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Angriff auf die Bankenwelt

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Banken, wie wir sie heute sehen, sind eine aussterbende Spezies. Ihre Geschäftsmodelle werden angegriffen, vom Gesetzgeber bis zu smarten Start-ups.

Bislang konnten sie all dieses Drängen abwehren. Eine echte Gefahr aber sind die großen Communities, Facebook oder Wechat. Steigen diese massiv in den Bezahlmarkt ein, haben die Banken dem nicht viel entgegenzusetzen. Wenn irgendwo bezahlt wird, sind immer Banken mit im Spiel. Sie organisieren den Geldkreislauf und damit das Funktionieren der Wirtschaft, ja unseres ganzen Zusammenlebens. Diese Rolle übernehmen sie und lassen sich dafür gut bezahlen. Zu gut meinen viele. Und dafür liefern sie noch nicht einmal gute Leistung. Erst die geballte Gesetzgebungskompetenz der EU und der Einzelstaaten konnte grenzüberschreitende Überweisungen erschwinglich machen – innerhalb der EU. Und alle Anläufe, das Bezahlen von Kleinbeträgen über Banksysteme abzuwickeln, verpufften wirkungslos á la Geldkarte. Und warum dauert es oft Tage, bis eine Gutschrift sichtbar wird auf einem Konto?

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Uwe Zimmer 

Da sind andere bereits viel weiter. Das chinesische Wechat etwa, mit rund 800 Millionen Nutzern eine der größten Kommunikationsplattformen weltweit, drängt in den Markt des mobilen Bezahlens. Durch Kooperationen mit mehreren chinesischen Banken können viele Waren bereits über die App bezahlt werden. Zu den Partnern zählt auch McDonalds, hier kann per Smartphone an der Kasse bezahlt werden. Nun ist Wechat sehr auf den chinesischen Markt gemünzt, auch wenn bereits fast 100 Millionen Nutzer außerhalb des Landes die App installiert haben.

Das könnte bei Facebook anders sein. Der große Bruder hat sich gerade mit Whatsapp eine Kommunikationsplattform mit etwa 450 Millionen Nutzern einverleibt. Zu einem Preis, bei dem viele den Kopf schüttelten und sich fragten, wie dieses Geld jemals zurückverdient werden soll. Sinn macht es, wenn Facebook dank Whatsapp massiv ins mobile Bezahlen einsteigt. Der Weg könnte dabei wie bei Wechat zunächst über das Einbinden von Bezahlspielen führen oder über den Verkauf von Emoticons. Dann aber ließen sich schnell Bezahlfunktionen für Kleinbeträge einführen – und am Ende könnte auch eine Facebook- Bank stehen.

Die Banken mit ihren schwerfälligen Systemen haben dem wenig entgegenzusetzen. Sie versuchen noch immer, den Kunden möglichst viele Produkte zu verkaufen oder sie, wo immer es geht, in die teuren Filialen zu locken. Die Regulierung setzt sie immer mehr unter Druck, Innovation ist kaum möglich. Bislang halten sie tatsächlich noch den Wirtschaftskreislauf aus Sparen, Kreditvergabe, Investition und Gewinn zusammen. Aber immer mehr Funktionen werden ihnen über kurz oder lang von anderen entrissen werden: die Kreditvergabe durch Crowd-landing-Plattformen, die Bezahlabwicklung eben über Facebook & Co., das Sparen von spezialisierten Vermögensverwaltern.

Ein Verlust für die Welt? Vielleicht ein Verlust an Übersichtlichkeit. Aber einen großen Vorteil hätte das Schrumpfen der Bank-Bedeutung: Die Banken wären nicht mehr systemrelevant. Das heißt, wir könnten viele Milliarden für die Rettung der heute noch so wichtigen Banken sparen.

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