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Euro Stoxx 50 – mehrere Krisen verhagelten die Bilanz

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Vor 15 Jahren, am 26. Februar 1998, wurde der Euro Stoxx 50 aus der Taufe gehoben. Seitdem gilt er als die europäische Aktienbenchmark. Unzählige Finanzprodukte basieren inzwischen auf dem Index, darunter auch viele ETFs. Was ihn von anderen europäischen Indizes unterscheidet, untersucht das EXtra-Magazin in diesem Beitrag.

Der Euro Stoxx 50 Index wurde 1998 von STOXX Ltd. in Zürich herausgebracht. Das ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse und der Schweizer SIX Group. Mit über 287 ETFs auf unterschiedliche STOXX Indizes zählt STOXX zu den vier größten Indexanbietern für die ETF-Industrie. Der Euro Stoxx 50 hat sich seit diesem Zeitpunkt zu einer führenden Benchmark für den europäischen Aktienmarkt entwickelt. Die Indexbasis für den Euro Stoxx 50 liegt bei 1.000 Punkten und beruht auf dem Berechnungsstart des Index am 31. Dezember 1991. Tatsächlich gestartet war er allerdings 1998 mit 2.875 Punkten inmitten eines Börsenbooms. Nach 15 Jahren notiert er heute bei 2.729 Punkten und damit rund fünf Prozent niedriger als 1998. Wer damals mittels Euro Stoxx 50 in die marktkapitalstärksten und liquidesten Aktien der Eurozone investierte, machte also bisher ein schlechtes Geschäft. Noch schlechter traf es Anleger, die im März 2000 zum Allzeithoch bei 5.464,43 Punkten eingestiegen sind. Sie haben aktuell noch einen Wertverlust von knapp 50 Prozent zu verkraften. Die Dotcom- Blase, die Lehman-Brothers-Pleite sowie die europäische Schuldenkrise sorgten für diese schlechte Bilanz. Da der Euro Stoxx 50 allerdings ein Preisindex ist, in dem Dividenden nicht mit eingerechnet werden, ist dieses Bild ein wenig verfälscht. Inklusive der ausgezahlten Dividenden von etwa 3 Prozent pro Jahr sieht das Ergebnis deutlich besser aus.

Euro Stoxx 50 – wichtiger Basiswert

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Trotz allem, neben dem DAX gehört der Euro Stoxx 50 bei den ETFs zu den Indizes, in die am meisten investiert wird. In den 19 ETFs von 11 Emittenten sind heute rund 18,5 Mrd. Euro investiert. Aktuell ist der Bankenbereich mit einem Anteil von 16,1 Prozent überdurchschnittlich hoch gewichtet, gefolgt von der Chemieindustrie und den Bereichen Öl und Gas. Auf Länderebene sind stark vertreten Frankreich (35,7 Prozent), Deutschland (31,8 Prozent) sowie Spanien (12,3). Auf 5-Jahres-Sicht ergibt sich eine Volatilität von 28,1 Prozent. Betrachtet man das aktuelle Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV) von rund 10, scheinen europäische Aktien durchaus günstig bewertet zu sein. Fondsvolumenstärkster ETF ist mit 4,79 Mrd. Euro der iShares Euro Stoxx 50 (WKN: 935927). Der Index wird dabei vollständig repliziert. Nicht viel weniger fondsvolumenstark ist der sparplanfähige ETF von iShares (WKN: 593395) mit 3,93 Mrd. Euro.

Neben dem bekannten Euro Stoxx 50 Index haben sich aber noch einige andere Indizes etabliert. Im Folgenden möchten wir diese etwas näher vorstellen.

