Euro oder Dollar – Pest oder Cholera

Manfred Rath über Euro und Dollar

Geld braucht Vertrauen, um seine Rolle als allgemein anerkanntes Tausch- und Zahlungsmittel, als Gradmesser für den Wert von Waren und als Medium zur Wertaufbewahrung zu erfüllen. Ohne Vertrauen ist Geld nicht mehr als buntes Papier. Der Vertrauensverlust, den wir seit einiger Zeit bei Euro und Dollar beobachten, hat mehrere Gründe.

Zu viel Geld im Umlauf:

Wenn man die Bilanzen der großen Notenbanken dieser Welt betrachtet, kommt man zwangsläufig zur Erkenntnis, dass das Ganze kaum wieder einzudämmen ist. Wir fragen uns, ob es möglich ist, diese Unsummen an Geld, die zum Aufkauf von allen möglichen Anleihen geschaffen wurden, jemals wieder einzusammeln. Vermutlich ist es ähnlich schwierig, wie Zahnpasta wieder in die Tube zurückzudrücken.

Zunehmende Verschuldung:

Die Eurozone und die USA sind hoch verschuldet, von Japan ganz zu schweigen. Da sich die Verschuldung in der Welt weiter erhöht, ist nicht mit Zinserhöhungen zu rechnen. Nur durch die künstlich nach unten gedrückten Zinsen ist es vielen Staaten überhaupt möglich, ihre Schulden zu bedienen. An Beispielen wie Griechenland oder Italien zeigt sich, dass manche Länder an den Kapitalmärkten ohne Unterstützung der Europäischen Zentralbank schon längst pleite wären.

Mit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Einführung von Eurobonds zur gemeinsamen Finanzierung. Das verschafft zwar den schwachen Ländern Europas etwas Luft, löst aber das Problem nicht. In den USA ist seit der Wahl Trumps die Ausgabendisziplin ebenfalls nicht im Entferntesten besser geworden.

Unberechenbare Notenbanken:

Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi, die Geldpolitik künftig weniger aggressiv zu gestalten, sorgten innerhalb weniger Stunden zu starken Verunsicherungen an den europäischen Kapitalmärkten. Zwar folge das Dementi auf dem Fuß, der Euro reagierte jedoch mit einem deutlichen Sprung nach oben.

Der starke Euro ist umso überraschender, da die amerikanische Notenbank FED seit 2016 schon mehrmals die Zinsen angehoben hat und die Differenz zum Euroland immer weiter auseinanderdriftet.

Glaubwürdig ist diese Politik nicht. Die FED begründet die Zinserhöhungen mit dem robusten Arbeitsmarkt. Allerdings können die harten Daten aus den USA alles andere als überzeugen. Dagegen steht Europa wirtschaftlich auf sehr solidem Boden. Anpassungen der Prognosen nach oben sind an der Tagesordnung. Höhere Zinsen wären die logische Folge.

Schulden hier und dort, Notenbankentscheidungen als Gehilfen der Politik, Uneinigkeit und geopolitische Spannungen, so wird das Vertrauen weder in den Euro noch in den Dollar wachsen. Für jede Währung gilt, dass Vertrauen nicht alles ist. Alles aber ist nichts ohne Vertrauen.

Manfred Rath ist Portfoliomanager bei der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg.

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