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Womit müssen Anleger in 2010 rechnen?

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Ausblick 2010 - Womit müssen Anleger in 2010 rechnen?

Ein turbulentes Jahr geht zu Ende. Doch mit welchen Trends ist 2010 an den Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkten zu rechnen? Ein aktueller Meinungsüberblick. Nach der schwersten Rezession seit Jahrzehnten hat die Weltwirtschaft begonnen, sich wieder zu stabilisieren. Auch an den Finanzmärkten hat sich das Bild im Jahresverlauf deutlich aufgehellt. Doch viele wichtige Fragen sind weiter offen: Wie nachhaltig ist der Konjunkturaufschwung? Wann beginnen die Notenbanken, die Zinsschraube wieder nach oben zu drehen? Hat sich an den Aktien- und Rohstoffmärkten bereits eine Liquiditätsblase gebildet oder können fundamentale Impulse die Kurse noch weiter nach oben treiben?

Konjunkturaufschwung

Obwohl es keine sicheren Antworten auf diese Fragen gibt, lässt sich aus den Prognosen der Volkswirte und Analysten durchaus ein klares Meinungsbild erkennen. Zum Credo gehört, dass die Weltwirtschaft im kommenden Jahr wieder an Schubkraft gewinnen wird – und zwar stärker als noch vor kurzem prophezeit. Erst kürzlich hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre 2010er-Schätzung für das globale Wachstum von 2,3 Prozent auf 3,4 Prozent angehoben. Jim O’Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, ist noch optimistischer: In einer neuen Studie sieht er die Weltwirtschaft sogar um 4,4 Prozent expandieren. Eine besondere Wachstumsdynamik – auch da sind sich die Experten einig – werden die Schwellenländer entfalten. So geht die OECD in ihrem „Economic Outlook“ davon aus, dass zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt in China im kommenden Jahr um 10,3 Prozent zulegen wird. Goldman Sachs hält sogar ein Plus von 11,4 Prozent für möglich. In den Industrieländern warnen die Experten allerdings vor einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen.

Inflation kein Thema

Konsens herrscht unter den Analysten auch in der Frage, wohin die Preise gehen. Demnach wird Inflation trotz ausufernder Staatsschulden sowie der extrem lockeren Zinspolitik der Notenbanken in 2010 kein Thema sein. Zwar dürfte die Teuerungsrate in der Eurozone laut Analystenschätzung auf 1,1 Prozent steigen, damit aber deutlich unter der für die Europäische Zentralbank (EZB) kritischen Marke von zwei Prozent bleiben. Weil Inflation (noch) kein Problem darstellt, werden die Notenbanken die Leitzinsen auf absehbare Zeit auf unverändert niedrigem Niveau belassen.

Magere Zins-Zeiten dauern an

Für Zinssparer verheißt das nichts Gutes. Die von Dow Jones Newswires befragten Experten prognostizieren die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf Sicht von drei Monaten bei 3,4 Prozent. Erst gegen Ende 2010 wird es mit einer erwarteten Rendite von 3,8 Prozent wieder etwas lukrativer. Eine höher verzinsliche Alternative können Corporate Bonds darstellen. Zwar sind die Credit Spreads, also die Risikoaufschläge, im Jahresverlauf stark zurückgekommen, trotzdem lässt sich in diesem Segment der ein oder andere Prozentpunkt zusätzlich verdienen. Allerdings sollte man bei Unternehmensanleihen aufgrund des Ausfallrisikos breit diversifiziert in den Markt gehen. Eine Möglichkeit hierzu bietet unter anderem der Lyxor ETF Euro Corporate Bond (ISIN: FR0010737544). Er bildet die Performance des iBOXX € Liquid Corporates Index eins zu eins ab. Der Index spiegelt die Wertentwicklung eines Portfolios aus 40 Investmentgrade- Unternehmensanleihen wider. (Lesen Sie dazu auch das Interview mit Dr. Felsenheimer).

