David Harding - Börsenguru
Manche Börsengurus treten als Daueroptimisten auf, andere als notorische Schwarzseher. Doch eins haben alle gemeinsam: Sie haben eine eigene Strategie. Mit der Reihe „Börsengurus“ möchten wir Ihnen einen Einblick in die Strategien von ausgewählten Börsengurus geben.

David Winton Harding, geboren im August 1961, ist ein britischer Geschäftsmann und Gründer sowie CEO von Winton Capital Management. Nach seinem Physikstudium in Cambridge, welches er 1982 mit Auszeichnung abschloss, begann Harding seine Karriere bei der London International Financial Futures Exchange (LIFFE). Heute gilt Harding als
einer der Top-Steuerzahler in London. Er soll in weniger als einer Woche gut 34 Millionen GBP an Steuern gezahlt haben. Harding entwickelte seinen charakteristischen Investmentansatz, Handelsentscheidungen auf Basis mathematischer Trading-Algorithmen zu fällen, erst bei dem Hedgefond Sabre Fund Management, bei dem er 1985 einstieg.

Im Jahr 2013 bekam Eugene Fama für seine Theorie effizienter Märkte den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. David Harding sagt, die Auszeichnung mache die Theorie nicht besser, seine Fonds verdienen viel Geld mit dem genauen Beobachten der Märkte. Geleitet von Computern und Algorithmen finden sie Muster und Ineffizienzen in den Kursen. Die Existenz solcher Muster widerspräche der Theorie effizienter Märkte. Da die meisten Ökonomen Verfechter dieser Theorie sind, sei dies für Harding einer der Gründe, warum die meisten seiner Mitarbeiter keine Ökonomen, sondern Naturwissenschaftler sind.

Nachdem er einige Jahre berufliche Erfahrung gesammelt hatte, entschied
er sich 1987 für den Pfad der Selbstständigkeit. Zusammen mit seinen Kollegen gründete er das Unternehmen Adam, Harding & Lueck (AHL). Dort war Harding an der
Entwicklung einiger „hoch profitabler“ Investment-Strategien beteiligt. Hardings naturwissenschaftlicher Hintergrund wurde zu seinem Credo. Er ist der Auffassung, dass wissenschaftliche Methoden die beste Grundlage für Investitionsentscheidungen
darstellen. Damit gilt er als einer der Pioniere der Hedgefonds-Industrie und zählt heute zu den weltweit besten 50 Hedgefonds-Managern. Die Zahlen sprechen für
Harding und sein Roboinvesting, seit der Auflegung seines Flaggschiff-Fonds, Winton Futures Fund, im Jahr 1997. Mit 1,6 Millionen Dollar hat der Fonds bis 2013 durchschnittlich 15 Prozent p.a. erwirtschaftet. Heute verwaltet das Unternehmen
mehr als 30 Milliarden Euro.

David Harding Privat

Der Vater von vier Kindern ist auch abseits der Finanzwelt in verschiedenen Kreisen unterwegs. Zusammen mit seiner Frau Claudia Harding hat er die David and Claudia Harding Foundation gegründet, welche neben vielen großen Spenden an verschiedene Bildungseinrichtungen eine Professur am Statistical Laboratory der University of Cambridge finanziert, die Winton-Stiftungsprofessur zum öffentlichen Verständnis
von Risiko. In Deutschland ist Harding unter anderem Patron des Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Zudem unterstützt
Harding einige Projekte wie das Francis Crick Institute für Krebsforschung oder das Science Museum in London zur Installation der Galerie der Mathematik.

