BRIC, SMIT
Die Emerging-Markets-Welt ist voller Abkürzungen. Manchem Anleger mag diese rätselhaft erscheinen. Anders als beim Buch mit 7 Siegeln müssen Anleger aber dabei keine Angst haben, es zu öffnen und in den Begriffs-Wirrwarr einzutauchen.

„Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen …“ So heißt es in der Offenbarung des Johannes im Kapitel 5. Allein das Opferlamm war würdig, das Buch zu öffnen. Beim Brechen der ersten vier Siegel entflohen zunächst die vier Apokalyptischen Reiter. Beim 5. Siegel forderten die Märtyrer die Rache für ihren Opfertod, beim sechsten Siegel bebt die Erde, erlischt die Sonne, der Mond wird blutrot und die Sterne fallen vom Himmel, beim siebten Siegel kommt die Apokalypse, d. h. der Weltuntergang und die Rettung der Gerechten. Gerade in unsicheren Zeiten gerät das Buch mit den sieben Siegeln stets in den Blickpunkt der Weltuntergangsbeschwörer. Das Buch mit den sieben Siegeln steht aber auch im übertragenen Sinn für schwer zugängliche und unverständliche Materie.

BRIC, SMIT & Co: Kein Grund zu Panik

An Unsicherheiten mangelt es in der aktuellen Situation sicherlich nicht, gerade auch in den Schwellenländern mit unzähligen Krisen, Konflikten und Kriegen. China verunsichert die Welt durch die aktuelle Rezession und das Problem exorbitanter fauler Kredite durch die Schattenbanken, Brasilien versinkt im Korruptionssumpf, islamischer Terror hat den Nahen Osten fest im Griff, Russlands Wirtschaft leidet unter dem Rohstoffpreisverfall und unter den internationalen Sanktionen, eine Lösung des Konflikts mit der Ukraine ist nicht absehbar. Von Weltuntergangsstimmung kann aber keine Rede sein, im Gegenteil – Anleger entdecken die Emerging Markets wieder ganz nach der Devise: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern.“ Erste Anzeichen einer Wiederentdeckung der Emerging Markets sind bemerkbar angesichts einer teilweisen Entspannung der Situation (siehe Titelgeschichte). Angesichts einer Vielzahl der Begrifflichkeiten mit vielen Akronymen und Kürzeln kann aber sehr wohl manchem Anleger das Thema Emerging Markets im übertragenen Sinne als Buch mit sieben Siegeln erscheinen. Daher öffnet das EXtra-Magazin das Buch, um Licht in die Emerging-Markets-Sprache zu bringen, die häufig von Verkaufsstrategen kreiert wurde.

Das bedeuten die Abkürzungen:

1BRIC(S)-Staaten

Das bekannteste Akronym dürfte das im Jahr 2001 vom damaligen Chefvolkswirt Jim O’Neill geprägte BRIC-Kürzel sein. Es steht für die Anfangsbuchstaben der vier Schwellenstaaten Brasilien, Russland, Indien und China. Sie wurden damals vom renommierten Ökonomen als die großen aufsteigenden Volkswirtschaften der Welt mit dem höchsten Wachstumsraten ausgerufen. Das Akronym BRIC galt lange Zeit als Synonym für erfolgreiches Investment. Von der Jahrtausendwende bis zum Jahr 2010 legte der MSC BRIC-Index um 308 Prozent zu. Angesichts der Krisen in drei der vier Staaten und weltweiten Nettomittelabflüssen in Höhe von 15 Mrd. USD seit dem Jahr 2010 aus BRIC-Investments wandte sich O’Neill enttäuscht von seiner damaligen Prognose ab. Der damalige BRIC-Fonds von Goldman Sachs, der ebenfalls erhebliche Abflüsse verbuchte – er verlor 88 Prozent seines einstigen Volumens –, wurde Ende 2015 aufgelöst. In der Finanzwelt ist seit einigen Jahren auch das Kürzel BRICS im Umlauf. Hierbei umfasst der Index dann auch Südafrika.

2Next Eleven (MSCI EM Beyond BRIC)

Ebenfalls von Jim O’Neill im Jahr 2005 geprägt wurde der Begriff „Next Eleven“. Darunter versteht man diejenigen elf einwohnerstarken Schwellenländer mit prognostizierten hohen Wachstumsraten, die den vier führenden BRIC-Staaten folgen: Ägypten, Bangladesh, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Südkorea, Türkei und Vietnam. MSCI kreierte den Index MSCI Emerging Markets Beyond BRIC, der in etwa diesem Konzept entspricht und der über einen ETF auch investierbar ist.

3MIST-Länder (in Deutschland: SMIT)

Für deutsche Anleger nicht gerade verlockend klingt das aus den Next Eleven abgeleitete Synonym MIST. Es steht für die Anfangsbuchstaben der zeitweise vier erfolgversprechendsten Volkswirtschaften aus der Reihe der „Next 11“ Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei. In Deutschland wird der betreffende ETF aus verkaufspsychologischen Gründen unter dem Kürzel SMIT angeboten.

4Frontier Markets

Der Begriff Frontier Markets steht allgemein für Grenzmärkte. Darunter versteht man Staaten mit oft überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten, die aber noch nicht das wirtschaftliche Niveau von Schwellenstaaten erreicht haben. Häufig sind die Märkte in diese Länder vergleichsweise illiquide mit beschränktem Zugang ausländischer Investoren.

5GCC-Staaten

Das Kürzel GCC steht für die Mitgliedsstaaten des Golf-Kooperationsrates (engl. Gulf Cooperation Council). Mit GCC-ETFs setzen Anleger auf die marktkapitalstärksten Unternehmen aus den sechs arabischen Ländern Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Katar und Oman.

6Emerging-Markets-Region EMEA

Die aus dem angloamerikanischen stammende Abkürzung EMEA steht hingegen für die Emerging-Markets- Wirtschaftsregion Europa (Osteuropa), Naher Osten und Afrika.

7ASEAN-Staaten (AEC)

ASEAN ist ein wirtschaftlicher, politischer und sozialer Verband von zehn südostasiatischen Staaten. Mitgliedsländer dieses Regionalverbandes sind Indonesien, Kambodscha, Vietnam, Philippinen, Brunei, Laos, Malaysia, Myanmar, Singapur und Thailand. Im Jahr 2009 beschlossen die ASEAN-Staaten die Gründung eines gemeinsamen Binnenmarktes nach dem Vorbild der Europäischen Gemeinschaft. Ende 2015 wurde dazu die Wirtschaftsgemeinschaft „Asean Economic Community“ (AEC) gegründet. Noch verläuft die Kooperation schleppend. Die AEC könnte sich aber zukünftig zu einer der weltweit bedeutendsten Wirtschaftsregionen entwickeln. Im Moment gibt es aber noch keinen ETF speziell auf diesen neuen großen Binnenmarkt.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.