BlackRock – Alles basiert auf Aladdin

BlackRock wurde 1988 als das Wall-Street-Gegenstück einer Garagenfirma durch Larry Fink und sieben weitere ehemalige Mitarbeiter von First Boston gegründet. Die Gruppe leistete bereits bei First Boston Pionierarbeit im Bereich hypothekenbesicherte Wertpapiere. Sie teilten die Überzeugung, Kundenwünsche und deren Interessen an erster Stelle zu sehen. Mit diesem Leitsatz gelang BlackRock bereits früh der erste Erfolg.

Die innovative Investment-Plattform Aladdin vereinigte die Bereiche Handel, Risiko-Analyse und Kunden-Reporting. Aus heutiger Sicht war es diese Plattform, mit der strategische Entscheidungen auf Basis umfangreicher Datenanalyse getroffen werden konnten, welche BlackRock von anderen Assetmanagern unterschied. Noch heute ist Aladdin der Kern von BlackRock Solutions und vermutlich nicht zuletzt der Grund, warum institutionelle Anleger weltweit dem Vermögensverwalter ihr Geld anvertrauen. Die Plattform besteht aus einem Heer von Analysten und vier Hochleistungsrechenzentren, deren Standorte geheim gehalten werden und die in der Lage sind, etwa 200 Mio. Simulationen pro Woche durchzuführen. Mit dieser Kapazität schafft es Aladdin nahezu in Echtzeit, die weltweiten Positionen und deren Risiken einzuschätzen.

2009 – BlackRock kauft iShares

Das Unternehmen BlackRock, gegründet unter dem Schirm der Blackstone Group, tritt erst seit Ende 1992 unter seinem heutigen Namen auf. Damals wurden 17 Mrd. Dollar an Vermögenswerten verwaltet, was sich innerhalb eines Jahres auf 53 Mrd. Dollar mehr als verdreifachte. Der Börsengang an der NYSE folgte im Jahr 1999. Ab 2005 unternahm BlackRock eine Reihe von Übernahmen und Fusionen, um Investmentkompetenzen auszubauen. So kaufte man Merrill Lynch Investment Managers Anfang 2006 und im Jahr 2009 Barclays Global Investors. Hauptsächlich wegen der ETF-Sparte iShares. Bei der Integration dieser neuen Geschäftsbereiche blieb man sich dem Prinzip „One BlackRock“ treu. Dieses sieht vor, alle Prozesse auf eine Business Unit zu konzentrieren. In dieser werden alle Geschäftsbereiche zentral um die Wünsche der Kunden koordiniert.

Durch die Übernahmen gelang es BlackRock seine Produkt- und Dienstleistungsvielfalt erheblich auszubauen und Marktführer zu werden. Heute verwaltet BlackRock, rund 5 Billionen Dollar (das Gesamtvermögen der Weltbevölkerung, d. h. die Summe aller liquiden und illiquiden Mittel, beträgt Schätzungen zufolge 250 Billionen Dollar). Dabei gilt natürlich der Grundsatz, dass das investierte Vermögen diversifiziert werden muss. Somit ist es nicht ungewöhnlich, dass BlackRock in vielen größeren Unternehmen des Planeten einen Großteil der Aktien verwaltet.

Auch in Deutschland ist BlackRock aktiv; BlackRock verwaltet große Aktienpakete vieler DAX-Unternehmen und Nebenwerte. Andere Beispiele sind Banken wie JPMorgan Chase, Bank of America oder die Citigroup, bei denen BlackRock Großaktionär ist. Auf der anderen Seite hält der Assetmanager auch nicht unerhebliche Anteile an Rüstungs- und Ölkonzernen und wird mit Investitionen in die Drohnen-Industrie, den Saatgutspezialisten Monsanto und Unternehmen, die zur Palmölproduktion maßgeblich die Rodung des Regenwalds in Kauf nehmen, in Verbindung gebracht. Für diese Aktivitäten steht BlackRock und damit auch Larry Fink vermehrt in der Kritik.

Kauft endlich Aktien!

Anlegern empfiehlt Fink: „Kauft endlich Aktien!“ Weiter sagt er, Anleger müssen endlich richtig investieren; sichere Anleihen aus Deutschland oder den Vereinigten Staaten werfen keine Zinsen mehr ab. Mit solchen Erträgen könne man nicht für die eigene Zukunft vorsorgen. Die Menschen leben heute deutlich länger. „Selbst die meisten 55-Jährigen haben heute glücklicherweise noch mindestens 30 Lebensjahre vor sich. Ohne Aktien, da bin ich sicher, wird es ihnen im Alter an Einkommen fehlen.“ Man dürfe sich von Kursschwankungen nicht verunsichern lassen. Wer sein Vermögen für die nächsten 30 Jahre anlegt, dürfe sich nicht um die Kurse von heute kümmern. Dabei spricht sich Fink besonders für hochwertige Dividendenpapiere aus.

Finks Einfluss geht über die Beteiligungen von BlackRock hinaus: Er und seine Mitarbeiter beraten Finanzminister sowie Notenbanken. Fink ist hervorragend vernetzt. So zählt er EZB-Chef Mario Draghi oder US-Finanzminister Tim Geithner zu seinen Freunden. Großinvestor Carl Icahn, der bereits zuvor in dieser Serie porträtiert wurde, nennt diese Macht „sehr gefährlich“. Es ist also bei Weitem nicht nur die enorme Summe von über 5 Billionen Dollar, die Finks Macht ausmacht und zu Bezeichnungen wie „Mächtigster Mann der Wall Street“ führt. Finks Einfluss ist allgegenwärtig. Dies bringt ihm nicht nur Lob ein und ist vielleicht auch einer der Gründe, weshalb sich Larry Fink nur selten der Öffentlichkeit stellt.

Die 22-teilige Serie „Börsengurus“ wird präsentiert von HSBC Trinkaus & Burkhardt AG. Hier finden Sie außerdem eine Portrait von Indexfonds-Pionier John Bogle und in den kommenden Wochen dürfen Sie sich über weitere Por­t­raits der größten Börsengurus der Welt freuen.

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Markus Kubesch absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studiert Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2017 ist er im Redaktionsteam des EXtra-Magazins beschäftigt.