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Wenn Schwellenländeranleihen, dann mit ETFs

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renditen

In Schwellenländer zu investieren war in den vergangenen zwei Jahren ein beliebter und effektiver Weg, positive Performance zu erzielen. Das galt für Aktien und Rentenanlagen gleichermaßen. Wer sein Geld Anfang 2009 beispielsweise in einen Aktien-ETF auf den MSCI Emerging Markets investiert hat, konnte seinen Einsatz bis heute mehr als verdoppeln. Ein Investment in einen Renten-ETF – wie den iShares JPMorgan $ Emerging Markets Bond Fund – brachte fast 50 Prozent Wertentwicklung. Ein Grund, das Segment näher zu beleuchten.

Trotz der guten Performance haben in den ersten Monaten dieses Jahres Investoren Gelder aus Schwellenländer-Anlagen abgezogen. Das ist in erster Linie auf die politischen Unruhen, hohe Inflationskennzahlen und Gewinnmitnahmen zurückzuführen. Bemerkenswert dabei ist, dass die Abflüsse aus Aktien-ETFs höher ausfallen als bei Anleihen-ETFs. Bleiben Anleihen aus Schwellenländern langfristig attraktiv? Und wenn ja, wie kann man einfach in die Anlageklasse investieren?

Schwellen- und Industrieländer im Vergleich

Dazu hilft ein Blick auf die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Faktoren, die die Situation in den Schwellenländern im Unterschied zu den entwickelten Industrienationen kennzeichnen. Sie haben Einfluss auf Investments in Schwellenländeranleihen.

Starkes Wirtschaftswachstum:

Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert den Schwellenländern für 2011 rund 6,5 Prozent durchschnittliches Wachstum. Die Industrienationen werden laut IWF nur um 2,4 Prozent wachsen; die Länder der Eurozone um 1,6 Prozent.

Niedrige Verschuldung:

Schwellenländer weisen einen deutlich niedrigeren Verschuldungsgrad auf. Während die Industriestaaten 2011 mit durchschnittlich 103 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in der Kreide stehen, beträgt die Bruttoverschuldung in Schwellennationen nur rund 33,6 Prozent.

Junge Bevölkerung:

Wer in den Industrieländern lebt, ist durchschnittlich 39 Jahre alt. Der Altersdurchschnitt in den Schwellenländern liegt bei lediglich 26 Jahren. Das bedeutet größeres zukünftiges Wachstumspotenzial.

Währungsaufwertung:

Die Aufwertung vieler Währungen in den Schwellenländern sorgte für positive Renditen bei Währungsanleihen. Andererseits sind staatliche Interventionen die Folge, da eine zu starke Währung den Export und damit das Wirtschaftswachstum gefährden kann. Auch die Industrienationen haben gehandelt, um die eigene Währung abzuwerten und damit dem Wirtschaftswachstum zu helfen. Das war zuletzt etwa in Japan der Fall. Deutschlands Export profitierte vom schwachen Euro während der Schuldenkrise in der Eurozone.

Hohe Inflation:

Für die Schwellenländer erwartet der IWF dieses Jahr eine Inflation von 6,9 Prozent. In den entwickelten Ländern dürfte die Teuerungsrate dagegen bei 2,2 Prozent, in den Euroländern bei 2,3 Prozent liegen.

Politisches Risiko:

Die Unruhen im Nahen Osten und in Nordafrika sind ein trauriger Beweis dafür, dass die politische Situation in einigen Schwellenländern noch immer ein Risiko darstellt. Bestimmte Industrieländer wie die USA oder Deutschland werden in Krisenzeiten dagegen als sicherer Hafen gesehen und Staatsanleihen sind bei Investoren beliebt.

Junge Bevölkerung unterstützt

Die wirtschaftliche Situation der Schwellenländer ist überwiegend positiv einzuschätzen. Vor allem im Vergleich mit Industrieländern schneiden sie bei Wirtschaftswachstum und Verschuldung gut ab. Die junge Bevölkerung sollte unterstützend auf das Wachstum wirken und für eine zunehmende Nachfrage nach lokalen Anleihen für den Aufbau von Pensionsgeldern sorgen.

Es gibt auch Risiken

Die hohe Inflation und die derzeit eher lockere Geldpolitik – auch um eine Währungsaufwertung durch hohe Zinssätze zu vermeiden – wirken dagegen negativ auf Schwellenländeranleihen. Gleiches gilt für die zunehmenden Restriktionen und Interventionen, wie zum Beispiel die sechsprozentige Erwerbssteuer auf brasilianische Anleihen. Hinzu kommt das schwer abschätzbare politische Risiko.

Schwellenländeranleihen mit ETFs

Die direkte Investition in Schwellenländeranleihen kann schwierig sein: Anleger benötigen Währungskonten und gegebenenfalls lokale Abwicklungsstellen. Auf Anleihen in lokaler Währung fallen teilweise Steuern auf den Erwerb oder Quellensteuern auf Erträge an. Diese können zusätzlich zu Steuern im eigenen Land berechnet werden – je nach Steuerabkommen der jeweiligen Länder.

Indizes auf Schwellenländeranleihen unterscheiden Hartwährungsanleihen, die meist in US-Dollar begeben werden, und Anleihen in lokaler Währung. ETFs, die diese Indizes abbilden, können einen einfachen Weg bieten, um in Schwellenländeranleihen zu investieren. Der Handel über hiesige Börsen und in Euro vereinfacht hierbei die Investition. Hinzu kommt, dass schon mit kleinen Beträgen in ein diversifiziertes Portfolio investiert werden kann. Bei den US-Dollar-Anleihen kann, je nach ETF, eine Diversifikation von über 30 Ländern erreicht werden, etwa mit dem iShares JPMorgan $ Emerging Markets Bond Fund.

Fazit:

Wer in Schwellenländer investieren möchte, sollte die dortige wirtschaftliche und politische Entwicklung genau im Auge behalten. Mit ETFs finden Anleger ein geeignetes Vehikel für ihre Investments.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.