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ETF Marktbericht: Optimismus pur

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Rein in Aktien, raus aus Renten – das ist derzeit das Motto bei den ETFs. Daneben finden auch die Schwellenländer-Indexfonds weiter viele Anhänger.

19. Oktober 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Aussicht auf zusätzliche geldpolitische Maßnahmen der US-Notenbank sowie überzeugende Unternehmenszahlen haben den DAX zuletzt auf ein Zweijahreshoch klettern lassen – und die ETF-Anleger aus der Reserve gelockt. „Es wird alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest ist“, schildert Bastian Ohta von der Unicredit Group die Lage, er spricht von „Optimismus pur“ und sieht den charttechnisch wichtigen Ausbruch nach vielen Monaten in einer engen Handelsspanne als Auslöser. Der DAX liegt am Nachmittag bei 6.507 Punkten leicht im Plus.

Standardwerte haben Nase vorn

„Wir hatten zuletzt deutlich höhere Umsätze“, meldet Bernardus Roelofs von Flow Traders. Das bestätigt auch Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). „Allerdings ist das Niveau vom Frühsommer noch nicht wieder erreicht.“ Es überwiegen ganz klar die Engagements, wie die Market Maker einhellig berichten. Investoren konzentrierten sich vor allem auf die großen Märkte, also auf Euro Stoxx, DAX und Dow Jones (WKN 593393, 593395). Einige berichten auch von einzelnen Gewinnmitnahmen. Eine „enorme Nachfrage“ gab es der Unicredit Group zufolge im Übrigen beim MDAX-ETF (WKN 593392).

Deutliche Abgaben bei Renten

Wie bereits in der Vorwoche stehen Renten-ETFs dagegen ganz klar auf den Verkaufslisten. „Es gab vor allem Abgaben“, erklärt Mohr, und zwar „quer Beet“. Als Beispiele nennt der Händler den ComStage iBoxx Liquid Sovereigns Diversified 3-5 (WKN ETF503), den ComStage iBoxx Liquid Sovereigns Diversified 5-7 (WKN ETF504) und den iShares iBoxx Liquid Sovereigns Capped 1,5-2,5 (WKN A0H079). Im Gegensatz zu den Vorwochen konnten auch Schwellenländer-Rentenfonds zuletzt nicht mehr überzeugen: Flow Traders meldet Abgaben beim iShares JPMorgan Emerging Markets Bond (WKN A0RFFT). Allerdings gab es auch Zuflüsse bei Fixed Income-Produkten, etwa fanden langfristig orientierte Investoren laut Commerzbank ( Zum Testbericht) an deutschen Langläufern (WKN ETF522) Gefallen.

Schwellenländer weiter als Renner

Eine höchst attraktive Alternative sind für viele Anleger nach wie vor die Schwellenländer. Hier wird breit investiert (WKN DBX1EM, A0HGZT), es kommt aber auch zum Teil zu Gewinnmitnahmen. Flow Traders zufolge ist z.B. bei ETFs mit brasilianischen Aktien (WKN A0HG2M) Kasse gemacht worden. Ein möglicher Grund: Der Indexfonds hat in den vergangenen drei Monaten um knapp 14 Prozent zugelegt. Sonst wirf allerdings überwiegend eingekauft, laut Commerzbank kam etwa der ComStage MSCI Pacifix ex Japan (WKN ETF115) gut an, Flow Traders hat großes Interesse am Lyxor China Enterprise (WKN A0F5BW) registriert.

Banken-ETFs gesucht

Von den Sektoren-ETFs waren zuletzt die Bankenfonds (WKN DBX1SF) gesucht, wie Gregor Hamme von der Unicredit Group erklärt: „Die guten Quartalsberichte der US-Banken färben ab.“ Außerdem seien wieder Zykliker gefragt, dem entsprechend seien die antizyklischen Telekommunikations-ETFs (WKN A0RPSF) auch eher verkauft worden. Extrem gut angenommen werde darüber hinaus weiter der iShares FTSE/EPRA European Property (WKN A0HG2Q). Laut Hamme haben sich die verwalteten Gelder im Immobilienfonds in den vergangenen drei Monaten fast verdoppelt. Der Kurs legte im gleichen Zeitraum um 21 Prozent zu.

Schwindende Zuversicht bei Rohstoffen

Bezüglich der Rohstoffe gibt es hingegen immer mehr Skeptiker. Auf den Abgabelisten stehen Roelofs zufolge etwa der Lyxor Commodities (WKN A0JC8F) und der ETC All Commodities DJ-UBSCI (WKN A0KRKC), während sich beim ETC auf physisches Gold (WKN A0N62G) Zu- und Abflüsse noch die Waage hielten. Ansonsten ist bei den Sektoren-ETFs ein klares Muster nicht auszumachen, normale Sektorrotationen überwiegen. „Aufgrund der hohen Liquidität der Sektoren-ETFs werden diese zunehmend von Trendfolgern genutzt. Die Entscheidungen fallen auf Basis quantitativer Modelle“, erläutert Mohr. Zuletzt seien dabei Indexfonds mit Aktien aus den Bereichen Finanzdienstleistungen und Technologie (WKN ETF066, ETF076) gesucht gewesen, während ETFs, die die Industriegüter- oder Chemiebranche (WKN ETF069, ETF064) abbilden, abgestoßen worden seien.

© 19. Oktober 2010/Anna-Maria Borse