Experte Stephan Albrech schwimmt bei Gold gegen den Strom.
Experte Stephan Albrech schwimmt bei Gold gegen den Strom.

Schon wieder wird für Gold das Totenglöcklein geläutet. Nur noch 27 Prozent der Anleger glauben an höhere Kurse – das sind weniger als bei den Tiefs mit 1.060 Dollar und 1.140 Dollar in den Jahren 2016 und 2017. Wir halten dagegen und sagen: Die Mehrheit irrt sich gewaltig!

Alles Kopfsache

An den Tiefpunkten oder in deren Nähe sind die meisten Anleger nie positiv, sondern überwiegend negativ gestimmt. Diesem Muster kann man sich selbst nur schwer entziehen, denn es ist eine psychologische Gesetzmäßigkeit: Die allermeisten Menschen schreiben die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit fort und erwarten, dass die Zukunft sich ähnlich gestaltet. Die Fachleute nennen das „recency bias“, wobei „recency“ die jüngste Entwicklung meint.

So auch dieses Mal. Nachdem Gold die viel beschworene Marke von 1.290 Dollar gerissen und damit einen Aufwärtstrend beendet hatte, wurden immer mehr Anleger nervöser. „Ausverkauf bei Gold“, hieß es bald von vielen Seiten, begleitet von „Wie tief kann Gold jetzt noch fallen?“ und „Diese Preismarken müssen halten, sonst …“ Beim bisherigen Tief von 1.210 Dollar hatten sich die Goldfreunde dann ziemlich rar gemacht: Laut sentimentrader.com, einem Portal, das die Stimmung der Marktteilnehmer abbildet, war nur noch ein viertel positiv für Gold gestimmt. Nahe dem Hoch bei 1.340 Dollar waren es fast 70 Prozent!

Zu behaupten, die Mehrheit liege falsch, nur weil sie die Mehrheit sei, greift natürlich zu kurz. Deshalb liefern wir hier einige Argumente, die unser Szenario eines Preisanstiegs bei Gold in den nächsten Monaten begründen. Allerdings kann der Goldpreis zuvor noch auf bis zu 1.150 Dollar fallen.

1. Als in den letzten Jahren die Mehrheit der Investoren nach Angaben von sentimentrader.com kaum einen Pfifferling auf Gold gab – das war jeweils Ende 2015, 2016 und 2017 der Fall –, stieg der Goldpreis in den Monaten danach erst um 25 Prozent, dann um 20 Prozent und schließlich um zehn Prozent.

2. Die Goldproduzenten sichern sich so wenig gegen fallende Kurse ab wie zuletzt bei den Preistiefs Ende 2016 und Ende 2017. Wie oben erwähnt, kam es danach zu mehrmonatigen Kursanstiegen von bis zu 25 Prozent. Da diese Marktteilnehmer sehr genau um ihr Geschäft wissen, ist zu erwarten, dass der preisliche Spielraum nach unten begrenzt ist.

3. Anleger, die im Juli Gold kauften, konnte sich seit 2012 in vier von sechs Fällen über Gewinne in den nächsten Monaten freuen – und das in einem ausgewachsenen Bärenmarkt, der unseres Erachtens zu Ende geht und bald von einer Phase dauerhaft steigender Notierungen abgelöst wird. Von daher spricht auch von saisonaler Seite einiges für höhere Notierungen in den nächsten Monaten.

Viele Faktoren deuten darauf hin, dass die Gold-Pessimisten zur Unzeit pessimistisch sind. Wer Gold bereits im Depot hat, sollte sich von dieser negativen Stimmung nicht anstecken lassen. Und wer (zu)kaufen will, ist mit dem aktuellen Niveau ziemlich gut bedient. Das gilt insbesondere, wenn nicht auf einmal, sondern in Tranchen gekauft wird.

Über den Autor

Stephan AlbrechStephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Cermögensverwaltung AG in Köln.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.