Robert W. Wilson - Börsenguru
Manche Börsengurus treten als Daueroptimisten auf, andere als notorische Schwarzseher. Doch eins haben alle gemeinsam: Sie haben eine eigene Strategie. Mit der Reihe „Börsengurus“ möchten wir Ihnen einen Einblick in die Strategien von ausgewählten Börsengurus geben.

Geboren am 3. November 1926 in Detroit im Bundesstaat Michigan, USA, betrachtete Robert W. Wilson Zeit seines Lebens Spekulationsblasen ganz genau. Kurz bevor diese ihren Höhepunkt erreichten, lieh Wilson sich Aktien bei verschiedenen Börsenmaklern, nur um sie zu einem späteren Zeitpunkt und höheren Stand zu verkaufen. Nach einer scharfen Korrektur der Märkte kaufte er sie dann günstig zurück und beendete somit das Leihgeschäft. Wilson war berüchtigt dafür, dass seine Strategie nicht ausschließlich aus dem reinen Leerverkaufen einer Aktie bestand, sondern zusätzlich darin, nach dem ersten Kursrücksetzer einer Aktie die negativen Eigenschaften des verkauften Unternehmens hervorzuheben. So war das jeweilige Unternehmen überteuert, der Betrieb veraltet, das Management unfähig, der Wettbewerb zu hart oder die zukünftigen Kosten zu hoch und so weiter.

Während Makler ihren Kunden das Unternehmen daraufhin als Schnäppchen anpriesen, verkaufte Wilson zeitgleich mit einer Reihe von Gleichgesinnten die Aktie massenhaft leer.
Es machte sich Unruhe an der Börse breit und der Kurs sank immer schneller und weiter. Wilson konnte so seine geliehenen Aktien deutlich günstiger zurückkaufen und kam dadurch seinen Verpflichtungen nach.

Die Karriere Wilsons war dabei auf dem Weg zu seinem späteren Job als Hedge Fund Manager von einigen Stationen geprägt. So studierte Wilson zwei Jahre lang Jura an der University of Michigan Law School und absolvierte anschließend ein Praktikum bei der First Boston Corporation. Während der Korea-Krise im Jahr 1951 wurde er eingezogen und verbrachte zwei Jahre als Schreiber bei der US-amerikanischen Armee.

Beginn seiner Börsenaktivitäten

Nach seiner Rückkehr heuerte er zunächst erneut bei der First Boston Corporation an, nur um nach etwas mehr als einem Jahr nach Detroit zu ziehen. Dort erhielt er eine Anstellung über fünf Jahre bei der National Bank of Detroit, ehe er sich 1958 an die Wall Street begab, um zunächst für General American Investors und anschließend für A. G. Becker & Co zu arbeiten. 1968 machte sich Wilson schließlich selbstständig und legte gemeinsam mit Freunden einen Hedgefonds auf, der zu Beginn rund drei Millionen US-Dollar einsammelte. Im Zuge der Baisse fiel der Fonds um 38 Prozent und die Anleger zogen so viel Geld ab, dass nur noch 300.000 Dollar im Fonds vorhanden waren. Mittlerweile ist dies Geschichte und der Fond weist ein Volumen von mehreren Milliarden US-Dollar auf.

Der Beginn seiner Börsenaktivitäten wurde von seinem Vater mit einem Betrag in Höhe von 15.000 US-Dollar, finanziert. Der Versicherungsagent für Feuer- und Unfallversicherung besaß einige Bankaktien, welche den Aktionär zu jener Zeit
zur unbeschränkten Haftung verpflichteten. So waren die Aktionäre gegenüber den Kontoinhabern einzeln haftbar. Sollte also ein Aktionär Pleite gehen, fiel seine Haftung
auf den Aktionär, von dem er die Aktien gekauft hatte, zurück. Aufgrund dieser damaligen Gesetzgebung ging sein Vater im Zuge der Großen Depression Pleite. Trotzdem konnte er seiner Familie einen gewissen Lebensstandard erhalten und seinen Sohn bei seinen anfänglichen Börsengeschäften unterstützen. Robert W. Wilson dankte es ihm, indem er das gesponserte Startkapital anschließend an der Börse auf mehrere zehn Millionen US-Dollar vervielfachte.

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  • Verschwenderischer Lebensstil
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Markus Kubesch absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studiert Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2017 ist er im Redaktionsteam des EXtra-Magazins beschäftigt.