Hubert Thaler
Hubert Thaler, Vorstand der TOP Vermögen AG in Starnberg.

Der deutsche Aktienleitindex wird 30 Jahre alt. Am 1. Juli 1988 startete die Berechnung mit 1.000 Punkten. Vor Kurzem erreichte er die 14.000-Punkte-Marke. Doch dieser Erfolg lässt sich nicht so einfach fortschreiben.

Hubert Thaler über die Entwicklung des deutschen Leitindex DAX

Pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum im Dezember kratzte der DAX an einem neuen Allzeithoch. Gestartet bei 1.000 Punkten konnten Anleger der ersten Stunde ihr Kapital rund vervierzehnfachen. Die jährliche Rendite von fast neun Prozent reicht für einen satten Inflationsausgleich.

Die Geschichte des DAX zeigt aber auch, wie wichtig Dividenden sind. Da der DAX als Performance-Index berechnet wird, werden die Dividenden rechnerisch neu investiert. Als Kursindex ohne Dividenden stünde der DAX nur bei gut 6.000 Punkten. Folglich waren in den letzten 30 Jahren die Dividenden die eigentlichen Kurstreiber.

Ein Blick auf die DAX-Mitglieder zeigt aber auch, dass die neuen Technologiewerte, wie die Google, Facebook und Co. sämtlich fehlen. Das derzeit größte Indexgewicht ist SAP mit einem Anteil von fast zehn Prozent. Der Softwarekonzern ist damit der Jungspund unter den Schwergewichten. Danach folgen Bayer, gegründet 1863, Allianz, gegründet 1890 und Siemens mit dem Gründungsjahr 1847.

Diese Traditionsunternehmen haben in der Vergangenheit heftige Krisenzeiten und industrielle Disruptionen gut überstanden. Daher bieten sich große Indizes, wie der Dow Jones Index oder eben der DAX durchaus als Basisinvestment an.

Doch echte Neuerungen kommen häufig von neuen Unternehmen. Und die Innovationszyklen werden immer kürzer. Es lohnt daher der Blick abseits der Traditionsindizes. Denn die Herausforderer bestimmen zunehmend den Takt.

Die Vermutung, dass der DAX weiterhin um die neun Prozent im Jahr steigen wird, sollten Anleger ad acta legen. Das Wachstum in den Industrieländern wird in den kommenden zehn Jahren aufgrund der fehlenden Demografiedividende deutlich niedriger ausfallen.

Für die DAX 30 Unternehmen werden zum Erhalt der Vormachtstellung erheblich höhere Investitionen als in der Vergangenheit nötig sein. Anleger sollten daher eher mit fünf Prozent im Jahr kalkulieren. Die Hälfte davon kommt aus den Dividenden. Das macht dann im Jahr 2028 immer noch einen DAX-Stand von über 20.000 Punkten.

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