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Aktien: Börsengänge bieten Chancen

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Thomas Hünicke ist Geschäftsführender Gesellschafter der WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH in Düsseldorf.
Thomas Hünicke, WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH

Viele Unternehmen träumen davon, den Schritt an die Börse zu schaffen. Sie können dann Geld bei Aktionären einsammeln, um dadurch ihr Wachstum zu finanzieren. Und sie erhalten mehr Aufmerksamkeit, was hilft, Neugeschäft zu generieren.

Nun war 2016 ein schwaches Jahr für Börsengänge (IPO – Initial Public Offering). Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Neuemissionen in Deutschland von 15 auf fünf und damit auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008.

Die Schweizer Bank UBS erwartet für 2017 in Deutschland fünf bis zehn Börsengänge und zählt hier Transaktionen mit einem Volumen ab 100 Millionen Euro. Hintergrund der eher mauen Phase: Viele Unternehmen sitzen auf großen Cash-Reserven und sehen keinen Grund, sich für den Kapitalmarkt zu öffnen.

Wenn sie es tun, bieten sich für Investoren sehr gute Chancen, an einer dynamischen Entwicklung teilzuhaben. Denn viele Unternehmen legen im Zuge der Emission einen ordentlichen Sprung hin, wie Börsendaten der Jahre 2015 und 2016 zeigen. So hat der Maschinenhersteller Aumann aus Düsseldorf, dessen Erstnotiz auf den 24. März 2017 datiert, seit der Emission für 42 Euro fast 20 Euro hinzugewonnen – ein Sprung von knapp 48 Prozent. Auch das Reiseunternehmen Trivago, das kurz vor Weihnachten 2016 in New York an die Börse gegangen ist, legte von 11,34 Euro auf 16,06 Euro zu.

Nun sind Börsengänge für Aktionäre, besonders für Privatanleger, kein Selbstläufer. Zumal viele Unternehmen gar nicht mehr bereit sind, ihre Aktien relativ aufwendig bei Privatanlegern zu platzieren. Sie setzen lieber auf institutionelle Investoren, das verschafft mehr Planungssicherheit.

Der Aufwand für Private, von einem Börsengang zu profitieren, ist also nicht unerheblich. Sie müssen zum einen hoffen, überhaupt Aktien zu erhalten (gerade dann, wenn es sich um ein sehr bekanntes Unternehmen wie Facebook oder Snapchat handelt), zum anderen müssen sie den Weg über die Depotbank gehen, da die Aktien ja noch nicht im freien Handel verfügbar sind. Aber es kann sich lohnen.

Insofern müssen Anleger entscheiden, welchen Aufwand sie eingehen wollen. Wenn sie großes Vertrauen in ein Unternehmen setzen, sie die Zukunftsaussichten und Marktpotenziale einschätzen können, ist der Weg über die Zeichnung direkt zum Börsenstart denkbar und ein guter Weg, Gewinne einzustreichen.

Wer eher zurückhaltend agieren möchte, wartet den Börsenstart ab und steigt ein, wenn sich die Situation ein wenig beruhigt hat. Die Aumann-Aktie beispielsweise notierte knapp zehn Tage nach dem Start bei unter 50 Euro, dem niedrigsten Stand der jungen Börsenhistorie des Unternehmens. Ein bisschen Geduld kann sich somit auszahlen, wenn man bei einem Börsengang Geld verdienen möchte.

Über den Autor

Thomas Hünicke ist Geschäftsführender Gesellschafter der WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH in Düsseldorf.