Digitale Währungen sind für viele Anleger eine Alternative zum Gold, um sich gegen Krisen und Inflation abzusichern. Ein Vergleich mit Gold bietet sich an. Doch wie vergleichbar sind die beiden Krisenwährungen?

Jan-Patrick Weuthen vergleicht Bitcoins mit Gold

  • Die internationalen Zentralbanken beschäftigen sich mittlerweile intensiver mit dem Phänomen der Geldschöpfung über private Kryptowährungen. Die Meinungen der Banken schwanken zwischen der Herausgabe offizieller Digital-Währungen bis hin zu einem allgemeinen Handelsverbot. Erste Regulierungen gibt es schon. China verbietet Handelsplattformen für Digitalwährungen und Russland schränkt den Zugang bereits stark ein. Würden weitere Regulierungen oder Handelseinschränkungen in anderen Ländern bekannt, dürfte der Wert der digitalen Währungen stark sinken. Auch beim Gold gab es von 1933 bis 1974 in USA ein Verbot des Goldbesitzes. Dass sich diese Situation wiederholt, erscheint in heutigen Zeiten eher unrealistisch. Beim Thema physische Sicherheit und Handelbarkeit liegt Gold also klar vorne.
  • Obwohl beide Assets nicht beliebig vermehrbar sind, können Stromausfälle, Netzbetreiber-, Smartphone-, Server- oder Computerausfälle den Handel mit Bitcoins stark einschränken. Bitcoin ist also nur in Verbindung mit dem Internet nutzbar, während Gold als seltener Rohstoff auch im Schmuck- und Industriebereich Verwendung findet. Bei der Lagerung hat der Bitcoin die Nase vorn. Tresore oder Sicherheitstransporte für Gold sind teurer als sogenannte E-Wallets.
  • Bei Internetwährungen gibt es keine offizielle Behörde, an die sich Nutzer wenden können, wenn eine Transaktion falsch läuft. Hackerangriffe, wie auf Mount Gox oder zuletzt auf die Kryptowährung Theter, bei denen jeweils zweistellige Millionenbeträge erbeutet wurden, führen zu Unsicherheit und Vertrauensverlust und folglich zu Kursverlusten.
  • Die Schwankungsbreite des Bitcoin ist enorm. Aber auch Gold kann stärker schwanken. Es besitzt aber gerade in Krisenzeiten eine stabilisierende Wirkung, wenngleich verbunden mit dem Währungsrisiko des US-Dollars.
  • Wie sich Kryptowährungen bei einer geopolitischen oder ausgewachsenen Finanzkrise verhalten, bleibt noch abzuwarten.
  • Zumindest steuerlich gibt es für Anleger keine Unterschiede. Kursgewinne sind bei beiden nach einem Jahr steuerfrei.

Ob es sich bei den Digitalwährungen um eine neue Evolutionsstufe des Zahlungsverkehrs handelt und wer dabei die Führung übernimmt, wird die Zukunft zeigen. Die hinter Bitcoin steckende hochgepriesene Blockchain-Technologie hat zumindest das Zeug dazu. Anleger wetten auf diese noch fragliche Zukunft. Die derzeitigen Ausschläge des Bitcoin und dessen digitalen Konkurrenten sind so groß, dass sich diese eher als Spekulationsobjekt eignen, statt als ernst zu nehmende Währungsalternative. Eine Korrektur des Bitcoin ist nach diesen Anstiegen und der aktuellen Stimmung das wahrscheinliche Szenario.

Über den Autor

Jan-Patrick WeuthenJan-Patrick Weuthen ist Senior Portfoliomanager bei der B&K Vermögen GmbH in Köln

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