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(Fast) alles Schrott!

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Geschlossene Fonds versprechen Anlegern Renditen von sechs Prozent und mehr pro Jahr. Doch Vorsicht! Für die Renditejagd eignen sich solche Produkte nicht.

Die dauerhaft niedrigen Zinsen machen viele Privatanleger nervös. Nicht nur dass mit Zinsanlagen bei der Bank kaum noch was zu verdienen ist, die Altersvorsorge gerät zunehmend in Gefahr. Immobilien, die früher vielfach mit Lebensversicherungen finanziert wurden, können nicht mehr voll abbezahlt werden, weil die Überschussbeteiligung zusammengeschrumpft ist. Und der Zinseszinseffekt für Sparanlagen mutet bei gerade mal einem Prozent Tagesgeldzinsen pro Jahr grotesk an.

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Dr. Marc-Oliver Lux

Dieses Umfeld lässt viele Privatanleger händeringend nach besseren Einkunftsquellen Ausschau halten. Dabei stoßen sie immer wieder auf Angebote mit Zinsversprechen von sieben bis acht Prozent pro Jahr. Die Betonung liegt auf „Versprechen“ und manch einer muss im Nachhinein feststellen, dass es sich wohl eher um einen „Versprecher“ gehandelt hat. Denn in der Regel handelt es sich dabei üblicherweise um unternehmerische Beteiligungen, die eine Ausschüttung prognostizieren, in den wenigsten Fällen aber einen festen Zins unabhängig von der zugrunde liegenden Anlage liefern. Beispiele sind geschlossene Fonds in Immobilien, Schiffe, Windkraft, Solar-/Biogasanlagen, Private Equity, u.a., oder auch Beteiligungsrechte ohne Stimmrecht wie Genussscheine, gerne auch mit Grundpfandrechten unterlegt.

Oft genügt ein Blick auf die Erfolgsprognose im Verkaufsprospekt, um hochriskante Anlagen zu erkennen. Denn viele riskante, wenn nicht gar dubiose Geldanlagen lassen sich schnell aussortieren, wenn man eine Regel beherzigt: Hohe Renditen mit hoher Sicherheit gibt es nicht! Gegenwärtig erreichen die besten Festgeldanlagen knapp zwei Prozent pro Jahr. Das heißt: Allerspätestens ab sechs Prozent Verzinsung pro Jahr sollten Anleger besonders kritisch fragen, woher diese kommt. Dabei sollte man sich nicht von Begriffen verwirren lassen: Wer sich an einem geschlossenen Fonds beteiligt, bekommt keine Zinsen, sondern Ausschüttungen auf das eingezahlte Kapital. Beträgt die Ausschüttung zum Beispiel sechs Prozent, bedeutet das nur, dass gerade genug in der Kasse ist, um sechs Prozent auszuzahlen. Das kann auch dadurch erreicht worden sein, indem Instandhaltungsmaßnahmen verschoben und den Marktwert erhaltende Modernisierungen unterlassen werden. Die Quittung kommt später.

Auch wenn es ein paar wenige Ausnahmen im Markt geben mag, gerade die Häufung der Skandale in diesem Bereich lassen nur einen Schluss zu: alles Schrott! Wer nicht Roulette spielen will und zufälligerweise mal auf den richtigen Anbieter setzt, lässt von all diesen „großartigen“ Renditeversprechen einfach die Finger. Ohnehin scheint es den meisten Anlegern zu mühsam, die umfangreichen Verkaufsprospekte auch tatsächlich zu lesen, um nachzuvollziehen, wie das versprochene Geld erwirtschaftet wird. Sträflich, wer sich da nur auf Erläuterungen eines Beraters verlässt. Und wer die Ausführungen nicht versteht, sollte nicht an sich zweifeln, sondern am Produkt und Anbieter.

Fazit: Viele Privatanleger erhoffen sich, im Ruhestand ihre Rente mit Entnahmen aus Ersparten aufzustocken. Dazu braucht es aber liquides Vermögen. Eine Immobilie mag (hoffentlich) zumindest werterhaltend sein, „runterbeißen“ kann man davon nicht. Gleiches gilt für Gold. Unternehmensbeteiligungen ohne Mitbestimmungsrechte in Form geschlossener Fonds braucht kein Mensch. Sie sind leider zu oft eher wertvernichtend und liefern keine berechenbaren Ausschüttungen. Wertpapiere liefern dagegen hohe Transparenz und vor allem Handelbarkeit und Liquidität. Natürlich gibt es heute nichts ohne Risiko, aber wenn eine Wertpapieranlage nicht die Erwartungen erfüllt, kann man zumindest jederzeit aussteigen. Bei geschlossenen Fonds oder Immobilien ist das nicht ohne Weiteres möglich. Liquidität ist ein hohes Gut – oftmals sogar wichtiger als das Renditepotenzial.

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