Gold als Ankerwährung könnte nach Meinung eines Gold-Experten von VanEck angesichts sinkender Liquidität und der Verschuldungsproblematik einer Schwellenlönder schon bald teurer werden.

Bislang wurden die Auswirkungen der Türkei-Krise auf den Goldpreis durch den starken US-Dollar aufgehoben, da sie derzeit keine unmittelbare Gefahr für die US-Wirtschaft oder das globale Finanzsystem darzustellen scheint. „Wir glauben jedoch, dass die türkische Krise symptomatisch für einen größeren Trend ist, der Gold letztendlich zugutekommen wird“, sagt Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck. „Nach Jahren der monetären Misswirtschaft und Überschuldung durch niedrige Zinsen und reichlich Liquidität ist die Türkei vermutlich nur der erste Dominostein, der kippt.“

Um die fragile Natur des türkischen Finanzsystems aufzudecken, bedurfte es gerade einmal zweier Tweets: „Donald Trump kündigte an, die Stahl- und Aluminiumzölle erhöhen und Sanktionen gegen zwei Beamte zu verhängen, und löste damit eine Krise aus“, berichtet Foster, der in diesem Zusammenhang auf Recherchen des Wall Street Journals verweist. Die Türkei habe eines der größten Handelsdefizite unter den Schwellenändern, eine hohe Inflation sowie starke Kreditaufnahme sowohl in US-Dollar als auch in Euro. Der dramatische Rückgang der türkischen Lira in diesem Jahr erschwere die Rückzahlung von Schulden in Höhe von 330 Milliarden US-Dollar von Banken und Unternehmen. Darüber hinaus hat die türkische Regierung auch Fremdwährungsanleihen in Höhe von 11 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausgegeben.

3,7 Billionen US-Dollar-Fremdwährungsschulden von Schwellenstaaten

Laut einem Bericht von Gluskin Sheff + Associate haben die Zentralbanken der Welt seit 2009 den Finanzsystemen Stimuli in Höhe von 13 Billionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. Diese Liquidität wird den Märkten nun entzogen. Die US-Notenbank Federal Reserve hat die Zinssätze seit Ende 2015 bereits acht Mal angehoben und wird ihre Wertpapierverkäufe im Oktober wahrscheinlich von 30 auf 50 Milliarden US-Dollar pro Monat erhöhen. Die Bank of England hat ihre geldpolitische Lockerung aufgegeben und die Europäische Zentralbank plant, ihre Bilanz im kommenden Jahr nicht weiter aufzublähen und könnte damit beginnen, die Zinsen zu erhöhen. Wenn die Liquidität, die die wirtschaftliche Expansion befeuert hat, langsam ausläuft, werden die anfälligsten Bereiche des Finanzsystems zuerst ausfallen.

Foster erwähnt in diesem in diesem Zusammenhang die starke Fremdwährungsverschuldung der Schwellenländer insgesamt. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schätzt das Volumen der bestehenden USD-Kredite an Schwellenländer auf rund USD 3,7 Bio.“Während die Zentralbanken global ihre Geldpolitik zunehmend straffen, erwarten wir, dass es auch in weiteren Schwellenländern zu ähnlichen Krisen wie derzeit in der Türkei kommen könnte“, so Foster. Das würden auch die Industriestaaten zu spüren bekommen. Der Experte betont, dass Gold aufgrund seiner unkorrelierten Natur und seiner Fähigkeit, sich inmitten globaler Finanzturbulenzen gut zu entwickeln, eine einzigartige Anlageklasse sei.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.