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Dunkle Wolken am Horizont

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Immer mehr finanziell angeschlagene Unternehmen leihen sich zu Billigzinsen Geld von Anlegern, die verzweifelt auf der Suche nach Rendite sind.

Nach fünfjähriger Hausse könnte über dieser Junk-Bond-Party bald ein kräftiges Gewitter aufziehen. Investierte Anleger sollten ihr Engagement langsam reduzieren.

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 haben die weltweit wichtigsten Zentralbanken die kurzfristigen Zinsen unisono nahe Null gedrückt. Von diesen massiven staatlichen Eingriffen profitieren auch Unternehmen, die sonst nur viel schwerer an Kapital kommen würden.

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Dr. Tobias Spies

 

Derzeit müssen diese Firmen in den USA für Unternehmensanleihen mit spekulativem Charakter im Schnitt jährlich gerade mal fünf Prozent bezahlen. Ähnlich sieht die Situation für Ramschanleihen, heute Hochzinspapiere genannt, in Europa aus. Auf dem alten Kontinent wie auch in Übersee beträgt die Zinsdifferenz zwischen diesen High Yields und deutschen bzw. US-Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit aktuell nur knapp 250 Basispunkte. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise zahlten die USA für ihre Staatsschulden zwischen vier und sechs Prozent – und für Hochzinsanleihen lag die Rendite oft über zehn Prozent.

Dass die Junk-Bond-Emittenten mit einem solch mickrigen Aufschlag „davonkommen“, ist durch zwei Faktoren bedingt: die Geldschwemme der Notenbanken und den dadurch verursachten Anlagenotstand der Investoren. Die ultralockere Geldpolitik versorgt die (Groß)Anleger mit dem nötigen Cash; die mangelnden Alternativen zwingen sie, sich trotz erhöhter Risiken mit geringen Renditen zu begnügen. Kein Wunder, dass der Markt für Hochzinsanleihen seit Jahren deutlich zulegt: Seit 2003 wuchs er im Volumen um 450 Prozent; den größten Zuwachs verbuchte das Segment jüngst durch Indexfonds (ETFs).

Fundamental wird der historisch niedrige Spread zu Staatsanleihen oft mit den aktuell sehr geringen Ausfallraten begründet. In der Tat wird derzeit nur jedes 40. Papier nicht bedient – das ist ein extrem niedriger Wert. Übersehen wird bei diesem Argument jedoch zum einen, dass die Risikoaufschläge angesichts des erwarteten Wirtschaftswachstums in Europa bei 400 bis 450 Basispunkten liegen müssten, zum anderen, dass bei einer geringeren Konjunkturerholung weit mehr Anleihen ausfallen dürften als bisher. So rechnet die Ratingagentur Moody’s in einem derartigen Umfeld mit einer bis zu dreifach höheren Ausfallrate. Kommt es dazu, werden die Kurse deutlich nachgeben und viele Anleger rückblickend erkennen, dass das heutige Renditeniveau der High Yields das damit verbundene Risiko nicht annähernd kompensierte.

Zu einem heftigen Einbruch könnte es spätestens bei der nächsten Refinanzierungswelle kommen: Zwischen 2017 und 2020 müssen die Junk-Bond-Emittenten in Europa Anleihen in Höhe von 133 Milliarden Euro verlängern – das entspricht zwei Dritteln des Gesamtmarktes. 2018 steht mit 46 Milliarden Euro der größte Brocken an. Sollte sich im Vorfeld die wirtschaftliche Erholung eintrüben oder sollten die Zinsen für Staatsanleihen bis dahin steigen, könnte dies zu extrem hohen Zahlungsausfällen führen.

Hochzinsanleihen stellen einen wichtigen Baustein in einem effizient strukturierten Portfolio dar – wenn die erhöhten Risiken ausreichend vergütet werden. Da dies derzeit nicht der Fall ist, sollten Anleger ihr Engagement in Hochzinsanleihen reduzieren bzw. sich defensiver positionieren. Letzteres lässt sich mit Hochzins-Papieren von Unternehmen mit moderatem Verschuldungsgrad, konstanter operativer Marge und einem nicht-zyklischen Geschäftsmodell erreichen. Bessere Aussichten auf attraktive Erträge bei kalkulierbaren Risiken am Rentenmarkt bieten jedoch sogenannte Nachranganleihen, auf die Anleihekäufer ihren Schwerpunkt legen sollten. Unseres Erachtens sind sie ein ideales Instrument, um Rendite und Risiko in Zeiten negativer Realzinsen in den Griff zu bekommen.

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