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Wie viele ETFs braucht der Markt?

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Der ETF-Experte Detlef Glow beleuchtet und kommentiert bei uns Entwicklungen der ETF-Branche. Er veröffentlicht regelmäßig in verschiedensten Medien ETF-Artikel und -Kommentare.

Immer wieder kommt die Frage auf, ob am europäischen Markt für börsennotierte Indexfonds (ETFs) noch Raum für weitere Anbieter ist. Ich denke, ja. Denn erstens bevorzugen viele Investoren heimische Anbieter. Zweitens gibt es beim Produktangebot, insbesondere wenn aktive Fonds in die Betrachtung mit einbezogen werden, noch weiße Flecken auf der Landkarte. Und drittens besteht Spielraum bei den Kosten. Drei Bereiche, auf denen Anbieter bei Investoren punkten können.

Vanguard, die schwedische Swedbank Robur sowie die schweizerische Julius Baer sind in den letzten Wochen auf dem europäischen ETF-Markt aktiv geworden. Die Unternehmen sind gute Beispiele dafür, mit welchen Strategien neue ETF-Anbieter Erfolg haben wollen.

Unterschiedliche Herangehensweisen der Anbieter

Der US-Gigant Vanguard ist mit fünf börsengehandelten Indexfonds gestartet. Bei diesen Produkten handelt es sich um Fonds auf Standardmärkte ohne spezielle Strategien: einen ETF auf den S&P 500, den FTSE 100, den FTSE Emerging Markets und den FTSE All World sowie einen Fonds britische Staatsanleihen als Anbieter internationaler Märkte. Mit exotischen Nischenprodukten will Vanguard also offenbar nicht bei den Investoren punkten. Vielmehr setzt die Gesellschaft auf Kostenfaktoren wie Managementgebühren oder Spannen zwischen den An- und Verkaufskursen.

Die ersten drei ETFs von Swedbank Robur beziehen sich auf den schwedischen Aktienmarkt. Einer der Fonds vollzieht die Wertentwicklung eins zu eins nach, einer als gehebelte Version in doppeltem Maße und einer als Short-Variante umgekehrt. Swedbank Robur ist der zweite schwedische ETF-Anbieter. Die Gesellschaft kann darauf bauen, dass sie im Geschäft mit klassischen, aktiv gemanagten Investmentfonds auf ihrem Heimatmarkt ein etablierter Anbieter ist und in Schweden über ein dichtes Filialnetz verfügt.

DetlefGlow-ETF-ExperteIm Gegensatz dazu setzt Julius Baer, als Ergänzung zu den bereits aus dem Haus angebotenen Edelmetall-ETFs, mit den Smart Equity ETFs auf eine aktive Anlagestrategie, mit der die Wertentwicklung des unterliegenden Index geschlagen werden soll.

Vanguard setzt also auf Reputation und Kosten, Swedbank Robur auf Expertise auf dem Heimatmarkt und seine Vertriebsstärke. Obwohl beide Vorgehensweisen unterschiedlich sind, haben sie etwas gemeinsam: Bei den ETFs, die beide Gesellschaften im ersten Schritt anbieten, handelt es sich um Produkte, mit denen sich schnell große Summen von den Investoren einwerben lassen. Bei den ETFs aus dem Hause Julius Baer sieht dies anders aus. Da die Produkte einen aktiven Managementansatz verfolgen, lässt sich deren Wertentwicklung nicht genau einschätzen. Diese Fonds müssen sich wahrscheinlich erst einmal im Wettbewerb mit anderen Fonds beweisen, bevor Investoren auf diese Produkte aufmerksam werden.

Vorteile für Anleger

Die Möglichkeit, schnell hohe verwaltete Vermögen zu erzielen, ist ein Umstand, den man im ETF-Geschäft, das von kleinen Margen bestimmt ist, nicht unterschätzen darf. Zwar dürften Vanguard und Swedbank Robur im Ernstfall einen langen Atem haben. Aber es lebt sich auch in der ETF-Industrie leichter, wenn man geschäftliche Erfolge vorweisen kann und profitabel ist.

Was bringen diese neuen Anbieter den Anlegern? Ein größeres Produktangebot, klar. Ansonsten sind kurzfristig keine Vorteile erkennbar. Mittel- und langfristig könnte der zunehmende Wettbewerb der einzelnen Anbieter aber die Managementgebühren und die Handelsaufschläge (Spreads) verringern. Zudem kann der Versuch von Julius Baer, aktiv gemanagte ETFs im Markt einzuführen, als Lackmustest gesehen werden. Sollte die Einführung erfolgreich sein, wird dies sicherlich andere Anbieter auf den Plan rufen, was dann in der Konsequenz zu einem noch breiteren Angebot an aktiv gemanagten ETFs führen könnte. Ob diese Fonds aber wirklich ETFs oder einfach nur gelistete Fonds sind, muss die Zukunft zeigen, denn nur weil ein Fonds an einer Börse gelistet ist, ist dies noch lange kein ETF, der quasi zu jedem Zeitpunkt zu einem fairen Preis gehandelt werden kann.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.