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"Die Anzeichen einer Bodenbildung sind vorhanden"

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Hand stoppt Crash
Wie lange diese Verkaufswellen noch anhalten werden, lässt sich nicht so genau sagen.

„Anzeichen einer Bodenbildung an den Aktienmärkten sind vorhanden“. Dies ist die Meinung von Dr. Wolfgang Schiketanz, Geschäftsführer der Schiketanz Capital Advisors.

Am ersten Handelstag des neuen Jahres sind die Börsen völlig verkatert aus dem Bett gefallen und haben das schlechteste Januar-Ergebnis seit 2009 abgeliefert. Die Volatilität war den ganzen Monat über sehr hoch. Von in Summe neunzehn Trading-Tagen im Januar wies zum Beispiel der Dow Jones Industrial Average Index an mehr als fünfzehn (!) Tagen eine Handelsspanne von mehr als 100 Punkten auf. Der erste Handelsmonat des Jahres 2016 schloss wie folgt: S&P 500 -5,1%, Eurostoxx50 -6,8%, DAX -8,8%, MSCI World (EUR) -8,8%. Unser globaler Aktienfonds OMIKRON 7 konnte sich diesem Trend mit ebenfalls -8,8% nicht entziehen.

Was war geschehen? Ein sich ständig verlangsamendes, chinesisches Wirtschaftswachstum und der rapide fallende Ölpreis sind als Erklärung schnell gefunden. Dass sich eine langsamer wachsende chinesische Wirtschaft auch negativ auf die großen Weltbörsen auswirkt, haben wir in der Vergangenheit schon öfter erlebt. Die massiven Auswirkungen des fallenden Ölpreises auf die Börsen sind auf den ersten Blick nicht ganz so schlüssig.

Dass die Gewinne der Ölkonzerne bei sinkenden Ölpreisen fallen, liegt auf der Hand. Andererseits profitiert die Wirtschaft doch von sinkenden Energiekosten und für den Konsumenten wirkt ein niedriger Benzinpreis ähnlich wie eine enorme Einkommensteuer-Senkung.

Wo also liegt der Hund begraben?

Beginnen wir mit dem Rohöl. Einen Rohölpreis von unter 30 US-Dollar hatte Ende 2015 wohl niemand erwartet. Plötzlich war von einem riesigen Defizit im Saudi Arabischen Staatshaushalt die Rede. Experten errechneten, dass das Land für einen ausgeglichenen Staatshaushalt einen Ölpreis von 104 Dollar benötigt. Davon sind wir derzeit Lichtjahre entfernt. Das gleiche Preisniveau für einen ausgeglichenen Staatshaushalt benötigt übrigens auch Russland. Selbst die Billigproduzenten Kuweit und Qatar benötigen einen Ölpreis von über 75 Dollar.

Hinzu kommen demnächst noch jene Ölmengen, die der Iran auf den Markt werfen wird, um nach Jahren der Sanktionen den aufgestauten Investitionsbedarf zu finanzieren. Ja, erschwerend kommt dazu, dass die OPEC in Wahrheit bereits Geschichte ist und keinerlei regulative Wirkung auf dem Ölmarkt mehr entfalten kann. In Wahrheit müssten diese Fakten aber bereits im Marktpreis enthalten sein, weil sie seit längerem bekannt sind. Wir könnten deshalb bereits den tiefsten Ölpreis bei 27,5 Dollar für das Jahr 2016 gesehen haben.

Tatsache ist trotzdem, dass die Ölförderländer ihre Löcher im Staatshaushalt finanzieren müssen. Dies bedeutet dass wohl Teile der Finanzreserven aufgelöst werden. Diese Reserven sind jedoch größtenteils in westlichen Aktien und Anleihen angelegt. Diese Auflösung stellt derzeit wahrscheinlich die größte Belastung für die Finanzmärkte dar. Deshalb kam es im Jänner immer wieder zu großen Verkaufswellen an den Börsen, die scheinbar völlig ohne sichtbaren Anlass über den Markt hereinbrachen.

Wie lange geht es noch bergab?

