Noch sind am Markt für börsengehandelte Indexfonds mehr Käufer als Verkäufer aktiv. Doch es zeichnet sich ab, dass einige Investoren sich auf ein Ende der Kursanstiege in den großen Indizes einstellen. Angesichts der Kursgewinne in den großen Indizes – der DAX® legte in den vergangenen drei Monaten in der Spitze um 11 Prozent, der DJ Eurostoxx 50 um über 13 Prozent zu – scheinen Anleger vorsichtiger zu agieren.

Bernardus Roelofs von Flowtraders beobachtet nach wie vor eine positive Stimmung bei Anlegern, doch der Kaufwille sei etwas abgeflacht. Eric Wiegand von der Deutschen Bank schätzt, dass einige Investoren glauben, dass die Rallye der vergangenen Monate ihrem Ende entgegen läuft und die Zinsen wieder ansteigen könnten. Und Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht) sieht ein gezieltes und zunehmendes Interesse an Short-Produkten auf DAX und DJ Eurostoxx 50. „Die Anfragen nach der Funktionsweise der Short-ETFs nehmen zu. Investoren bereiten sich auf Kursrückgänge vor.“

Aber noch kaufen sie. Vor allem die europäischen Indizes wie DJ Eurostoxx 50 (WKNs 593395, ETF050), DJ Stoxx 50 (WKN 798328) und DJ Eurostoxx 600 (WKN A0Q9UV) oder FTSE 100 (WKN 794362) stehen dabei im Zentrum des Interesses. DAX-ETFs (WKNs DBX1DA, 593393 und LYX0AC) dagegen sind eher auf der Verkäuferseite zu finden. Doch die Anlegermeinung sei nicht ganz einheitlich, meint Roelofs. Investoren verkaufen den MSCI Europe ETF von iShares (WKN A0M5X2). „Vielleicht ist einigen Investoren alles viel zu schnell gegangen.“

Kein einheitlicher Trend bei Pessimisten

Short-Produkte werden gehandelt, doch ein einheitlicher Trend lässt sich nicht ausmachen. Der Short-DAX ETF von db x trackers (WKN DBX1DS) wird überwiegend gekauft, während Short-Produkte auf europäische Indizes (WKN DBX1S) verkauft bzw. der doppelt gehebelte ETF von ETFX (WKN A0X9AC) gekauft werden.

Gezielte Wahl in Asien

Breit ausgerichtete Indexfonds auf Schwellenländer-Indizes (WKN DBX1EM, LYX0BX, A0HGZT) werden in dieser Woche mehrheitlich verkauft. Doch auch der eine oder andere Investor steigt noch ein über den db x-trackers Asien ex Japan (WKN DBX1AE). Selektiv steigen Investoren ein in Japan (WKN 794361) oder Taiwan.

Brasilien erhebt Steuern

Brasilien hat in der vergangenen Woche eine Kapitalsteuer von zwei Prozent auf Aktienkäufe durch ausländische Investoren erhoben, um die starke Aufwertung des brasilianischen Real zu stoppen. „Diese Maßnahme hat Investoren zunächst verunsichert“, sagt Roelofs. Brasilien-ETFs (WKN A0HG2M) wurden sowohl ge- als auch verkauft.

Verunsicherung bei Versicherungen

Wie Gregor Hamme von der Unicreditgroup aus London meldet, hat die jüngste Aktion der ING Anleger aus der Bahn getragen. Der niederländische Finanzdienstleister will eine Kapitalerhöhung durchführen, um die Staatskredite zurückzuzahlen. Zudem möchte der Finanzkonzern das Banken- und Versicherungsgeschäft aufspalten. Bei Investoren kam diese Meldung nicht gut an, die Aktie verlor 9 Prozent und zog auch andere Unternehmen des Sektors nach unten. Hamme konnte beobachten, dass Investoren nach Bekanntgabe der Meldung Sektoren-ETFs auf Versicherungen verkauft haben (WKN 628941). Durchwachsen sieht es bei Banken (WKN LYX0BX) aus. ETFs aus den Sektoren Grundstoffe (LYX0AX) oder Bau (WKN 634474) dagegen werden klar gekauft.

Renditeabstände könnten sich ausweiten

Das vermutete Ende der Börsenrallye ruft Marktteilnehmer auf den Plan, die darauf setzen, dass sich die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen ausweiten. „Investoren kaufen ein entsprechendes Shortprodukt, das dieser Entwicklung Rechnung trägt“, berichtet Eric Wiegand. Bei einer Ausweitung der Renditeabstände gewinnt der ETF. Auch auf steigende Zinsen wird über einen Short-ETF auf den europäischen Staatsanleihen Index i-boxx spekuliert (WKN DBX0AW).

Steigende Häuserpreise

Wie Mark Schönbrodt von der Dekabank meldet, setzen in dieser Woche einige Investoren auf einen Anstieg im FTSE/EPRA European Property Index Fund und kaufen den entsprechenden ETF (WKN A0HG2Q). Der Index bewegt sich bereits seit Anfang Juli wieder stetig nach oben.

 

Der ETF-Marktbericht ist dem Börse Frankfurt Fondsnewsletter entnommen. Autor: Drothee Liebing

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