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Mehr als ein Strohfeuer?

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Ein Aktiensektor erlebt eine Kursrallye – und kaum einer merkt es: So erging es den Rohstoffaktien, die in Europa im vergangenen halben Jahr um knapp 40 Prozent zugelegt haben.

Stellt sich die Frage, ob der Anstieg nur eines der üblichen Strohfeuer in diesem Sektor ist oder ob die Kurse dauerhaft anziehen. Der zweite Fall wäre ein ermutigendes Zeichen für die Weltwirtschaft.

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 Stephan Albrech 

Viele Anleger gründen ihre Entscheidungen auf Konjunkturprognosen. Recht betrachtet ist dies seltsam, denn der Aktienmarkt gilt seinerseits als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Aufschlussreich ist insbesondere der Blick auf die einzelnen Branchen. Denn dadurch erkennen Anleger nicht nur, wer derzeit „das stärkste Pferd im Stall“ ist; sie bekommen auch Hinweise darauf, in welchem Stadium sich der Börsenzyklus befindet.

Derzeit zeigen sich die Minenwerte im Vergleich zum STOXX 600 stark. Während das Barometer für den breiten Aktienmarkt in ganz Europa – Großbritannien, Schweiz etc. inklusive – seit Juli um „nur“ 22 Prozent zulegte, verteuerten sich BHP Billiton, Rio Tinto, Glencore und andere um durchschnittlich 40 Prozent. Herausragend schnitten auch die Bereiche Technologie, zyklischer Konsum und Industriegüter ab – ein recht gutes Indiz, dass sich der Börsenzyklus an sein Drehbuch hält. Nach diesem Zyklus sollten Rohstoffaktien dann gut laufen, wenn die Industriegüter in der Spätphase ihrer Rallye sind. Für die weltweite Konjunktur hieße das: Die Aussichten sind gut.

Schaut man sich wichtige Branchenvertreter genauer an, bestätigt deren Kursentwicklung, dass sich das Bild für Minenwerte aufhellt: Rio Tinto etwa hat den seit dem Frühjahr 2011 maßgeblichen Abwärtstrend durchbrochen und damit die Chance, das Allzeithoch zu erreichen – das entspräche einem weiteren Zuwachs von 30 Prozent. Noch explosiver, aber auch risikoreicher, geht es bei den Goldminen zu: Barrick Gold etwa hat seit Juli vergangenen Jahres 60 Prozent zugelegt. Die in einem Index (GDXJ) zusammengefassten Junior Gold Miners verbuchen allein seit Dezember 2013 ein Plus von 50 Prozent.

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive gibt es jedoch einige Punkte, die Zweifel nähren, ob der aktuelle Börsenzyklus so idealtypisch verläuft, wie oben beschrieben. So könnte die Krise der Schwellenländer dank abflauender Konjunktur und anhaltender Kapitalabflüsse den Rohstoffhunger dieser Länder durchaus dämpfen. Zudem hat China angekündigt, den Konsum zu fördern und bei Investitionen auf die Bremse zu treten, was die Nachfrage ebenfalls schmälern kann. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass dies lediglich Gedankenspiele sind, die eintreten können – oder aber nicht. Die aktuellen Kurse indes sind Tatsachen.

In einer längerfristigen Perspektive betrachtet, könnte der Sektor mit der Rallye der vergangenen Monate sogar eine mehrjährige Bodenbildung abschließen. Dass derzeit kaum jemand an eine solche Möglichkeit glaubt, spricht nicht dagegen, denn meist wird der Trend in „ausgebombten“ Märkten oder Sektoren fortgeschrieben – frei nach dem Motto „Das wird niemals was“. Kommt es dann doch anders, erwischt es die Anleger auf dem falschen Fuß. Wer hier mit einem angemessenen Teil seines Depots frühzeitig agiert, kann solche Aktien zu attraktiven Bewertungen einkaufen und sichert sich die Chance auf überdurchschnittliche Kursgewinne.

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