Start Finanznews Die armen Banken

Die armen Banken

40
bank-schild

Die Europäische Zentralbank hat jetzt ganz offiziell den Auftrag, auf Banken aufzupassen. Das bedeutet, sie soll sie hüten und bewahren, sogar retten, wenn es ihnen schlecht geht. Für die Banken ist das eine gute Nachricht. Für alle anderen eher nicht. Dieser Meinung ist Uwe Zimmer, Vorstandvorsitzender der Vermögensverwaltung Merido AG.

Gewinn und Risiko

Uwe Zimmer
Uwe Zimmer

Banken sind Wirtschaftsunternehmen, die Geld verdienen müssen. Gewinnerzielungsabsicht darf also unterstellt werden. Wie bei jedem Unternehmen ist Geld verdienen mit Risiko verbunden. Und je mehr Risiko man eingeht, desto mehr kann man verdienen. Zumindest sagt das die Theorie.

Die Banken haben gezeigt, dass das stimmt. Sie sind hohe Risiken eingegangen und haben klotzig verdient. Hat also geklappt. In der Theorie kommt jetzt allerdings auch die andere Seite dazu: Geht das schief mit dem Risiko, hat man Schwierigkeiten, muss kürzertreten oder sogar vom Markt abtreten. Das ist Marktwirtschaft.

Andere Regeln für Banken

Dieser Teil stimmt bei den Banken nicht so richtig. Sie sind Risiken eingegangen, haben statt Rot oder Schwarz gleich alles auf die Null gesetzt – und verloren. Einige sind daran kaputt gegangen. Das tat weh, auch Anlegern, Sparern, Wählern. Die Politik hat eingegriffen, seither können Banken eigentlich nicht mehr Pleite gehen. Das heißt, sie gehen hohes Risiko – ohne eigenes Risiko.

So weit so bekannt. Jetzt aber haben die politisch Verantwortlichen noch einen draufgesetzt: Die Europäische Zentralbank ist jetzt auch ganz offiziell die Aufsicht über die Banken – zumindest die großen. Das heißt aber auch, dass sie diese schützen soll vor zu vielen Risiken. Das wäre in Ordnung, wenn der Ansatz beim Risiko der Banken läge. Wenn also die EZB sehr riskante Geschäfte verbieten und Geschäfte mit geringem Risiko fördern könnte.

Mehr Risiko

Stattdessen sieht es so aus, als würde die EZB mit niedrigen Zinsen sogar die Risikobereitschaft der Banken fördern. Denn wenn das Geld, mit dem ich arbeite, wenig kostet, kann ich mehr davon nehmen. Und umgekehrt: Wenn ich kaum noch Zinsen vereinnahmen kann, muss ich andere Anlageformen wählen, um meinen Aktionären aber auch Kunden eine sinnvolle Rendite zu liefern.

Insofern befördert die EZB als Aufsicht eher die Risikoneigung der Banken. Dabei ist nichts dagegen zu sagen, wenn Banken mehr Kundengeld in Aktien stecken, denn die sind auf lange Sicht ertragreicher als Renten, auch wenn sie stärker schwanken. Riskant wird es, wenn sie neue, aufregende Konstruktionen basteln, die dann verkauft werden.

TEILEN
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.