MSCI Europe

Ein bei ETF-Anlegern ebenso beliebter Index ist der MSCI Europe, auf den es 14 ETFs gibt, in denen rund 5,3 Mrd. Euro angelegt sind. Im Gegensatz zum Euro Stoxx 50 investiert der Index nicht nur in Aktien aus der Euro-Zone, sondern auch in Aktien der entwickelten Volkswirtschaften Europas. Der Index ist entsprechend der Freefloat-Marktkapitalisierung gewichtet. Ein großer Unterschied ist mit derzeit 437 Aktien auch die große Marktbreite. Stark im MSCI Europe vertreten ist die Finanzbranche (20,4 Prozent), der Bereich nichtzyklische Konsumgüter (14,4 Prozent) sowie das Gesundheitswesen (11,9 Prozent). Sehr verschieden ist auch die Zusammensetzung hinsichtlich der Länder. So liegt die Gewichtung von Großbritannien bei etwa einem Drittel, gefolgt von Frankreich (14,5 Prozent) und Deutschland (13,3 Prozent). Größter ETF ist der iShares MSCI Europe (WKN: A0M5X2) mit 1,9 Mrd. Euro. Der Index wird optimiert abgebildet, das heißt, er umfasst die wichtigsten der im Index vertretenen Aktien. Als Alternative bietet sich der db X-trackers MSCI Europe (WKN: DBX1ME) an. Der Index wird über Swaps abgebildet.

Stoxx Europe 600

Mit sechs ETFs und einem Gesamtvolumen von 3,0 Mrd. Euro gehört der Stoxx Europe 600 ebenfalls zu den viel genutzten europäischen Indizes. Ähnlich wie der MSCI Europe investiert er in Unternehmenspapiere aller großen europäischen Volkswirtschaften. Ebenso bietet er mit 600 Aktien die breiteste Diversifizierung an. Mit 13 Prozent nicht ganz so stark gewichtet ist die Finanzbranche, es folgen die Sektoren Gesundheitswesen (11,1 Prozent) und Industriegüter & Dienstleistungen. Großbritannien ist auch hier mit einem Anteil von knapp 30 Prozent besonders stark vertreten, gefolgt von Frankreich (14,8 Prozent) und der Schweiz (13,6 Prozent). Mit großem Abstand der fondsvolumenstärkste ETF ist der iShares Stoxx Europe 600 (WNK: 263530) mit 2,0 Mrd. Euro. Der Index wird vollständig repliziert. Als Alternative stehen der db X-trackers Stoxx Europe 600 (WKN: DBX1A7) und der Source Stoxx Europe 600 (WKN: A0RGCK) zur Verfügung, beide bilden den Index synthetisch ab.

MSCI EMU

Nur in Aktien der Eurozone, ähnlich wie der Euro Stoxx 50, investiert der MSCI EMU. In neun ETFs auf diesen Index sind insgesamt 2,4 Mrd. Euro investiert. Anders als der Euro Stoxx 50 umfasst er mit 238 Unternehmenspapieren weit mehr Aktien. Damit sind 85 Prozent der Marktkapitalisierung der Euro-Länder abgebildet. Auch hier überwiegt der Finanzbereich (21,5 Prozent), gefolgt von den Sektoren Industrie (15,1 Prozent) und Nicht-Basiskonsumgüter (12,5 Prozent). Ähnlich wie beim Euro Stoxx 50 ist Frankreich mit einem Anteil von knapp einem Drittel überdurchschnittlich gewichtet. Größter ETF ist der Credit Suisse MSCI EMU (WKN: A0YEDX) mit 944,85 Mio. Euro. Der Index wird vollständig abgebildet.

Euro Stoxx

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Wer dagegen auf den Euro Stoxx setzen möchte, kommt am iShares ETF mit einem Fondsvolumen von immerhin 603 Mio. Euro (WKN: A0D8Q0) nicht vorbei. Der Index bietet Zugang zu den im Stoxx Europe 600 enthaltenen Aktien aus der Eurozone. Derzeit sind dies 297 Unternehmen. Der Finanzbereich ist mit 12,5 Prozent nicht ganz so stark wie in anderen Indizes vertreten, gefolgt von den Sektoren Industriegüter & Dienstleistungen (11,1 Prozent) und Chemie (9,2 Prozent). Der Index wird vollständig repliziert.

Gesamteuropa schlägt Eurozone

Die höchsten Renditen in den vergangenen fünf Jahren erzielte man übrigens eindeutig mit den ETFs auf die entwickelten Volkswirtschaften ganz Europas, und dies bei zugleich geringer Volatilität (siehe Tabelle). Die Produkte auf den Euro Stoxx 50 schnitten bei dieser Betrachtung leider am schlechtesten ab. Aber die Verlierer der Vergangenheit sind häufig die Gewinner der Zukunft. In diesem Sinne. Happy Birthday, Euro Stoxx 50!

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.