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Konkurrenz zur Weltbank

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Lange Zeit versuchten einige Schwellenländer vergeblich, die Weltbank und den IWF zu reformieren. Am 15. Juli gründeten die BRICS-Staaten nun eine eigene Institutionen.

Aufmerksamen Anlegern ist der Begriff BRIC schon seit längerer Zeit geläufig. Geprägt wurde das Akronym als Sammelbegriff für die vier großen Schwellenstaaten Brasilien, Russland, Indien und China im Jahr 2001 von Jim O‘Neill, dem einstigen Chefvolkswirt des Finanzhauses Goldman Sachs. Sie alle befinden sich an der Schwelle zum entwickelten Industriestaat. Später wurde in diesem Zusammenhang häufig auch noch Südafrika genannt, so dass sich BRIC sehr schnell zum Begriff BRICS wandelte. Einen engeren wirtschaftlichen oder politischen Zusammenschluss gab es jedoch zwischen den größten globalen Schwellenstaaten lange Zeit nicht. Zu unterschiedlich waren die Interessen dieser fünf Länder, zu verschieden die politischen Systeme. Dabei vereinen diese über ein erhebliches Wirtschaftspotenzial. Mit insgesamt 3 Mrd. Einwohnern entfällt auf die BRICS rund 41 Prozent der Weltbevölkerung. Sie erwirtschaften knapp 25 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes und verfügen über 42 Prozent der weltweiten Devisenreserven. Auch wenn derzeit drei dieser Mitglieder (Brasilien, Russland, Südafrika) wirtschaftlich eher schwächeln, dürfte die Bedeutung dieser fünf Staaten in Zukunft weiter zunehmen.

Krise bechleunigte Zusammenarbeit

Erst die weltweite Finanzkrise und die negativen Folgen auch für die fünf Staaten zwang deren Regierungen, wirtschaftlich und politisch enger zusammenzuarbeiten. Seit dem Jahr 2009 finden zu diesem Zweck jährliche Gipfeltreffen auf höchster Ebene statt. Da der Ruf der Schwellenstaaten nach Reformen der von den westlichen Industriestaaten, insbesondere den USA geprägten Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) ungehört verhallte, entwickelte China im Jahr 2012 Pläne, als Gegengewicht zu den bestehenden globalen Institutionen eine eigene Entwicklungsbank zu gründen.

Neue Instiutionen nahmen Arbeit auf

Aus den Plänen wurde nun nach dreijähriger Vorarbeit Wirklichkeit. Mitte Juli nahm in Shanghai die New Development Bank (NDB) ihre Arbeit auf. Sie soll vorrangig der Finanzierung von Entwicklungprojekten und Infrastruktur in den fünf Staaten dienen. Startkapital sind 50 Mrd. US-Dollar, jedes der fünf Mitgliedstaaten zahlt dazu 10 Mrd. US-Dollar ein. Verglichen zur Weltbank mit derzeit 222 Mrd. US-Dollar ist das Volumen bisher noch vergleichsweise gering, aber es bleibt nur eine Frage der Zeit, dass dieses Volumen aufgestockt wird. Darüber hinaus wurde als Gegenstück zum Internationalen Währungsfonds der Contingency Reserve Arrangement (CRA) gegründet, der mit einem Kapital von 100 Mrd. US-Dollar ausgestattet wird. Der Löwenanteil der Einzahlungen entfällt dabei auf China, die 41 Mrd. US-Dollar einzahlten.

Wandel des Weltfinanzsystems

Die Bewährungsprobe für die neugeschafffenen Institutionen gilt es noch zu bestehen. Verteilungskämpfe innerhalb des Quintetts werden nicht ausbleiben. Die Bonitätseinstufung durch die großen Ratingagenturen entscheidet, wie günstig sich NDB und CRA am Kapitalmarkt Geld leihen können. Der Schritt könnte jedoch als ein wichtiger Meilenstein in der Veränderung der wirtschaftlichen Machtverhältnisse in die Geschichtsbücher eingehen.

Fazit:

Die BRICS-Staaten gründeten in Konkurrenz zu Weltbank & IWF eigene Institutionen. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass die Musik künftig verstärkt auch in den Schwellenstaaten spielt.

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