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China wird erwachsen

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Chinesisches Kind auf der chinesischen Mauer.
Die Märkte ließen sich zu Jahresanfang mal wieder so richtig ins Bockshorn jagen:

Angst vor China und der Ölpreisverfall waren und sind die beiden offiziellen Auslöser für die Verkäufe. Dabei sind beide Gründe nur bedingt stichhaltig. Der eigentliche Auslöser für die Schwankungen ist wieder einmal die Angst vor der eigenen Courage.

Ja, China wächst langsamer. Das ist aber rein statistisch nicht weiter verwunderlich, müssten die enormen Wachstumsraten der vergangenen Jahre doch auf einer immer größeren Basis fortgesetzt werden. Das kann nicht klappen, auch wenn manche Träumer dies gerne so hätten. Das verlangsamte Wachstum ist ein Zeichen für das Erwachsenwerden der chinesischen Volkswirtschaft.

Chinas Regierung arbeitet seit Langem daran, die Wirtschaft umzubauen, weg von der reinen Produktion fürs Ausland hin zu einer stabilen, sich selbst tragenden Ökonomie. Privater Konsum und Dienstleistungen statt der billigen Massenproduktion rücken in den Fokus. Und die Erfolge sind durchaus beachtlich: Der Dienstleistungssektor wächst stark, die chinesische Internetwirtschaft bringt mittlerweile Weltmarktführer hervor. In der technischen Infrastruktur ist China in manchen Teilen des Landes uns bereits weit voraus.

Wir werden also eine reifende Wirtschaft sehen. In den kommenden Jahren wird sich das Wachstum immer weiter abschwächen – von den Boomraten um die acht Prozent zu realistischen drei bis vier Prozent. Irgendwann wird sich dann die chinesische Wirtschaft auf dem Wachstumsniveau der Industriestaaten einpendeln. Das aber ist nicht unbedingt schlecht. Die wachsende Mittelschicht in China wird dafür sorgen, dass eher mehr ausländische Waren nachgefragt werden. Für die exportorientierten Volkswirtschaften ist das durchaus interessant.

Ein Nebeneffekt des Umbaus der chinesischen Wirtschaft ist übrigens der sinkende Bedarf an Öl. Das drückt heute schon auf die Preise. Der Ölpreisverfall hat deshalb mit einer Abschwächung der Weltkonjunktur nur bedingt etwas zu tun. Nicht die Nachfrage bricht ein, das Angebot ist zu hoch, weshalb die Preise sinken. Das liegt unter anderem am Wiedereintritt des Iran in den Kreis der Ölexporteure, aber auch an der unvermindert hohen Förderung in Saudi Arabien. Mittelfristig wird weltweit wieder weniger produziert werden. Bei den Preisen lohnt es nicht mehr, etwa das Fracking großflächig zu betreiben. Dann steigen die Ölpreise wieder und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Die Kurseinbrüche an den Märkten wurden also mit zwei Gründen unterlegt, die nur bedingt tauglich sind. Die stark gelaufenen Kurse wecken immer die Erwartung, jetzt müsse es doch irgendwann einmal nach unten gehen. Und da sind China und Öl allemal tauglich, um einen einigermaßen rationalen Grund für die eigene Angst angeben zu können. Und dann guten Gewissens zu verkaufen. Tun das viele wie jetzt, startet die Abwärtsspirale. Aber auch hier gilt: Irgendwann sind es nur noch Kaufkurse.

Uwe Zimmer ist Vorstand der Meridio Vermögensverwaltung AG in Köln.

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