Indizes: Die größten Index-Lügner
Kathrin Eichler ist geschäftsführende Gesellschafterin der EICHLER & MEHLERT Finanzdienstleistungen GmbH in Düsseldorf.

Aktien-Indizes fassen die Kursentwicklung wichtiger Unternehmen zusammen und sollen so die Stimmung der Anleger wiedergeben. Steigt ein Index, ist die Börsenstimmung eher optimistisch. Fällt ein Index, dann sind die Anleger pessimistisch. Sagen uns Indizes wirklich, wie es um die Befindlichkeit der Aktionäre steht? Nein – manche Indizes flunkern ein bisschen, andere lügen wie gedruckt.

Indizies: DAX und Dow Jones

Der DAX beispielsweise flunkert ein wenig: Bei der Berechnung des DAX werden die Aktienkursentwicklungen und Dividendenzahlungen der 30 größten Aktiengesellschaften berücksichtigt. Die Gewichtung der einzelnen Titel im Index hängt von ihrer jeweiligen Marktkapitalisierung ab. Doch gerade der Blick auf die Marktkapitalisierung führt zu einer unglaublich engen Marktbetrachtung. So sind die sieben größten DAX-Unternehmen an der Börse derzeit mehr wert als der komplette Rest. Deshalb sind es wohl nur zehn oder elf deutsche Unternehmen, die den Ausschlag geben, ob der DAX steigt oder fällt. Und das wird als Maßstab für die Börsenstimmung in Deutschland herangezogen!

Beim Dow Jones Industrial Index blickt die Welt auf 30 Einzeltitel, die sogenannten Blue Chips: Die sollen darüber Auskunft geben, wie gut oder schlecht die Stimmung an der Wall Street ist.

Die Gewichtungen der einzelnen Indexmitglieder sind jedoch nicht gleich verteilt. Im Dow Jones werden einfach die Werte von 30 ausgewählten Aktien zusammengezählt und durch 30 geteilt. Streng genommen ist der Dow Jones also gar kein Index, sondern ein simpler Durchschnittswert. Entscheidend für die Gewichtung im Index ist weder die Marktstellung eines Unternehmens noch seine Marktkapitalisierung, sondern allein der aktuelle Tageskurs der Aktie. So kann ein Unternehmen, das eine vergleichsweise geringe Marktkapitalisierung hat, trotzdem eine größere Rolle im Index spielen, wenn der betreffende Kurs einen höheren Wert hat. Der weltberühmte Index flunkert also nicht nur. Er ist der größte Lügner unter der Sonne. Es ist deshalb keine Ausnahme, dass der Dow sinkt, während die Kurse des gesamten US-Aktienmarktes im Durchschnitt steigen – oder umgekehrt.

Alternativen

Die oben genannten beiden Beispiele sind sogar noch harmlos im Vergleich zu manch anderem Aktienindex, in dem manchmal nur ein oder zwei große Unternehmen den Ausschlag geben, ob der jeweilige Index steigt oder fällt. Deshalb sollten Anleger Indizes durchaus kritisch sehen. So einfach und populär ein Index auch sein mag, so wenig besteht er oft vor dem Lügendetektor.

Es gibt bessere Thermometer, um das Börsenfieber zu messen. Dazu zählen Fondszuflüsse. Das sind die Gelder, die Anleger neu in Fonds investieren und die dann natürlich über die Fondsgesellschaften wieder in Aktien investiert werden. Und mehr Geld in Aktien bedeutet steigende Kurse auf breiter Front.

Kathrin Eichler ist geschäftsführende Gesellschafterin der EICHLER & MEHLERT Finanzdienstleistungen GmbH in Düsseldorf.
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