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Banksparer sitzen endgültig auf dem Trockenen

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Sagt sie zu ihm: „Hier ist ein Brief von der Bank. Wir sollen die Zinsen für unser Sparguthaben zahlen.“ Guckt er blöd.

Aber von der Realität ist dieser „Witz“ nicht mehr weit entfernt. Vor wenigen Wochen hat die Europäische Zentralbank beschlossen, dass Banken auf Einlagen bei der EZB einen Strafzins von 0,1 Prozent bezahlen müssen. Spanien ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Hier gilt seit Juli eine Sparersteuer in Höhe von 0,03 Prozent pro Jahr. Damit soll die staatliche Banksicherung vorfinanziert werden.

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Huber Thaler 

Tagesgeldsparer, die in der Hoffnung auf höhere Zinsen in Portugal oder Bulgarien fündig geworden zu sein glaubten, hat die Realität bitter schnell eingeholt. Hier hoffen die Sparer nun auf eine staatliche Rückzahlung ihrer Guthaben der in den letzten Wochen untergegangenen Banken. Die Folge dieser Negativzinsen trifft die Anleger auch in Deutschland. Mehr als 200 deutsche Banken bezahlen keinen Tagesgeldzins mehr. Für rund 40 Prozent des deutschen Anlagevermögens heißt es aktuell und auf absehbare Zeit: Nach Abzug der Inflation, die aktuell bei rund 1,5 Prozent auf Jahresbasis liegt, verliert das Geld jedes Jahr an Wert. Was harmlos klingt, hat langfristig dramatische Auswirkungen: Nach zehn Jahren Nullzins beim aktuellen Inflationsniveau schrumpft das Vermögen um rund 16 Prozent.

Auf absehbare Zeit werden die deutschen Sparer sogar von drei Seiten bedrängt: die finanzielle Repression der realen Negativzinsen, das umlagefinanzierte Rentensystem, welches keine Reserven für den absehbaren demografischen Wandel vorhält, und der Immobilienbesitz, der vor allem in ländlichen Regionen an Wert verliert. Bei einer Fahrt durch eine idyllische Seeregion im Süden Deutschlands sticht die Landflucht deutlich ins Auge. Immobilienverkaufswünsche, soweit das Auge reicht. Wo keiner mehr wohnen will und es keine Infrastruktur (mehr) gibt, da ist auch eine Immobilie kein Substanzwert mehr.

Besonders bitter daran: Länder wie die USA und Großbritannien leben seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse, während die Deutschen fleißig sparen. Aber den Briten und Amerikanern gehören über ihre Pensionssysteme große Teile der deutschen Unternehmen aus dem DAX. Linde ist zu rund 80 Prozent in ausländischer Hand, Bayer immerhin zu über 70 Prozent. So sind die Vermögen der Angelsachsen dank höherer Realrenditen in der Summe größer als die der deutschen Sparer.

Deutsche Anleger sollten allen Mut zusammennehmen und sich trauen, einen Blick auf die Aktienunternehmen aus dem DAX zu werfen. Dabei fällt auf: Siemens gibt es seit 1847, BASF seit 1865, Henkel seit 1876 – die drei Unternehmen überlebten alle Krisen bis heute. Wer entspannt in die Substanz der Unternehmen vertraut, der ist auch gegen die Kursschwankungen der Börse immun. Bei Tagesgeldern und Festgeldern dagegen sollte einem die Grabesstille zu denken geben.

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