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Bankberater: Erfüllungsgehilfen ohne Freiheit

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Allein in den letzten beiden Jahren, so schätzt die V-BANK, haben über 600 Bankberater das Lager gewechselt. Der Münchner Vermögensverwalter Novethos Financial Partners GmbH wird 2013 allein sechs neue Berater von Privatbanken aufnehmen. Darunter befinden sich drei Top-Berater der Berenberg Bank. Über die Hintergründe ein Interview mit Bernd Glönkler, Geschäftsführer von Novethos

Bernd Glönkler

Herr Glönkler, bei dem Beraterwechsel handelt es sich nicht um eine Einzelerscheinung. Warum sind Bankberater auf der Flucht?

Das ist ein Prozess, der schon vor ein paar Jahren eingesetzt hat. Bankberater machen sich Gedanken um ihre berufliche Zukunft. Sie sehen sich oft nicht mehr in der Lage, ihre Kunden neutral und offen zu beraten, da der Vertriebsdruck zu groß geworden ist. Die Handlungsfreiheit der Privatkundenbetreuer vor Ort wurde systematisch eingeschränkt.

Die Gesellschaft für Konsumforschung hat jüngst festgestellt, dass Kunden immer mehr das Vertrauen in ihre Banken verlieren. Kommen Bankberater deshalb ins Grübeln?

Ich glaube nicht, dass das der Auslöser ist. Vielmehr geht es um die Veränderung des Jobprofils, der Strukturen. Früher konnte der Privatkundenberater in seiner Filiale relativ unabhängig agieren. Inzwischen sehen sie sich mehr als Erfüllungsgehilfen des Managements.

Wird diese Entwicklung anhalten oder sich gar noch verstärken?

Dieser Trend dürfte sich in den nächsten zwei bis drei Jahren massiv fortsetzen. Besonders bei Privatbanken. Investmentbanking und institutionelle Kunden haben inzwischen Vorrang, weil im Privatkundengeschäft der Kostendruck zu groß geworden ist. Die Folge: Die Besten gehen weg.

Was macht den Job eines Vermögensverwalters aus?

Individualität, Flexibilität und Unabhängigkeit. So kann ich dem Kunden als Ratgeber in allen wirtschaftlichen Dingen zur Seite zu stehen.

Was ist für Bankberater wichtig, wenn sie sich einer unabhängigen Vermögensverwaltung anschließen?

Sie brauchen ein möglichst breit aufgestelltes Team, wie sie es von der Privatbank her gewohnt sind. Nur so ist eine ganzheitliche Beratung der Kunden möglich.

Welches betreute Vermögen sollte der Bankberater mitbringen, wenn er wechselt?

Damit sich der Berater bei einem unabhängigen Vermögensverwalter selbst tragen kann, sollte er ein Volumen von 20 Millionen Euro und mehr übertragen können. Es gibt zudem Fälle, in denen beim Bestandsaufbau unterstützt werden kann.

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