Start ETFs im Fokus Chinas revolutionäre Umwälzung des Aktienmarktes

Chinas revolutionäre Umwälzung des Aktienmarktes

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Indexanbieter pru00fcfen die Aufnahme von A-Aktien

Das Reich der Mitte öffnet Schritt für Schritt seine Finanzmärkte. Schon bald könnten auch A-Aktien in die globalen Indizes aufgenommen werden, mit Folgen für den Anleger.

Trotz der weltwirtschaftlichen Bedeutung Chinas sind Aktien aus dem Reich der Mitte in den Indizes der großen Indexanbieter nur gering gewichtet. So beträgt der aktuelle Anteil chinesischer Titel im MSCI All Countries World gerade einmal rund 2,7 Prozent, im FTSE All World Index rund 2,4 Prozent. Weit stärker vertreten ist China bereits in speziellen Emerging Market-Indizes. So entfallen bereits schon jetzt 25 Prozent im MSCI Emerging Markets Index auf chinesische Titel, im FTSE Emerging Market-Index sind Titel es rund 26 Prozent. Doch die Gewichtung chinesischer Aktien dürfte sich schon bald erheblich erhöhen. Der Grund: noch sind chinesische Festlandaktien, die auch als A-Aktien bezeichnet werden, nicht in den Indizes inkludiert. Mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von zehn Billionen US-Dollar ist das A-Aktien-Segment der zweitgrößte Aktienmarkt der Welt, und dies ohne die Einbeziehung der in Hongkong gelisteten Aktien. Doch mittlerweile zeichnet sich hierbei eine baldige Änderung ab.

China öffnet schrittweise den Finanzmarkt

Der Grund für die Nichteinbeziehung des A-Aktien-Segmentes ist einfach. Bisher waren diese Aktien nur einheimischen Aktionären vorbehalten, ausländische Investoren waren bei dem Erwerb ausgeschlossen. Doch dies ändert sich, China ist dabei, seine Finanzmärkte zu öffnen, Shanghai wird zum globalen Finanzzentrum ausgebaut, eine freie Konvertierung der chinesische Währung, des Renminbi, wird angestrebt. Der Renminbi soll in den erlauchten Kreis der großen Weltwährungen aufsteigen. Dazu entstehen bereits weltweit Renminbi-Clearing-Banken. Zeitgleich wird der A-Aktienmarkt international schrittweise geöffnet. Seit Ende 2011 ist es lizensierten institutionellen Anlegern, sogenannten Qualified Foreign Institutional Investors, erlaubt, in A-Aktien zu investieren, die in der Lokalwährung Renminbi denominiert sind. Der zweite Schritt zur weiteren Öffnung kam Ende 2014 im Zuge der Kooperation der Börsen in Shanghai und Hongkong. Ausländischen Investoren wurde es dabei erlaubt, grenzüberschreitend Aktien im Gesamtvolumen von täglich bis zu 23,5 Milliarden Yuan (2,8 Milliarden Euro) zu handeln. Erst kürzlich gewährte China einem großen Asset Manager im Rahmen der QFII-Quote ein Aktieninvestment im Wert von 1,2 Mrd. US-Dollar. In diesem Jahr soll eine weitere Kooperation der Börse Shenzen mit der Börse Hongkong hinzukommen. Auch steuerliche Probleme wurden inzwischen aus dem Weg geräumt. Ausländische Investoren, die Aktien von Unternehmen auf dem chinesischen Festland kaufen wollen, werden im Rahmen der Börsenkooperationen von der Kapitalertragssteuer befreit.

Indexaufnahme von A-Aktien in große Indizes steht schon bald an

Im Juni 2015 entscheidet nun der Indexanbieter MSCI wieder über die aktuelle Neugewichtung seiner Indizes. Dabei ist es angesichts der deutlichen Fortschritte nicht ausgeschlossen, dass die erstmalige Aufnahme von A-Aktien in die MSCI-Benchmarks angekündigt wird. Im September prüft FTSE seine Index-Zusammensetzung. Allerdings glaubt Deutsche Bank Markets Research, dass es in diesem Juni noch nicht so weit ist. „Wir sind optimistisch, dass MSCI die Bekanntgabe der Inklusion zum Juni 2016 erfolgt“, so das Research-Team. Obwohl die Inklusion grundsätzlich schon jetzt möglich sei, sei die Wahrscheinlichkeit aber gering. „Aber wir glauben, dass die Bekanntgabe bis Ende dieses Jahres erfolgt“. Dabei spekulieren die Deutsch-Banker angesichts der Größe und Bedeutung dieses Marktes auf eine außerordentliche Änderung. Gerechnet wird dabei mit einer stufenweisen Einbeziehung von A-Aktien in die Berechnung der Indizes. Ein erster Schritt könnte eine Inkludierung von zehn Prozent der Aktien sein. In drei bis fünf Jahren steigert sich der Anteil dann auf 100 Prozent der Marktkapitalisierung. Dann dürfte nach Meinung des Research-Teams der Anteil Chinas sowohl im MSCI- als auch FTSE Emerging Market-Index auf 45 Prozent steigen.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.