Stephan Albrech
Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln.

Der Blick nach vorne zeigt euphorische Aktienkäufer, skeptische Bondanleger und einen steigenden Goldpreis. Aus unserer Sicht ist dies nicht die beste Zeit, um am Aktienmarkt Vollgas zu geben.

Einen Vorgeschmack gab es Mitte Mai, als die weltweiten Börsen an einem Tag rund zwei Prozent an Wert einbüßten. Danach waren die Märkte kurzfristig zwar etwas weniger überkauft, doch schon am Tag darauf griffen die Anleger wieder zu, als gäbe es kein Morgen.

Erfahrene Anleger in den USA nennen den Anleihemarkt einen „smart cookie“. Den Ruf als cleveres Kerlchen hat der weltgrößte Bondmarkt, weil dort besonnene professionelle Händler Unsummen an Geldern bewegen und keine Heißsporne auf schnelle Rendite aus sind. Die aktuelle Botschaft vom Anleihemarkt ist ziemlich klar: Die Reflations-Story, die das zweite Halbjahr 2016 prägte, überzeugt die Bond-Händler nicht mehr. So ist die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe von 2,6 auf fast 2,2 Prozent gesunken – sprich auf das Niveau von Anfang 2016.

Im Gegenzug entwickeln sich die Anleihekurse, die das Spiegelbild der Renditen sind, ähnlich wie Anfang 2014. Damals sanken die Renditen das ganze weitere Jahr über, weil die Bondanleger Ungemach in der Wirtschaft witterten. Der weltweite Aktienmarkt begriff das aber erst 2015 und bezahlte dafür mit Verlusten von rund 20 Prozent. Jetzt wird der Fehler erneut begangen. 2014 erwartete man nach dem Stopp der Anleihekäufe durch die US-Notenbank höhere Zinsen. Jetzt betet man allerorten das Mantra der Reflation herunter, obwohl die Tatsachen eine andere Sprache sprechen.

Der dritte Grund für unsere temporäre Vorsicht liegt in der Entwicklung des Goldpreises. Das Edelmetall arbeitet sich seit Anfang 2016 unter starken Preisschwankungen nach oben. Inzwischen hat es knapp 20 Prozent in US-Dollar zugelegt. Wer sich mit der Geschichte des Finanzmarkts auskennt, weiß, der Wert des Goldes hängt entscheidend davon ab, wie sich der Realzins entwickelt. Je niedriger dieser ausfällt, desto interessanter wird das Edelmetall. Dass nun die Nominalzinsen sinken, ist Wasser auf die Goldmühlen. Zudem laufen Aktien meist nicht so gut, wenn Gold in eine gute Phase kommt.

Es war nur selten eine gute Idee, zu einem solchen Zeitpunkt neue Aktieninvestments einzugehen. Eher sollte man mit einer Korrektur von um die zehn Prozent rechnen.

Über den Autor

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln.

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