Aktien: Achtung Blase

Niedrige Zinsen bei gleichzeitig hoher Liquidität – dieser Mix wird laut der Mehrheitsmeinung der Analysten den Aktienmärkten weiter Auftrieb geben. Uneinigkeit besteht jedoch in der Frage, ob die Hausse rein liquiditätsgetrieben sein wird oder ob sie fundamental unterfüttert werden kann. Bei einer reinen Liquiditätsrallye, so die Warnung, bestehe die Gefahr, dass sich an den Aktien-, Immobilien- und Rohstoffmärkten erneut eine Blase bildet. Manche sind der Meinung, dass dies ohnehin schon geschehen sei. Andere Experten sind zuversichtlicher. Sie verweisen auf das Wiedererstarken der Konjunktur. Zu dieser Gruppe gehören auch die Aktienprofis von Goldman Sachs. In einer neuen Studie über die Perspektiven europäischer Aktien erwartet die US-Investmentbank einen Übergang von einem Markt, der vor allem von Hoffnung getrieben ist, zu einem Markt, der von Wachstum stimuliert wird. Haupttreiber der Returns wird der Anstieg der Unternehmensgewinne sein. So rechnet Goldman Sachs im DJ Stoxx 600 mit einem Gewinnwachstum von 38 Prozent in 2010 und von 28 Prozent in 2011. Die Bewertung des Marktes bleibe damit mit einem 2010er-KGV von 11,4 attraktiv, heißt es. Dem DJ Stoxx 600 traut Goldman Sachs bis Ende 2010 eine Performance von rund 25 Prozent auf 300 Punkte zu. Partizipieren lässt sich damit zum Beispiel mit dem von iShares angebotenen DJ Stoxx 600 ETF (ISIN: DE0002635307). Als aussichtsreiche Risiko-Assets werden auch Emerging- Market-Investments eingestuft. Hier stellt db x-trackers mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets Index (ISIN: LU0292107645) – ein bequemes Anlagevehikel.

Öl vor einem Comeback

Neben Aktien sollten Investoren im kommenden Jahr auch den Rohstoffsektor auf dem Radar haben, insbesondere Öl und Gold. Aufgrund der sich abzeichnenden Konjunkturerholung hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ihre Prognose für den weltweiten Ölbedarf im kommenden Jahr unlängst ein weiteres Mal erhöht. Im neuen Monatsbericht geht das Kartell nun von einer durchschnittlichen täglichen Nachfrage von 84,31 Millionen Barrel in 2010 aus, das sind pro Tag rund 750.000 Fass mehr als in 2009. Im Gespräch mit „Welt Online“ nennt DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen noch einen weiteren Grund für steigende Ölpreise. „Gerade das große Interesse aus dem Finanzsektor wird dazu führen, dass wir in einem Jahr wieder bei 150 Dollar je Barrel sind“, so Kaldemorgen.

Gold bei 1.500 Dollar?

Neben dem „Schwarzen Gold“ könnte auch das echte Gold wieder für Schlagzeilen sorgen. Die begrenzte Menge sowie die zunehmenden Inflationsängste sprechen für einen weiteren Anstieg des gelben Edelmetalls. Auch DWS-Experte Kaldemorgen sieht den Höhenflug von Gold noch längst nicht als beendet an: Gegenüber „Welt Online“ hält er einen Preisanstieg auf 1.500 Dollar je Feinunze für möglich. Ein weiteres Argument, das für Gold spricht, ist der schwache Dollar, was die Notenbank von Indien schon veranlasst hat, Gold in größeren Mengen aufzukaufen. Ein ETC, bei dem Gold physisch hinterlegt wird, ist „Xetra Gold“ der Deutschen Börse (ISIN: DE000A0S9GB0).

Fazit: gute Perspektiven

Geht es nach den Experten, dann könnte 2010 ein einträgliches Jahr für risikofreudige Anleger werden. Allerdings sollte man Investmententscheidungen nicht nur von Experten-Prognosen abhängig machen, sondern sich auch eine eigene Meinung bilden. Denn bekanntlich sind die persönliche Erwartungshaltung sowie die individuelle Risikoneigung das A und O beim Portfolio-Management.

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