Uwe Zimmer
Uwe Zimmer, Geschäftsführender Gesellschafter bei der z-invest GmbH in Köln.

Es hätte ja klappen können. Als Japans Premier Abe vor bald vier Jahren antrat, kündigte er an, mit viel Geld aus der Notenpresse und wenig Steuern die Wirtschaft ankurbeln zu wollen. Seither sind die Aktien in Japan beeindruckend gestiegen – wirklich genutzt hat es der japanischen Volkswirtschaft aber nicht. Jetzt droht der Rückschlag.

Mit einem gewaltigen Konjunkturpaket wollte Shinzo Abe die japanische Wirtschaft wieder flottmachen. Bürger sollten mehr Geld in der Tasche haben, die Wirtschaft – mit günstigen Krediten versorgt – sollte stark investieren und der Wechselkurs des Yen sollte sinken, um die Exporte zu erleichtern. Das alles hat geklappt – nur half es der Wirtschaft kaum. In den vergangenen Jahren schrammte die japanische Volkswirtschaft mehrfach an einer heftigen Rezession gerade so vorbei.

Aktien in Japan profitieren

Profitiert hat nur die Börse. Der japanische Leitindex Nikkei legte in der Abe-Zeit um mehr als 75 Prozent zu. Das liegt zum einen daran, dass die Börsianer die Ideen Abes für gut befanden und vielleicht sogar von ihrer Wirksamkeit überzeugt waren. Zum anderen aber auch daran, dass die japanische Notenbank neben Anleihen wie die EZB Aktien kauft, um stützend einzugreifen.

Wer auf den japanischen Aktienmarkt gesetzt hat, konnte gutes Geld verdienen. Vielleicht ist es aber an der Zeit, sich über einen Ausstieg Gedanken zu machen. Denn ein Konjunkturpaket, selbst ein über die Notenpresse finanziertes, sollte durchaus irgendwann gegenfinanziert werden. Dazu sollten, so die Pläne, in Japan die Umsatz- oder Verbrauchssteuern erhöht werden.

Diese Steuererhöhungen wurden gerade bis 2019 verschoben – angesichts des geringen realen Erfolges des Konjunkturprogramms durchaus sinnvoll, aber auch ein deutliches Zeichen des Scheiterns.

Trotz Stimmungsumschwung noch Potenzial vorhanden?

Und wie es so geht mit den Zeichen: die Börse liest sie, sammelt sie und irgendwann schlägt die Stimmung um. Teilweise ist das schon geschehen, es könnte aber noch dicker kommen. Vorsichtige Anleger sollten überlegen, ob Aktien in Japan noch Potenzial bieten oder ob sie bereits ausgereizt sind.

Denn eines scheint doch trotz der Anfangserfolge klar geworden zu sein: Echtes Wirtschaftswachstum ist mit der Notenpresse nicht zu erreichen, sie schafft nur ein Strohfeuer.

Hier finden Sie eine Liste mit allen japanischen Aktien-ETFs.

Uwe Zimmer ist Vorstand der niiio finance group AG in Köln.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.