling von Abfall sind zunehmend wichtige Themen. Die natürlichen Ressourcen werden durch die steigende Nachfrage immer seltener und steigende Rohstoffpreise machen das Wiederverwerten und die Aufbereitung von Abfall lukrativ. Während beispielsweise in Deutschland Mülltrennung bereits sehr tief in der Bevölkerung verwurzelt ist, ist das beim weltweit größten Abfallverursacher, den USA, noch ein Nischenthema. Die Versorgung mit Elektroenergie, Gas und Fernwärme befindet sich weltweit im Umbruch. Besonders die Emerging Markets haben einen hohen Energiebedarf und bauen ihre veralteten Kraftwerke und Netze konsequent aus. Diese Bereiche bieten ein hohes Potenzial.

Kommunikation das A und O

Die wachsende Verbreitung des Internets verändert unser tägliches Handeln. E-Mail, Facebook, Smartphones und Co. sorgen neben der jederzeitigen Erreichbarkeit auch für eine Veränderung der Geschäftsprozesse. Dem Online-Handel kommt eine immer größere Bedeutung zu. Videoportale wie YouTube und Streaming-TV-Programme verstopfen zunehmend die verfügbaren Leitungs- und Funkkapazitäten. Ein Ausbau der Telekommunikations- und Mobilfunknetze ist daher laufend erforderlich. Europa, Nordamerika und Japan sind hier schon sehr weit fortgeschritten, dennoch besaßen 2008 laut Weltbank weltweit nur knapp 24 Prozent der Weltbevölkerung einen Internetanschluss. Hier besteht ein erheblicher Investitionsbedarf – nicht nur für die Instandsetzung, sondern auch für den den Ausbau der Netze.

Ausbau der Verkehrswege

In 16 Tagen um die halbe Welt. So lange brauchte ein Containerzug der Deutschen Bahn für eine Strecke von 10.300 Kilometern von Deutschland nach China. „Noch im laufenden Jahr könnte bei ausreichender Nachfrage der Regelverkehr zwischen Deutschland und China aufgenommen werden“, sagte Karl-Friedrich Rausch, Vorstand Transport und Logistik der DB Mobility Logistics AG, im April. Durch die Globalisierung und die wachsende Mobilität der Bevölkerung wird auch der Anspruch an die bisherigen Verkehrsnetze immer größer. Der Baltic Dry Index, der die Frachtraten für Schiffe in verschiedenen Klassen misst, steigt seit seinem im Zuge der Finanzkrise scharfen Einbruch wieder. An den Absatzzahlen der Autobauer lässt sich auch erkennen, dass besonders in China die Straßen weitaus mehr beansprucht werden als noch vor einigen Jahren. In Peking versucht die Regierung die überfüllten Straßen durch eine Einschränkung der Neuzulassungen in den Griff zu bekommen. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung rechnet mit einer Zunahme der Güterverkehrsleistung von 2004 bis 2025 um rund 70 Prozent in Deutschland. Der Luftverkehr nimmt trotz steigender Kerosinpreise und Luftfahrtsteuer weiter zu.

Infrastruktur-ETFs bieten weltweiten Einstieg

Das Anlagethema Infrastruktur wurde auch von den ETF-Anbietern aufgegriffen. Inzwischen gibt es vier Indexfonds mit Investitionsschwerpunkt in Unternehmen aus dem Segment der Infrastruktur. iShares bietet den iShares FTSE/Macquarie Global Infrastructure 100 ETF. Die australische Bank Macquarie gilt weltweit als einer der führenden Experten bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten und hat zusammen mit dem Indexprovider FTSE den genannten Index aufgelegt. Dieser umfasst 100 Werte aus den Bereichen Versorgerbetriebe (89 Prozent), Öl und Gas (8 Prozent) und Industrie (3 Prozent). Dabei werden Unternehmen aus den USA mit 40 Prozent hoch gewichtet. Es folgt England mit einem Anteil von 9 Prozent und Frankreich mit 8,5 Prozent. Der ETF bildet den zugrunde liegenden Index mit voller Replikation ab und schüttet Erträge vierteljährlich an die Anteilseigner aus. Die Kosten liegen bei 0,65 Prozent pro Jahr. db x-trackerss bietet einen ETF auf den S&P Global Infrastructure. Hier können Anleger in 75 weltweit gestreute Aktienwerte investieren. Der ETF investiert in Aktien der folgenden Bereiche: Versorger (30 Titel), Transport (30 Titel) und Energie (15 Titel). Außerdem müssen mindestens 15 Aktienwerte aus den Schwellenländern enthalten sein. Auch bei diesem ETF sind Unternehmen aus Nordamerika mit 25 Prozent am stärksten gewichtet. Danach folgen Unternehmen aus Kanada (11 Prozent) und Frankreich 8,5 Prozent). Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,6 Prozent pro Jahr, die Indexabbildung erfolgt mittels Swap.

Auch die BNP bietet mit dem swapbasierten Easy-ETF auf den NMX30 Infrastructure Global einen passenden Indexfonds an. Er bietet ein komprimiertes Engagement in nur 30 Aktienwerte an. Am stärksten gewichtet ist hier der Gas- und Öl-Bereich mit 35 Prozent, gefolgt von der Maut- und Kommunikationsbranche mit 16 Prozent bzw. 13 Prozent. Auch hier sind Unternehmen aus den USA (35 Prozent), England (13 Prozent) und Kanada (12 Prozent) am stärksten gewichtet.Die Gesamtkostenquote des ETF liegt bei 0,5 Prozent, Erträge werden thesauriert. Anleger, die einen stärkeren Fokus auf die Emerging Markets setzen möchten, können in den iShares S&P Emerging Markets Infrastructure ETF investieren. Hier sind Unternehmen aus Hongkong und Brasilien mit knapp 30 Prozent gewichtet. Auch dieser ETF ist voll replizierend und schüttet Gewinne halbjährlich aus.

Fazit:

Auch nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme besteht noch immer ein großes Potenzial im Bereich der Infrastruktur. Typisch für Unternehmen aus dem Bereich Infrastruktur sind langfristig gut prognostizierbare und relativ stabile Erträge. Der in den Indizes stark vertretene Öl- und Gassektor ist hingegen stark von der Ölpreisentwicklung abhängig, bei einer Investition sollte dies berücksichtigt werden. Zudem sollten Anleger die hohe US-Dollar-Gewichtung beachten, hier drohen für Euro-Anleger eventuell Währungsrisiken. Investitionen in Infrastruktur-ETFs sollten auf alle Fälle langfristig getätigt werden.

Index: Macquarie Global Infrastructure 100
WKN: A0LGQM
Emittent: iShares
TER: 0,65 Prozent

Index: NMX30 Infrastructure Global
WKN: A0ND6R
Emittent: EasyETF
TER: 0,50 Prozent

Index: S&P Emerging Markets Infrastructure
WKN: A0RFFS
Emittent: iShares
TER: 0,74 Prozent

Index: S&P Global Infrastructure
WKN: DBX1AP
Emittent: db x-trackers
TER: 0,60 Prozent

Index: Dow Jones Brookfield Emerging Markets Infrastructure
WKN: A1H808
Emittent: ETF Securities
TER: 0,65 Prozent

Index: Dow Jones Brookfield Global Infrastructure
WKN: A1H809
Emittent: ETF Securities
TER: 0,60 Prozent

 

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