Stephan Albrech
Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln.

Anleger wären gut beraten, mit einer Prise Optimismus auf die kommenden Monate zu blicken. Es gibt starke Gründe für steigende Aktienkurse – allen voran in den USA.

Nach über einem Jahr fallender Kurse befürchten Anleger, dass die Erholung der Aktienmärkte kurz vor ihrem Ende steht. Stattdessen sind sie bereit, für langlaufende Staatsanleihen und Qualitätsaktien mit satten Dividenden hohe Preise zu zahlen. Das könnten sie spätestens bereuen, wenn der Weltaktienmarkt Fahrt aufnimmt und bis in den Winter hinein deutliche Zugewinne verbucht. Dass dies so kommt, ist recht wahrscheinlich.

1. Die Konjunktur ist robust

Seit vier Quartalen verdienen US-Unternehmen jeweils weniger als im Vorjahresquartal. Für die meisten Analysten ist das ein klares Menetekel für mehr Ungemach. Dennoch notiert der viel beachtete S&P 500 nur haarscharf unter seinem Allzeithoch. Der Grund: Ein zeitweiliger Rückgang der Unternehmensgewinne ist nur dann ein Vorbote für Unheil an der Börse, wenn ihm eine Rezession folgt. Doch nach einer Rezession sieht es in den USA derzeit überhaupt nicht aus, wie der verlässliche Leading Economic Indicator (LEI) des Conference Board zeigt. Im April hat der Indikator deutlich zugelegt. Stünde eine Rezession bevor, würde der LEI auf ein niedriges Niveau sinken. Das ist in den USA ebenso wenig zu beobachten, wie bei den LEIs für Deutschland und die Euro-Zone. Auch der aussagekräftige ifo-Index hat diesen Trend für Deutschland jüngst bestätigt.

2. Aufregerthemen werden überschätzt

Seit Wochen beschäftigt sich die Finanzpresse mit der Frage, welche Konsequenzen der Brexit für Großbritanniens Wirtschaft haben könnte. Interessanterweise sieht die Börse das relativ gelassen. Der britische Aktienindex hat sich in diesem Jahr etwas besser entwickelt als andere europäische Märkte. Unternehmen von den Inseln müssen für ihre Anleihen keine höheren Risikoprämien zahlen als vergleichbare Firmen aus anderen EU-Ländern. Entweder glauben die Investoren nicht an einen Brexit, oder sie gehen davon aus, dass die Auswirkungen gering sein werden. Ähnliches gilt für die USA, wo der breite Aktienmarkt vor neuen Höchstständen steht, obwohl der populistische Milliardär Donald Trump ins Weiße Haus einziehen könnte. Womit wir beim nächsten Punkt wären:

3. Börsen starten in Präsidenten-Wahljahren durch

Trump hin, Clinton her – die Börsen in den USA haben in den Jahren, in denen Präsidenten gewählt werden, ein sehr prägnantes Verlaufsmuster, wie sich aus der Auswertung aller Wahljahre seit 1900 ergibt. Während die Märkte von Januar bis Ende Mai mit Unterbrechungen Verluste verbuchen, setzen Dow Jones & Co. ab Juni bis zum Jahresende zu einer starken Rallye an, die im September und Oktober kurz pausiert, sich danach aber fortsetzt. In diesem Jahr entwickelt sich die Börse erneut entlang dieses jahrhundertealten Skripts. Angefangen von dem Einbruch im Januar und Februar bis zur anschließenden Erholung im März. Hoffnung macht, dass die avisierte Korrektur im April und Mai dieses Mal weit moderater ausfiel, als im Mittel der vergangenen Jahrzehnte. Dies könnte bedeuten, dass die Sommer-Rallye begonnen hat und wir in den kommenden Wochen deutliche Zuwächse sehen werden.

Anleger sollten sich für das restliche Jahr eher auf positive als auf negative Überraschungen gefasst machen – und sich entsprechend positionieren.

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.