Winton Capital

Winton Capital Management ist eine britische Fondsgesellschaft, die sich auf quantitatives Investment-Management spezialisiert hat. Dabei liegen jeder Trading-Entscheidung des Unternehmens Modelle zugrunde, welche aus wissenschaftlicher Forschung und mathematischer Analyse hervorgehen. Insgesamt handelt Winton Capital auf mehr als 100 globalen Futures-Märkten und weltweit auf diversen Aktienmärkten eine Vielzahl von Asset-Klassen. ImJahr 1996 hat David Harding Man AHL (zuvor Adam, Harding und Lueck) verlassen und Winton gegründet. Harding zufolge hatte Winton zu Beginn Probleme Kunden anzuziehen, da die meisten Investoren Hedgefonds basierte Strategien bevorzugen, welche sich auf Aktienmärkte konzentrieren.

Im Jahr 1997, als der erste Fonds aufgelegt wurde, kam erschwerend hinzu, dass der Fond im ersten Monat etwa 13 Prozent seines Werts verloren hat. Schlussendlich endete das Jahr mit einem Plus von etwa 3,5 Prozent und im Folgejahr konnte ein sattes Plus von 52,2 Prozent erzielt werden. Um das Vertrauen der Investoren zu stärken, begann man 2005 mit einer Neuausrichtung des Unternehmens hin zu einer eher allgemeinen Investment-Firma. Im Zuge dessen setzte Winton Multi-Strategie Fonds auf, welche sich weniger stark auf die Futures Märkte spezialisieren sollten.

Das Marktvertrauen in die Handelsaktivitäten von Winton wurde dadurch gestärkt, dass im Jahr 2007 von Goldman Sachs etwa zehn Prozent an Winton Capital gekauft wurden. Derzeit erreicht das durch Winton verwaltete Vermögen erstmals zehn Milliarden Dollar. Winton beschäftigt heute mehr als 450 Mitarbeiter, von denen sich rund 100 ausschließlich mit mathematischer Forschung, statistischen Zusammenhängen und Trading-Mustern beschäftigen. Diese hochspezialisierten Naturwissenschaftler sind in Forschungsteams organisiert, welche jeweils für sich genommen neue Strategien entwickeln und testen, Daten sammeln und Markttrends identifizieren. Bemerkenswert ist auch, dass viele quantitativ orientierte Hedgefonds in den Folgejahren der Finanzkrise Schwierigkeiten bekamen, während Winton weiterhin einer der Top-Arbeitgeber quantitativer Köpfe blieb.

Im Jahr 2008 hat Winton eine durchschnittliche Rendite von 20,25 Prozent ausweisen können und im Folgejahr immerhin nur einen moderaten Verlust von 5,38 Prozent – relativ gesehen ein guter Wert. Denn es bleibt abzuwarten, ob Harding seine überdurchschnittliche Performance aufrechterhalten kann. Bisher galt noch immer, dass nur wenige langfristig den Markt schlagen können. Gerade in Hardings Segment, dem Roboinvesting, haben sich nur wenige Fondgesellschaften nach der Finanzkrise als erfolgreich erwiesen. Es wird sich zeigen, ob Harding und sein Team die Glaskugel im Rahmen der Finanzmärkte findet.

Die 22-teilige Serie „Börsengurus“ wird präsentiert von HSBC Trinkaus & Burkhardt AG. Weitere Por­t­raits über die größten Börsengurus der Welt folgenden in den kommenden Wochen. Ebenfalls intressieren könnte Sie das Por­t­rait von Larry Fink.

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Scott Patterson: The Quants
Scott Patterson: The Quants: How a New Breed of Math Whizzes Conquered Wall Street and Nearly Destroyed It (David Harding)Im März 2006 nahmen die reichsten Männer der Welt Champagner in einem opulenten New Yorker Hotel. Sie waren bereit, in einem Pokerturnier mit Million-Dollar-Einsätzen zu konkurrieren, aber diese Zahlen bedeuteten ihnen nichts. Sie waren gewohnt, Milliarden zu riskieren. Das Zeitalter der Quants ist angebrochen.

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Markus Kubesch absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studiert Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2017 ist er im Redaktionsteam des EXtra-Magazins beschäftigt.