Asiens Superzüge
Das älteste und sicherste Hochgeschwindigkeitssystem betreiben die Japaner mit den Shinkansen-Zügen.

Als der ICE 1991 zu seiner ersten Fahrt aufbrach, war er der Stolz der Deutschen Bahn. Der Hochgeschwindigkeitszug von Siemens sollte zum Exportschlager werden. Trifft die hochmoderne Technik aber auf extreme Wetterlagen, leidet immer wieder die Zuverlässigkeit. Auf den Weltmärkten fahren Asiens Superzüge dem ICE längst davon.

Das älteste und sicherste Hochgeschwindigkeitssystem betreiben die Japaner mit den Shinkansen-Zügen. In den letzten 40 Jahren ist noch nie ein Mensch in einem Bullet Train ums Leben gekommen. Die durchschnittliche Verspätungszeit beträgt 24 Sekunden; Betriebsunterbrechungen bei Taifunen oder Erdbeben mit einberechnet. Fährt ein Shinkansen-Führer auf einer Teilstrecke eine Verspätung von mehr als 15 Sekunden ein, muss er das schriftlich begründen. Die Null-Fehler-Politik setzt sich bei der Technik fort. Eine zustandsabhängige Wartung kommt für die Japaner nicht infrage. Durch fristbestimmte Wartung und den vorbeugenden Austausch von Verschleißteilen fallen Shinkhansen-Züge so gut wie nie aus.

Asiens Superzüge fahren auf Hochgeschwindigkeitsstrecken

Die im Durchschnitt 248 Stundenkilometer schnellen Züge fahren ausschließlich auf Hochgeschwindigkeitsstrecken. Einen Mischbetrieb mit langsamen Zügen wie in Europa gibt es nicht. In dicht besiedelten Gebieten sind die Strecken aufgeständert, sodass auch hier mit maximaler Geschwindigkeit gefahren wird. Für den Winter gibt es Weichenheizungen, Heißluft-Schmelzanlagen und Warmwasser-Sprenkleranlagen.

Schon beinahe in der Zukunft angekommen sind die Chinesen mit ihren Bullet-Zügen, die mit bis zu 350 Stundenkilometern durch die Ebenen schießen. Die längste Hochgeschwindigkeitsstrecke der Welt verläuft zwischen Peking und Kanton. Die 2.298 Kilometer Strecke legen die Passagiere in knapp acht Stunden zurück. Bis zum Jahr 2020 soll das Hochgeschwindigkeitsnetz in China auf 50.000 Streckenkilometer anwachsen.

Der weltweite Markt für Superschnellzüge beträgt gut 100 Milliarden Dollar pro Jahr und Chinas große Bahngesellschaften CSR sowie CNR wollen von diesem Kuchen ein möglichst großes Stück. Mit Argentinien wurde ein zehn Milliarden Dollar-Deal zur Lieferung chinesischer Bahntechnik abgeschlossen. In Brasilien ist man unter den Bewerbern für das Hochgeschwindigkeitsprojekt Sao Paulo–Rio de Janeiro und auch bei Australiens 800 Kilometer langen Neubaustrecke Melbourne–Sydney sind CSR und CNR dabei. Bereits weit gediehen ist die 3.000-km-Strecke zwischen Kunming über Bangkok bis nach Singapur.

Vor Kurzem kündigte der chinesische Premier Li Keqiang an, dass China sämtliche afrikanischen Hauptstädte mit Hochgeschwindigkeitsstrecken verbinden wolle. Sein Land werde den afrikanischen Staaten dafür mehr als 30 Milliarden Dollar zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellen. Auch nach Europa sollen die chinesischen Bullet-Trains rollen. Geplant sind zwei Hochgeschwindigkeitsstrecken. Die Strecke von Urumqi über Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Iran und die Türkei bis nach Berlin ist schon im konkreten Projektstadium.

Dr. Ekkehard J. Wiek ist Vermögensverwalter und Asien-Fondsmanager der Straits Invest PTE Ltd. in Singarpur.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.