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Japans Geldrevolution ist brandgefährlich

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markussteinbeis

Japans Notenbank bläst zur geldpolitischen Revolution: Innerhalb von zwei Jahren will sie eine Inflationsrate von zwei Prozent erzeugen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Dieses Vorhaben gelingt nur, wenn der Yen durch eine Aufblähung der Geldmenge kräftig abwertet.

Dazu kauft die Bank of Japan (BoJ) in großem Stil Staatsanleihen und treibt die Investoren scharenweise in Aktien, Immobilien und Anleihen anderer Staaten. Doch es ist fraglich, ob dieses Experiment ohne größere Schäden ablaufen wird.

 
Markus Steinbeis 

Mit dem Amtsantritt von Premierminister Shinzo Abe wurden die Weichen der Wirtschaftspolitik ganz neu gestellt: Nach zwei Jahrzehnten zäher Deflation versucht die Notenbank auf Weisung der Politik, durch Inflationierung wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt, kauft die BoJ doppelt so viele Staatsanleihen auf wie die US-amerikanische Notenbank: Monat für Monat nimmt sie dem überschuldeten Staat Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro ab und dehnt so die Geldmenge enorm aus.

Die Reaktion an den Finanzmärkten ließ nicht lange auf sich warten: Seit Anfang 2013 legte der Aktienindex Nikkei 225 um bis zu 30 Prozent zu, weil sich die Aussichten der exportorientierten Unternehmen durch einen schwachen Yen deutlich verbessern. Bei den Immobilienaktien war die Kursexplosion noch heftiger. Sogar Europa als aktuelle Krisenregion Nummer 1 profitiert: Aus Sicht eines japanischen Anlegers ist es allemal sinnvoller, dem spanischen Staat für vier Prozent Geld zu leihen und zusätzliche Währungsgewinne einzustreichen, als zu Hause das Geld für null Prozent liegen zu lassen, während die Kaufkraft des Yen schwindet. Übrigens bekommen auch deutsche Hauskäufer ihre Hypothekendarlehen nun günstiger, weil Japaner im Anlagenotstand selbst niedrig verzinste deutsche Bundesanleihen kaufen.

Wer einen Schritt zurücktritt, erkennt: Nippons Notenbank treibt mit ihrer Politik scharenweise Versicherungen, Pensionsfonds und Vermögensverwalter aus japanischen Staatsanleihen hinaus – und in Sachwerte sowie andere Währungen hinein, die dank der Inflationierung gegenüber dem Yen deutlich aufwerten. Dieser ganze Prozess wirkt wie der Auftakt zur sogenannten Katastrophen-Hausse, in der alles gekauft wird, was halbwegs Schutz vor der Entwertung der Währung verspricht. Denkt man dieses Szenario weiter, wird das vom Staat kontrollierte Papiergeld mehr und mehr zum reinen Zahlungsmittel, das immer weniger in der Lage ist, Werte aufzubewahren. Die logische Folge wären stark steigende Zinsen für japanische Staatsanleihen, die ansonsten keine Abnehmer mehr fänden.

Dieses Risiko der Geldflutung sieht natürlich auch die japanische Notenbank – und sie bzw. die Politik muss es angesichts der sehr hohen Staatsverschuldung mit allen Mitteln verhindern. Dazu stehen im Prinzip zwei Wege offen, die miteinander kombiniert werden können. Erstens: Der Staat zwingt Versicherer, Pensionsfonds etc., vorrangig in japanische Staatstitel zu investieren. Diese finanzielle Repression entwertet die künftigen Einkommen, die die Japaner aus diesen Sparformen erhalten werden, da die Kaufkraft niedriger ausfallen wird. Zweitens: Die Notenbank tritt selbst dauerhaft als Nachfrager von Staatsanleihen auf und hält so die Zinsen unten. Im Gegenzug wächst und wächst die Geldmenge. Das birgt die Gefahr, dass das Vertrauen der Menschen in die Währung erodiert.

Fazit: Wie man es auch dreht und wendet – die Bank of Japan hat einen sehr riskanten Kurs eingeschlagen, gegen den sich die Anleihekäufe der EZB bescheiden ausnehmen. Geht die Strategie auf, könnte das Land wieder auf einen Wachstumspfad einschwenken. Im anderen Fall drohen jedoch massive Wohlstandsverluste bzw. im schlimmsten Fall sogar ein Währungskollaps. Das Ausland wird den Gang der Dinge in Japan daher sehr genau beobachten.