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ETFs: Anleger in den Startlöchern

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Während die Wegrichtung für westliche Volkswirtschaften noch in den Sternen steht, sind die Signale einiger Emerging Market-Länder positiv. Der deutsche Energiesektor freut sich über eine mögliche Abkehr von der geplanten Brennelementesteuer.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Bekommen wir einen Bären- oder Bullenmarkt? Müssen Anleger sich auf eine inflationäre oder deflationäre Entwicklung einstellen? Wie lange werden sich die Bluechip-Indizes noch auf der Stelle bewegen? Investoren scheinen sich schwer mit der Einschätzung zu tun und bekommen auch keine Hilfestellung von den Wirtschaftsinstituten, die in regelmäßigen Abständen sich widersprechende Prognosen veröffentlichen. „Weil auf diese Fragen zurzeit niemand die Antworten liefert, halten viele Anleger erst einmal die Füße still“, berichtet Bastian Ohta von der UniCredit Gruppe. „Keiner möchte aufgrund der anhaltend niedrigen Volatilität den ersten Schritt machen und sich womöglich dabei die Finger verbrennen.“ Dennoch säßen die Akteure in ihren Startlöchern, weil Chattechniker einen umso stärkeren Ausbruch erwarteten, je länger die Seitwärtsphase andauere.

Abwarten und Teetrinken

Durch die Bank notieren die großen Länderindizes Europas im Minus. Dennoch sei die derzeitige Marktsituation charttechnisch eine Seitwärtsbewegung. „Gegenwärtig verhält sich die Chartkurve wie ein zertretener Wurm, der platt auf dem Boden liegt“, beschreibt Ohta. Die europäischen Bluechip-ETFs zeigten insgesamt ein niedriges Handelsniveau. „Vor allem institutionelle Anleger haben sich erst einmal vollständig aus dem Markt zurückgezogen“, berichtet der Händler.

Was dennoch laufe, wenn auch auf Sparflamme, sei der Handel mit Short-ETFs, die auf fallende Kurse setzen. In gleichem Maße gekauft wie verkauft werden etwa der db x-trackers Short Dax (WKN DBX1DS) und der db x-trackers DJ Euro Stoxx 50 Short (DBX1SS). „Anleger handeln jedoch sehr diszipliniert und halten fest an ihren Limits“, beobachtet Ohta. Bei den Long-Produkten überwiegen die Verkäufe. Abgegeben wurden beispielsweise der db x-trackers DAX (WKN DBX1DA), der iShares DAX (593393), der iShares DJ Euro Stoxx 50 (WKN 593395), der Comstage DAX (ETF001) und der db x-trackers DJ Euro Stoxx 50 (WKN DBX1EU).

Merkelworte beflügeln Energiebranche

Wenig Aufregung sieht Gregor Hamme beim Handel mit Sektor-ETFs. „Es herrscht seit einigen Wochen eine ziemliche Flaute“, berichtet der Händler von UniCredit. Etwas mehr Bewegung sieht er im Energiesektor. Gekauft würde beispielsweise der europäische ETF iShares DJ STOXX 600 Utilities (WKN A0F5UD) zulasten des iShares DJ STOXX 600 Industrial Goods & Services WKN A0F5T4), der die größten Unternehmen der europäischen Industriegüterindustrie abbildet. Als möglichen Grund sieht Hamme die erneute Diskussion um einen eventuellen Double Dip in den USA, auf die Anleger mit einer defensiveren Aufstellung weg von den Industriegütern hin zum Energiesektor reagiert hätten. Für Kauflust würden auch relativ niedrige Kurse sorgen. „Die anhaltende Diskussion um die Brennelementesteuer in Deutschland hatten bei den Energieriesen jüngst die Performance gedrückt“, glaubt Hamme. Die Anleger hätten die von Bundeskanzlerin Merkel am Wochenende in Aussicht gestellte Alternative Lösung zur Brennelementesteuer dankbar aufgenommen. „Eon und RWE sind Energieschwergewichte in dem Indexfonds. Was immer dort geschieht, beeinflusst die Entwicklung des ETFs“, weiß der UniCredit Händler.

Gewinner Emerging Markets

Ganz verschont von der Verunsicherung im Markt blieben die Emerging Market-ETFs zwar nicht. Dennoch sei der Handel in einigen Regionen nach wie vor erfreulich. „Vor allem Indexfonds aus Ländern wie Brasilien und Mexiko mit reichen Rohstoffvorkommen werden vermutlich auch weiterhin gefragt sein“, beobachtet Stefano Valenti von der UniCredit. „Denn die kurzfristigen Aussichten von ETFs aus diesen Ländern bewerten viele Analysten positiv.“ Aktuell hielten sich Käufe und Verkäufe etwa von dem Indexfond db x-trackers MSCI Latam (WKN DBX1ML) jedoch die Waage.

Auch breiter aufgestellte Indexfonds mit den aufstrebenden Volkswirtschaften im Korb würden aktiv gehandelt. „Emerging Markets haben sich insgesamt vergleichsweise in den vergangenen Monaten gut entwickelt, deshalb nehmen einige Anleger die Gewinne erst einmal mit“, vermutet Valenti. Etwa werden die Wertpapiere iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT) und db x-trackers MSCI Emerging Markets (WKN DBX1EM) in gleichem Maße gekauft und verkauft.

© 24. August 2010/Iris Merker