Adrian Roestel ist Leiter Portfoliomanagement bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München.

Für viele galt die Dividende in den letzten Jahren ein Stück weit als Weg aus der Zinsfalle, manche Investoren sahen in ihr bereits den neuen Zins. Dieser Trend wird sich nicht fortsetzen. Aufgrund aufkeimender Diskussionen um steigende Zinsen dürfte 2018 ein eher schwieriges Jahr für Dividendenaktien werden.

Adrian Roestel sagt ein unsicheres Dividendenjahr voraus

Im vergangenen Jahr haben sich die Kurse dividendenstarker europäischer Werte eher mau entwickelt. 2018 wird sich unseres Erachtens keine Besserung in Sicht sein. Die Ursache liegt darin, dass wir zur Jahresmitte von einer steigenden Inflation ausgehen. Entsprechende Zinsängste werden zu moderat steigenden Kapitalmarktrenditen führen. Damit werden Dividendentitel tendenziell weniger attraktiv, da das Kapital auch an anderer Stelle nun rentierlich angelegt werden kann.

Trotzdem ist die Dividendenstrategie sinnvoll. Dabei ist die Verlässlichkeit der Dividendenzahlung wichtiger als die reine Höhe. Anleger sollten darauf achten, ob ein Unternehmen in der Vergangenheit regelmäßig Dividenden gezahlt hat und wie die aktuelle Situation aussieht. In den USA gibt es beispielsweise etliche Unternehmen, die seit vielen Jahrzehnten jedes Jahr die Dividendenzahlung angehoben haben. Procter & Gamble zahlt beispielsweise seit 125 Jahren Dividende. In Deutschland wird Fresenius wohl zum 25. Mal in Folge mehr an seine Aktionäre ausschütten. Eine so lange Historie weist darauf hin, dass das Geschäftsmodell stabil funktioniert und das Unternehmen langfristig erfolgreich ist.

Werte aus Europa erscheinen momentan gegenüber ihren amerikanischen Pendants attraktiver. Im europäischen Standardwerteindex EuroSTOXX 50 gibt es kein Unternehmen, das eine Dividende unter der Rendite einer zehnjährigen deutschen Staatsanleihe ausschüttet. Mit einer erwarteten Dividendenrendite von 3,4 Prozent weist der marktbreite Aktienindex STOXX 600 eine fast doppelt so hohe Dividendenrendite auf wie die 500 größten US-Unternehmen im Schnitt. Dies sind starke Argumente für europäische Dividendentitel. Allerdings gilt es zu bedenken, dass US-Unternehmen viel stärker als europäische Firmen Aktienrückkäufe nutzen, um Gewinne alternativ zu Dividenden an ihre Aktionäre auszuschütten. Außerdem dürften bei vielen US-Firmen durch die Steuerreform Sonderdividenden anstehen.

Neben Einzelwerten können Dividendenfonds eine gute Anlagealternative darstellen. Es gibt mehrere sehr gute, aktiv gemanagte Dividendenfonds wie beispielsweise den DWS Top Dividende, der global investiert. Interessant sind auch die sehr günstigen ETFs. So gibt es beispielsweise mehrere Indexfonds auf den DivDAX.

Blind zugreifen sollten Anleger hier aber nicht. Sinn macht nur ein ETF auf den DivDAX-Performanceindex, welcher die Dividenden einrechnet. Bei einem Kursindex werden die Dividendenzahlungen nicht berücksichtigt, weshalb Kursindizes generell unattraktiver sind als Performanceindizes.

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Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München.

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