Michael Reuss
Michael Reuss ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München.

Das erste Quartal 2016 wird in die Börsengeschichte eingehen: Den Aktienmärkten hat es den schlechtesten Start seit Jahrzehnten beschert, während die Kurse langlaufender Staatsanleihen kräftig gestiegen sind. Den größten Gewinner haben nur wenige Anleger im Portfolio: Gold! Das Edelmetall hat in US-Dollar 16 Prozent zugelegt, in Euro knapp 11 Prozent.

Mit einer Wertentwicklung von 16 Prozent in US-Dollar weist der sichere Hafen Gold den höchsten Quartalsgewinn seit 1986 auf. Zudem verbucht Gold in der mehrjährigen Korrektur, die 2013 begann, seinen ersten zweistelligen Quartalsgewinn. Analog dazu legten die Bestände in börsengehandelten Goldpapieren im ersten Quartal 2016 um etwa 300 Tonnen zu. Das ist der höchste Zuwachs seit März 2009 und ein gutes Zeichen, dass etliche Investoren Gold mit Überzeugung kauften.

Was sind die Gründe für diesen respektablen Anstieg? Unseres Erachtens bildeten die zahlreichen weltpolitischen Krisen, der kollabierende Rohölpreis, die zwischenzeitlichen Beben an den Börsen und die düsteren Prophezeiungen der Ökonomen den Humus, auf dem der Goldpreis prächtig gedeihte. Hinzu kamen Spekulationen, dass die US-amerikanische Notenbank die geldpolitischen Zügel nicht weiter anziehen würde. Und zu guter Letzt kündigte die Europäische Zentralbank Anfang März an, ihre monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Milliarden Euro hochzufahren – dies bei einem Leitzins von nun 0,0 Prozent. Manch einer glaubt daher, dass sich die EZB bereits in einer Art Endspiel um das Finanzsystem befindet.

Entscheidend für die weitere Entwicklung des Goldpreises sind jedoch vor allem die Stimmung und die Lage an den internationalen Aktienmärkten sowie die weitere Zinspolitik in den USA. Gäbe es dort weitere Zinserhöhungen, würde dies nicht nur den Dollar stärken, sondern auch Bankkonten beziehungsweise Staatsanleihen attraktiver machen. Beides würde den Preis von Gold belasten, das ja in US-Dollar gehandelt wird. Jedoch erwarten wir aufgrund der Konjunkturabkühlung in den USA nicht, dass die Fed etwas unternimmt, das einer echten Zinswende nahekommt.

Außerdem gibt es viele politische und ökonomische Risiken, die den Goldpreis stützen bzw. treiben könnten, sofern sie sich verwirklichen. Dazu zählen die Abkühlung der Weltkonjunktur, die Verschärfung der finanziellen und wirtschaftlichen Situation in China, der weiterhin niedrige Rohölpreis mit seinen negativen Folgen für Erdöl produzierende Länder sowie der Austritt Großbritanniens aus der EU und weitere terroristische Anschläge. Darüber hinaus werden die Zentralbanken ihre expansive Geldpolitik nicht aufgeben, weshalb die Opportunitätskosten für das Halten von Gold inzwischen zu vernachlässigen sind.

Was heißt das für Anleger? Unter dem Strich können und sollten sie ihr Portfolio durch eine Beimischung von physisch hinterlegten Goldinvestments gegen starke Wertschwankungen schützen. Es geht weniger darum, mit Gold hohe Renditen zu erzielen, sondern darum, das Edelmetall als Anlageklasse zu nutzen, die sich konträr zu Aktien entwickelt. Das sorgt für Stabilität. Gleich, ob nun ein neuer Bullenmarkt für Gold beginnt oder nicht, Investments in das Edelmetall halten wir trotz der Rallye im ersten Quartal 2016 für sinnvoll.

Michael Reuss ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München.

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.