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Wie die ETF-Branche ihr Wachstum beschleunigen kann

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Head of Lipper EMEA Research
Detlef Glow, Head of Lipper EMEA Research, Mutual Funds and ETF Industry Expert.

Der Erfolg von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) basiert im Wesentlichen auf zwei Faktoren: Sie sind preiswert und – in der Regel – einfach strukturiert. Allerdings scheint es so zu sein, das viele Anleger ETFs nur sehr einseitig nutzen. Die einen verwenden ETFs als preisgünstiges Langzeitinvestment, während andere mit ETFs ihre kurzfristigen Marktmeinungen umsetzen oder versuchen mit diesen Produkten von Trends in den Wertpapiermärkten zu partizipieren. Was kann die ETF-Branche dagegen tun.

ETF-Nutzung zur Cash-Transition

Darüber hinaus weisen ETFs aber noch ganz andere Vorteile aus, die bis dato nur von wenigen Investoren genutzt werden. So eignen sich diese Produkte zum Beispiel zur sogenannten „Cash-Transition“. Dabei werden ETFs während der Umstrukturierung eines Portfolios eingesetzt, um die Wertentwicklung eines Marktes, das sogenannte Beta, im Portfolio abzubilden um dann im Laufe des Prozesses gegen spezifische Wertpapiere ausgetauscht zu werden, die einen Mehrertrag im Vergleich zum Marktindex, das sogenannte Alpha liefern sollen. Diese Methode ist bei amerikanischen Fondsmanagern zwischenzeitlich so beliebt gewesen, dass einige Marktbeobachter dies als Passivierung aktiver Fonds angeprangert haben, obwohl diese Form der ETF-Nutzung dem Endanleger, in einem positiven Marktumfeld, Vorteile bringt.

ETFs als Ersatz für Futures

Professionelle Investoren nutzen ETFs auch als Ersatz für Futures. Zum einen vermeiden sie durch den Einsatz von diesen Produkten das regelmäßig fällige Rollen des Futures, wodurch die Investoren Transaktionskosten sparen. Zum Anderen gibt es viele Märkte für die es keinen liquiden Future, aber handelbare ETFs gibt, mit denen sich Investoren den Zugang zu diesen Märkten erschließen können. Um diese Art der Nutzung auszuweiten, sollten die Anbieter von börsengehandelten Indexfonds darauf achten, das ihre Produkte immer über eine ausreichende Liquidität und enge Handelsspannen verfügen, um ihre ETFs so als Alternative für Derivate interessant zu machen.

Wachstumsschub für ETF-Branche

Gerade die beiden hier genannten Einsatzmethoden könnten der ETF-Branche in Europa einen erneuten Wachstumsschub bescheren. Aus diesem Grund sollten die Anbieter von börsengehandelten Indexfonds nicht nur versuchen neue Kundengruppen zu erschließen, sondern sich auch weiterhin bemühen den bestehenden Nutzern die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von ETFs näher zu bringen, um so das Potenzial ihrer bestehenden Kundenbeziehungen zu nutzen. Anders formuliert: Auch nach 16 erfolgreichen Jahren ist die sogenannte „Client-Education“ immer noch ein wichtiger Aspekt für den zukünftigen Erfolg der ETF-Branche und sollte von den Anbietern nicht vernachlässigt werden.

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Markus Jordan, Gründer und Geschäftsführer der 2007 gegründeten Isarvest GmbH. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkt Exchange Traded Funds und Derivate. Davor arbeitete er als Private Banking Berater bei der Unicredit, als Senior Produktmanager bei der DAB bank AG und als Senior Sales bei der Deutschen Bank.