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Ist die Rürup-Rente sinnvoll für den Vermögensaufbau?

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Wie immer, wenn die Politik die Bürger in eine bestimmte Richtung bewegen will, bedarf es Anreize. Dieses sind in den meisten Fällen steuerliche Vergünstigungen über einen sehr langen Zeitraum. Oftmals sind gut gemeinte Programme aber nur Konjunkturförderprogramme für spezielle Marktsegmente und deren Produktanbieter.

Nicht zu Unrecht sind Riester & Rürup in die Kritik geraten, wenn die teilweise sehr hohe Gebührenbelastung der Verträge einerseits und der langfristige Mehrwert andererseits, objektiv durchleuchtet werden. Wir zweifeln nicht an der Sinnhaftigkeit der privaten Altersvorsorge. Im Gegenteil, sie ist angesichts der demografischen Situation der Gesellschaft und der Überschuldung des auf Umverteilung basierten Rentensystems eine unabdingbare Notwendigkeit. Aber wir hegen starke Zweifel an den schönen Modellrechnungen diverser Produktanbieter, die oft in satten Renditeaussichten enden, deren Berechnungsbasis einer Vielzahl nicht beherrschbarer Variablen unterliegt. So werden Annahmen zur individuellen Einkommensentwicklung, zur Zins- und zur Inflationsentwicklung getroffen. Ferner wird mit Beginn der Auszahlung eine Steuerquote projiziert, die immer unterhalb der jetzigen liegt. Dies hoffen wir zwar auch, aber angesichts unkalkulierbarer politischer Risiken und überbordender Staatsverschuldung sind Prognosen zu Inflations- und Steuerquotenentwicklung schlichtweg unseriös.

Freiberufler, selbstständige Unternehmer oder auch Arbeitnehmer, der soeben seinen Arbeitsplatz verloren und eine signifikante Abfindungszahlung erhalten hat, stehen vor der Frage, ob ein Rürup-Vertrag Sinn machen kann. Bei einem maximal geförderten Betrag von 40.000 Euro pro Ehepaar (aktuelle Debatte bis zu 45.000 Euro) konnten in 2012 bereits 74 Prozent als Sonderausgaben geltend gemacht werden (jährlich steigend) – beim Grenzsteuersatz in Höhe von 43 Prozent immerhin eine Ersparnis in Höhe von 12.700 Euro. Natürlich verlockt dieser Vorteil der Steuerstundung. Aber es werden auch einige Nachteile in Kauf genommen:

  • langfristige Vertragsbindung ohne Zugriffsmöglichkeit
  • Geldanlage muss in eine lebenslange Rente überführt werden – keine Auszahlung bei Fälligkeit möglich
  • Folgerentenversicherung verteuert sich durch zusätzlich erforderlichen Hinterbliebenenschutz, da im Todesfall das Vermögen nicht vererbt werden kann und    sonst zugunsten der Versichertengemeinschaft verbucht wird
  • Unsicherheit über die zukünftige Steuerbelastung
Thomas Böckelmann
Thomas Böckelmann

Rürup-Verträge gibt es in Form von zahlreichen Versicherungen und Fondssparplänen, beide mit oder ohne Garantie der eingezahlten Beiträge bei Endfälligkeit. Nach unserer Einschätzung gibt es angesichts der Langfristigkeit der Ansparphase von 20 Jahren keine Alternative zu Investments mit Aktienkomponenten und diese lassen sich bei Rürup- Verträgen nur mit Fonds realisieren. Bei einer Vielzahl von Anbietern werden die Gelder in hauseigene Fondsprodukte investiert, was nicht schlecht sein muss. Allerdings bedeutet dies eine gewisse Intransparenz, wo genau die teilweise hohen Rürup-Beträge angelegt sind. Ferner ist die Kostenbelastung allein für den Vertrieb durchschnittlich fünf Prozent der Geldanlage. Dazu addieren sich die jährlichen Verwaltungsgebühren.

Häuser wie die Allianz bieten Rürup-Anlegern die Möglichkeit, die für die Geldanlage vorgesehenen Fonds aus einer umfangreichen Palette auszuwählen. Hier ergibt sich durchaus eine interessante Schnittstelle zum Honorar-Anlageberater oder Vermögensverwalter des Kunden. Einige von ihnen haben die Möglichkeit, im Falle von Kooperationsverträgen mit den Produktanbietern diese teilweise vollständig zu rabattieren. In diesen Fällen ist die Nutzung der steuerlichen Vorteile bei allen Unsicherheiten und Laufzeitnachteilen zumindest eine Überlegung wert.

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