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Husten die USA, hat Brasilien die Grippe!

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Blutbad an den Börsen der Schwellenländer: Während Dax und Dow erst jüngst unter Druck kamen, fließt seit Wochen massiv Geld aus den Börsen der Emerging Markets ab.

  
Stefan Albrech 

Wer in Brasilien, Indonesien und Co. investiert hat, verbucht seit Anfang Mai Abschläge von mehr als 15 Prozent – gleich, ob das Geld in Anleihen oder Aktien steckt.

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, kündigte jüngst an, dass die Federal Reserve angesichts besserer Konjunkturdaten das Kaufprogramm für amerikanische Staatsanleihen reduzieren und gegebenenfalls ganz einstellen will. Die Märkte reagierten reichlich verschnupft: Aktien brachen weltweit ein, Gold crashte erneut, die Kurse für Staatsanleihen sanken deutlich. Das einzige, was stieg, war der Dollar. Denn dank der bisherigen Geldschwemme der Fed sind es vor allem US-amerikanische Anleger, die ihr im Ausland investiertes Geld abziehen und erst einmal aufs Konto legen – und das treibt den Wert des Greenbacks.

Aufmerksame Beobachter konnten diesen „Rückzug aus dem Risiko“ schon Wochen vorher in anderen Weltregionen beobachten. So fielen die Kurse von Staatsanleihen der Schwellenländer, wie sie etwa im Emerging Markets Bond Index von J.P. Morgan abgebildet sind, von Anfang Mai bis Mitte Juni um bis zu 15 Prozent, weil Anleger ihr Geld abzogen. Auch die Aktienmärkte der Schwellenländer, die sich im MSCI Emerging Markets Index wiederfinden, haben ähnlich viel verloren. Zum Vergleich: Deutsche Staatsanleihen haben seit Anfang Mai drei Prozent abgegeben, beim Aktienindex MSCI World waren es acht Prozent.

Das zeigt: Wenn die Finanzmärkte der Industrieländer husten, haben die Börsen der Emerging Markets ruck, zuck die Grippe. Und so erwischt es die Schwellenländer als erstes und am schlimmsten, wenn Kapitalanleger weltweit ihr Risiko reduzieren – unabhängig davon, wie stark die Wirtschaft vor Ort wächst. In solchen Stressphasen entkoppeln sich die Finanzmärkte offenbar weit von der realwirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder. Verwundern muss das nicht: Wenn viele ausländische Anleger ihre Schäfchen gleichzeitig ins Trockene bringen wollen und zudem wichtige Player am Markt sind, rutschen die Preise unabhängig von den fundamentalen Aussichten schnell in den Keller.

Anleger können auf zwei Arten mit dieser Erkenntnis umgehen: Entweder investieren sie einen kleinen Teil ihrer Investments direkt in die Schwellenländer und versuchen, durch Market Timing die Abwärtsphasen zu umgehen. Da dies aber schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, empfehle ich den anderen Weg: Beteiligen Sie sich an deutschen, europäischen oder amerikanischen Unternehmen, die in den Schwellenländern einen Teil ihres Geschäftes abwickeln. So profitieren Sie direkt vom Wachstum der Realwirtschaft in den Emerging Markets, sind aber nicht dem unnötig hohen Risiko der dortigen Finanzmärkte ausgesetzt.

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