Andreas Görler
Andreas Görler, sen. Wealthmanager bei der Wellinvest - Pruschke & Kalm GmbH in Berlin.

Neben Sicherheit, Liquidität, Rendite und steuerlichen Aspekten wird dem Kriterium Nachhaltigkeit bei der Geldanlage zunehmend mehr Bedeutung geschenkt.

Die Zahl der Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland und Europa ist erheblich gestiegen. Dennoch bleibt das Aufholpotenzial verglichen mit den gängigen Fondstypen groß. Der Marktanteil an entsprechenden Portfolios, gemessen am verwalteten Vermögen, liegt bei lediglich 3,3 Prozent.

Da es keine einheitliche Definition gibt und der Begriff Nachhaltigkeit recht inflationär verwendet wird, sollte man Produkte wählen, die sich in der Datenbank des Sustainable Business Institute (SBI) befinden. Im vergangenen Jahr wurden dort knapp 400 Publikumsfonds gezählt, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgelegt wurden. Diese Fonds berücksichtigen in besonderer Weise soziale, ökologische oder ethische Kriterien.

Für die Auswahl der entsprechenden Aktien stehen die sogenannten SRI-Kriterien (Socially Responsible Investment) zur Verfügung. Diese sollen verhindern, dass in Unternehmen investiert wird, die ethische Mindeststandards wie Menschenrechte nicht einhalten. Darüber hinaus soll das ESG-Investing (environmental, social and governance) Aspekte wie Mitarbeiterführung oder umweltpolitisches Engagement berücksichtigen.

Meist werden darunter ökologische oder ethische Investmentphilosophien verstanden. Die Kriterien reichen von eher weichen Aspekten (zum Beispiel weniger Schadstoffemissionen als andere Firmen der gleichen Branche) zu harten Ausschlussfaktoren (beispielsweise keine Öl-, Kohle- oder klassische Chemieindustrie, keine Kinderarbeit, keine Atomkraft). Hinzu kommen positive Auswahlkriterien (Firmen die einen positiven Beitrag zur Energiewende leisten).

Man sollte den Fokus auf Produkte legen, die schon längere Zeit am Markt sind und sich ausschließlich auf dieses Segment spezialisiert haben oder Fondsgesellschaften in Betracht ziehen, die ein sehr konsequentes Auswahlverfahren einsetzen. Einer der bekanntesten Fonds ist der Ökoworld Ökovision Classic (LU0061928585), der seit 1996 in diesem Segment aktiv ist. Seit der Auflegung konnte der Fonds, der in internationale Aktien investiert, eine Wertsteigerung von 198 Prozent erzielen.

Die Firma ACATIS meint es ebenfalls ernst und verwendet bei der Titelauswahl des ACATIS Fair Value Aktien Global (LI001750238) stringente Kriterien. Hier wird zunächst ein Screening durch eine externe Firma vorgenommen und danach über ein hauseigenes Punktesystem die Endauswahl getroffen. Noch ist der Fonds mit etwa zwölf Millionen Euro relativ klein. Man sollte sich davon nicht grundsätzlich abschrecken lassen. Ein großes Volumen bedeutet nicht automatisch eine hohe Rendite.

Hinzu kommt, dass die vorhandenen Fondsportfolios häufig Aktienquoten von über 70 Prozent haben. Reine Rentenfonds sind eher Mangelware. Das grüne Engagement sollte nicht dazu führen, dass man eine völlig falsche Allokation der Anlageinstrumente wählt, die nicht zum persönlichen Risikoprofil passt. Der Anleger muss zudem im Auge behalten, das hier auch Wertpapiere von Unternehmen enthalten sein können, für die es keinen liquiden Markt gibt. Das Schwankungsverhalten kann sich so erhöhen.

Über den Autor

Andreas Görler ist sen. Wealthmanager bei der
Wellinvest – Pruschke & Kalm GmbH in Berlin.

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