Nebenwirkungen von Immobilienanlagen
Gerade Wohnungen in den Ballungsräumen sind gefragt wie nie. Das führt zu Preisen, die im Einkauf beim 30-Fachen der Nettomiete liegen, in München sogar bis zum 50-Fachen.

Der Kauf einer Immobilie ist oftmals eine ziemlich mutige Spekulation. Gute Lagen sind sehr teuer und viele Anleger achten nicht auf die Risiken und Nebenwirkungen von Immobilienanlagen.

Kürzlich war ich bei einem Gespräch eines Immobilienverkäufers zugegen. Es ging um die beste Wohnlage in München. Die Jahresnettomiete lag bei etwas unter zwei Prozent. Berücksichtigt man Darlehenszinsen, Steuern und die Instandhaltungsrücklagen, bleibt eine jährliche Minus-Rendite von 0,5 Prozent. Der Verkäufer betonte jedoch mehrmals: „Wollen Sie eine sichere Geldanlage oder wollen Sie hohe, aber unsichere Rendite?“

Gerade Wohnungen in den Ballungsräumen sind gefragt wie nie. Das führt zu Preisen, die im Einkauf beim 30-Fachen der Nettomiete liegen, in München sogar bis zum 50-Fachen. Wenn man realistisch ist, lässt sich damit nur Geld verdienen, sofern die schon hohen Mieten weiter deutlich steigen und gleichzeitig die Finanzierungskosten so niedrig bleiben.

Nebenwirkungen von Immobilienanlagen

Genau da liegt der Haken: Mietsteigerungen sind mittlerweile gesetzlich erschwert worden. Zudem wird die Luft dünner, bei denen, die sich diese Mieten dann noch leisten können oder wollen. Eine zusätzliche Gefahr sind steigende Zinsen. Die Finanzierung ist oft zu knapp kalkuliert.

Pflege und Instandhaltungsaufwendungen sollten ebenfalls nicht unterschätzt werden. Mit zunehmendem Alter der Immobilie steigen in der Regel diese Kosten. Dafür muss Geld zurückgelegt werden. Können unerwartete Kosten gestemmt werden? Ist eine Nachfinanzierung darstellbar? Sind Änderungen in der persönlichen Situation berücksichtigt? Arbeitslosigkeit, Trennung oder Krankheit? Sicher kann man einige Risiken mit Versicherungen abdecken. Das verursacht aber zusätzliche Kosten. Eine Anlageimmobilie sollte man nur dann kaufen, wenn die Gesamtrechnung voraussichtlich eine positive Nettorendite ergibt, und zwar dauerhaft und unter Abdeckung der Risiken.

Viele leerstehende Häuser und Wohnungen liegen in Gebieten, die sich immer mehr entvölkern. Von entscheidender Bedeutung ist die örtliche Infrastruktur. Öffentlicher Nahverkehr, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte etc. Doch Vorsicht: Auch die örtliche Infrastruktur kann sich ändern. Viele kleinere Städte, Stadtteile oder Dörfer sind nur noch Schlafstandorte. Den Einzelhandel, Schulen und Ärzte findet man nicht mehr. Störfaktoren könnten Umwidmungen von Straßen oder neue Gewerbebauten sein.

Wer langfristig inflationsgeschützt gute Rendite erzielen will, der kann auch in einen Korb guter Qualitätsaktien investieren. Hier kann man in verschiedenen Regionen und Branchen streuen und die Dividendenzahlung eines großen Aktienkorbes liegt relativ stabil bei zwei bis vier Prozent. Die einzigen Erhaltungsaufwendungen sind die Kosten für die Verwaltung und Verwahrung der Aktien im Depot oder im Aktienfonds. Und auf Sicht von zwanzig Jahren hat die Gesamtheit der Aktien (Index) immer eine positive Rendite erbracht. Zwischendurch gab es aber starke Schwankungen, die man aushalten musste.

Gottfried Urban ist Vorstand der Bayerische Vermögen AG in Altötting.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.