Uwe Zimmer
Uwe Zimmer, Geschäftsführender Gesellschafter bei der z-invest GmbH in Köln.

Die Briten wollen raus aus der EU. Dafür wollen einige britische Banken rein in die EU. Das betrifft natürlich auch die FinTechs. Ihre Abwanderung wird den deutschen Markt stärken – und eine neue Welle der FinTech-Investments in Gang setzen.

Die Start-ups brauchen den Zugang zu Europas Massen. Und das heißt, sie kommen in die EU. Die Kundenzahlen müssen für kostengünstige und damit margenarme Geschäfte eher größer als kleiner sein. Statt eines regionalen Blicks ist eher ein weltweiter gefragt. Solange unsicher ist, ob es einen privilegierten Zugang zum europäischen Markt geben wird, so lange droht ein radikaler Bruch im Geschäftsmodell, wenn es dann am Ende nicht klappt.

FinTechs: Standbein in der EU ist wichtig

Ein Standbein in der EU ist für Start-ups, vor allem im stark regulierten FinTech-Markt, also extrem wichtig. Nur dann können sie regulatorische Hürden mit vertretbarem Aufwand nehmen – und müssen sich vor allem in den kommenden Jahren nicht mit der Frage herumschleppen: „Kann ich mein Geschäft auch nach dem Austritt noch in der EU anbieten?“

Während die alteingesessenen, saturierten Banken oft ohnehin schon über mehrere Niederlassungen und über ein Heer von Juristen verfügen, müssen sich die Start-ups konzentrieren. Berlin ist Tech-Hauptstadt, Frankfurt Fin-Kapitale, es spricht also viel für einen deutschen Standort. Und wie immer: Um etwas Neues zu schaffen, sind Geld und gute Leute notwendig. Geld ist durchaus vorhanden, die Investments in FinTech-Start-ups in Deutschland steigen seit Jahren. Jetzt kommen aus Großbritannien auch die guten Köpfe – zumindest ein Teil davon. Das sollte dem Standort viel Aufwind geben.

Brexit könnte Börsenkultur verändern

Vor allem aber könnte das den Durchbruch für die noch überschaubare Zahl an Börseninvestmentmöglichkeiten bringen: Die Briten stehen dem Gedanken, sich Kapital schon recht früh von der Börse zu besorgen, deutlich näher als die meisten deutschen Gründer. Gut möglich also, dass durch den Brexodus auch die kontinentale Börsenkultur belebt wird – zumindest was den Bereich FinTechs angeht.

12Uwe Zimmer ist Vorstand der niio finance group AG in Köln.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.