Wie lange diese Verkaufswellen noch anhalten werden, lässt sich nicht so genau sagen. Der Verlauf der letzten Januar-Handelstage lässt aber den Schluss zu, dass eine Bodenbildung an den Aktienmärkten bereits im vollen Gang ist. Auch hier besteht also eine gute Chance, dass wir (ähnlich wie beim Rohöl) die Tiefstkurse des Jahres 2016 schon gesehen haben. Die Bodenbildung wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch neben und noch einiges an Volatilität mit sich bringen. Ich rechne mit einer finalen Bodenbildung im Laufe der nächsten 6 Wochen.

Ein Blick nach China

Die Industrieproduktion Chinas zeigt bereits wieder leichte Erholungstendenzen. Auch hier könnte die Talsohle bereits durchschritten sein – so man den offiziellen Zahlen aus China trauen will. Die Aktienbörsen reagieren mittlerweile bereits gelassener auf die jeweils letzten Wirtschaftsdaten aus China, während noch zu Jahresanfang ein geringer Rückgang des chinesischen Einkaufsmanager Index zu völlig hysterischen Reaktionen an den europäischen Börsen (z.B. -6% im DAX in nur 2 Handelstagen) geführt hat.

Dass die chinesische Volkswirtschaft in Richtung einer größeren Ausrichtung auf den Konsum umgebaut wird, ist langfristig sicherlich der richtige Weg. Kurzfristige Irritationen sind dabei allerdings fast vorprogrammiert.

Letzten Monat habe ich bereits auf den Zusammenhang zwischen US-Dollar und Rohölpreis hingewiesen. Jedes Mal, wenn der US-Dollar steigt, fällt der Ölpreis und folglich fallen erneut die Aktienmärkte. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine nachhaltige Erholung an den Rohstoffmärkten nur mit einem schwächer werdenden US-Dollar möglich sein wird.

Derzeit ist der US-Dollar in der Bandbreite 1,07 bis 1,10 zum Euro gefangen. Aufgrund der Rohstoff-Baisse vermute ich eher zunächst einmal einen Ausbruchsversuch in Richtig 1,15. Die Tatsache, dass die Fed in Sachen weiterer Zinserhöhung im Jahr 2016 bereit zurückrudert und die Fed Fund Futures derzeit überhaupt keine Zinserhöhung für 2016 mehr einpreisen, scheint diese These eher zu untermauern. Derzeit gehen Trader von der nächsten Zinserhöhung erst zu Beginn des Jahres 2017!

Am Devisenmarkt scheint die Zinsdifferenz zwischen dem Euro und dem US-Dollar derzeit ohnedies kaum eine Rolle zu spielen. Sonst hätte der US-Dollar bereits merklich weiter aufwerten müssen. Dies ist bis dato aber nicht geschehen.

Spektakulär wie der erste Handelstag des Jahres war auch der letzte Handelstag im Januar. Als die Bank of Japan den Markt zu Beginn des Handelstages mit einem Strafzinssatz von -0,1% auf Bankendepots völlig überraschte, brach ein Kursfeuerwerk los, das mit einem Plus von rund 2,5% bis zum Börsenschluss in New York anhielt.

Die Lage ist zugegeben insgesamt etwas verwirrend

Das Marktverhalten an den Aktienbörsen liefert kurzfristig vorerst einmal den verlässlichsten Aufschluss hinsichtlich des weiteren Marktverlaufes. Und hier sieht es sehr deutlich nach Bodenbildung aus. Ein Test der Tiefststände aus dem Januar ist durchaus noch im Laufe des Februars wahrscheinlich – viel tiefer sollte es allerdings nicht mehr gehen. Erfolgt eine erfolgreiche Bodenbildung, dann haben wir die Tiefststände an den Aktienbörsen für das Jahr 2016 vermutlich gesehen.

Executive Summary

  • Anzeichen einer Bodenbildung an den Aktienmärkten sind vorhanden. Dies hat der Kursverlauf der letzten Handelstage des Jänners gezeigt.
  • An der Zinsfront ist die Fed bereits merklich vom Gas gegangen. Maximal eine Zinserhöhung wird es heuer überhaupt noch geben. Derzeit scheint der Markt allerdings nicht einmal das zu glauben.
  • An der Währungsfront tut sich momentan gar nichts. Trotzdem gehe ich derzeit davon aus, dass mit einem schwächeren US-Dollar eine deutliche Erholung der Rohstoffpreise angestoßen werden wird.

Dr. Wolfgang Schiketanz, Schiketanz Capital Advisors GmbH 

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