Édouard Carmignac - Börsenguru
Manche Börsengurus treten als Daueroptimisten auf, andere als notorische Schwarzseher. Doch eins haben alle gemeinsam: Sie haben eine eigene Strategie. Mit der Reihe „Börsengurus“ möchten wir Ihnen einen Einblick in die Strategien von ausgewählten Börsengurus geben.

Édouard Carmignac wurde am 5. September 1947 als Sohn eines Diplomaten in Paris geboren und verbrachte seine Kindheit bis zu seinem zwölften Lebensjahr in Peru. Nach seinem Wirtschaftsstudium in Paris machte er 1970 seinen MBA an der Columbia University in New York und begann daraufhin seine Karriere bei der Investmentbank Blyth, Eastman & Dillon. Nachdem er einige Jahre berufliche Erfahrung gesammelt hatte, entschied er sich 1989 für den Pfad der Selbstständigkeit.

Der Megatrendinvestor Carmignac

In den 90er Jahren setzte Carmignac frühzeitig auf die richtigen Megatrends (Schwellenländer, Rohstoffe, Immobilienblase) und erreichte dadurch schnelle Popularität. Besonders seine beiden Flaggschiffe, der Mischfonds Patrimoine und der Aktienfonds Investissement, lieferten über Jahre hinweg sehr starke Performances. Das Jahr 2008 (Beginn einer der schwersten Finanzkrisen seit 1929) konnte der Franzose durch den geschickten Einsatz von Derivaten nahezu ohne Verluste abschließen, was das Vertrauen der Anleger nochmals deutlich stärkte und das Fondsvermögen im Zuge dessen auf neue Rekordstände anhob.

Inzwischen hat Carmignac seinen Hauptsitz in Paris nicht im modernen Geschäftszentrum, sondern am vornehmen Place Vendôme gegenüber des Luxushotels Ritz gefunden. Der passionierte Kunstsammler hat sich seine Geschäftsräume sehr edel und gediegen eingerichtet – viel Kunst, goldener Stuck an den Wänden –, untypisch für die doch raue Welt der Börse. Doch genau diese will er auch gar nicht verkörpern. „Das Ziel ist nicht möglichst rasches, sondern stetiges Wachstum“, lautet seine Devise.

Privates

Der Vater von vier Kindern ist auch abseits der Finanzwelt in verschiedenen Kreisen unterwegs. Daher macht er seinen Kindern auch keine Vorschriften im Hinblick auf die berufliche Laufbahn. Sein Sohn Charles ist wie sein Vater begeisterter Musiker und Leadgitarrist der Band Moriarty, während seine Tochter Lucrèce der Schauspielerei nachgeht. Lediglich seine Tochter Maxime (35) hat eine ähnliche Laufbahn wie ihr Vater eingeschlagen. So übernahm sie 2013 die Leitung der Leitstelle von Carmignac Gestion in England, nachdem sie zuvor als Beraterin bei McKinsey und als Finanzanalystin bei Morgan Stanley gearbeitet hatte. Carmignac selbst wollte früher angeblich Rockstar werden. Doch auch wenn aus diesem Traum nichts geworden ist, hat er seine Liebe zur Musik nie verloren und engagiert regelmäßig Musiker für seine privaten Auftritte. Neben der Musik begeistert er sich zudem für Sport mit einer besonderen Vorliebe für Polo. Seit 1981 spielt er selbst und hat sich mittlerweile sogar seine eigene Profi-Polomannschaft aufgebaut.

Strategie und Pech mit China

Seit 2014 wird zunehmender Fokus auf ein gut strukturiertes Portfolio gelegt. In letzter Zeit scheint der Glanz um den 69-Jährigen jedoch zu verblassen. Denn im Sommer 2015 lag Carmignac mit seinem Team so falsch, wie lange nicht mehr. Als im vergangenen Jahr die chinesische Notenbank überraschend die Landeswährung Renminbi um ca. zwei Prozent abwertete, so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr, unterschätzte Carmignac die Folgen und blieb zu passiv. In den folgenden Tagen fielen die Börsenkurse erst in China und anschließend auch in Amerika und Europa stark. Dies traf den alten Meister unerwartet – schließlich hat er seit Beginn seiner Karriere eine Vorliebe für Schwellenländer und verdankt diesen auch seine jahrelangen Spitzenperformances. Der Absturz Chinas traf sein Portfolio daher in voller Härte, obwohl sein Team im Frühjahr 2015 vor den schlechten Wachstumsaussichten der Welt warnte und besonders eine mögliche Erhöhung des amerikanischen Leitzinses mit Sorge betrachtete. Die Analyse war richtig. Die Umsetzung nicht. Es braucht daher dringend ein erneutes Kunststück wie 2008, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

Fazit

Der Meister schwankt – doch aufgeben kommt für den kämpferischen Franzosen nicht infrage. Seine Fonds liegen auf 5-Jahres-Sicht mittlerweile hinter den jeweiligen Vergleichsindizes, unter anderem auch, weil Aktienpositionen einige Male abgesichert wurden und daher nicht vollständig an den Aufschwüngen partizipieren konnten. Carmignac sieht sich allerdings auch nicht als klassischer Fondsmanager. Er möchte weder zu der Art gehören, die nur Geld einsammelt und einen Themenfonds nach dem nächsten verkauft, noch zu denen, die versuchen den Index zu schlagen, ohne sich aber zu weit von ihm zu entfernen. Er zählt sich zu der Gruppe der aktiven Risikomanager mit dem Ziel, den nächsten Crash rechtzeitig zu antizipieren und seine Anleger zu schützen.

Die 22-teilige Serie „Börsengurus“ wird präsentiert von HSBC Trinkaus & Burkhardt AG. Hier finden Sie außerdem ein Portrait von Börsenphilosoph André Kostolany und in den kommenden Wochen dürfen Sie sich über weitere Por­t­raits der größten Börsengurus der Welt freuen.

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Markus Kubesch absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studiert Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2017 ist er im Redaktionsteam des EXtra-Magazins beschäftigt.