Verschwenderischer Lebensstil

Sein über die Jahre angestautes Vermögen nutzte Wilson nicht etwa für die Finanzierung eines verschwenderischen Lebensstils, sondern spendete viel und regelmäßig für Institutionen wie die Metropolitan Opera oder nutzte es für Reisen, um verschiedene Kulturen kennenzulernen. Eine Weltreise im Mai 1978 sollte ihn allerdings an den Rand des Ruins treiben. Im Vorfeld dieser Reise wähnte er sein Portfolio als ausgeglichen. Zudem wurden Long-Positionen durch Leerverkäufe abgesichert. In einem Interview kurz vor der Abreise gab er freimütig zu, rund 200.000 Kaufverpflichtungen der Aktie von Resorts International, einem Casinobetreiber unter anderem in Atlantic City, zu besitzen und darüber nachzudenken, diese Position noch auszubauen. Solche Interviews brachten ihm auch in der Folgezeit des Öfteren viel Kritik und auch Ärger mit der Börsenaufsichtsbehörde ein. Es wurde vermutet, dass er einem Verfasser einer einflussreichen Kolumne Informationen zukommen ließ, um so die Meinung
über bestimmte Wertpapiere zu beeinflussen. Darauf angesprochen entgegnete er lapidar, dass er jeden benutzt, um seine Long-Positionen nach oben und seine Short-Positionen nach unten zu treiben.

Dabei wehrte er sich allerdings gegen den Vorwurf, Insiderinformationen weitergegeben zu haben. Im Rahmen seiner Weltreise ereilte ihn die Nachricht, während er gerade in Europa weilte, dass eben jene Aktie sensationelle Erfolge erzielen konnte. Einige Anleger, die durch das Interview über seine Kaufverpflichtung unterrichtet waren, spekulierten
darauf, dass sich Wilson bald mit Aktien eindecken würde und die Kurse aufgrund dessen weiter steigen würden. Nicht nur durch Spekulationen getrieben, sondern auch durch fundamentalen Erfolg, legte die Resorts International-Aktie einen waren Raketenanstieg hin. Wilson, mittlerweile im Orient, reagierte nicht und die Aktie notierte statt bei 20
Dollar, wie an seinem Abreisetag, bei mittlerweile 180 Dollar. An einem schlechten Tag verlor Wilson so rund eine halbe Million Dollar. Zusätzlich saß ihm die Bank im Nacken, die
einen immer höheren Nachschuss forderte. Wilson gab schließlich nach und erteilte am 4. September den Auftrag, alle Resorts-Positionen auszugleichen.

Der Spekulant Wilson

Im Unterschied zu den meisten anderen der vorgestellten Börsengurus besuchte Wilson die von ihm in den Fokus genommenen Unternehmen nicht selbst, das Management bewertete er ebenfalls nicht und lange Abhandlungen über Aktien in den Zeitungen überflog er meist nur sehr sporadisch. Seine Ideen kamen fast ausschließlich von den Börsenmaklern und aus verschiedenen Konzepten mit denen er arbeitete, anstatt sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Durch Unterhaltungen mit Kollegen und Konversationen mit den Banken, die seine Orders ausführten und Depots verwahrten, verschaffte er sich eine Meinung, die letztlich seine Handlungen prägte. Er fragte nach dem größeren Bild, was zum Beispiel einen Kursanstieg verursacht, statt sich mit Details der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Er selbst charakterisierte sich als langfristigen Händler und beschrieb damit eine maximale Haltedauer von rund einem Jahr. Lief eine Position gegen ihn, so trennte er sich schnell von ihr, was auch eine Folge des Verlustes im Zuge der Spekulation auf einen Abwärtstrend bei Resorts International war.

Wilson mochte besonders Aktien von Unternehmen, die etwas Neues und Andersartiges machten. Dabei half ihm das durch die zahlreichen Gespräche gewonnene Gespür für die
Märkte. So kaufte er Aktien, von denen er dachte, dass sie die Leute in ein paar Monaten oder einem Jahr überzeugen werden. Dabei liebte er es besonders, wenn die Makler den
Kurs einer Aktie unnatürlich hochtrieben, und er so die Chance hatte, den Ballon platzen zu lassen und von Leerverkäufen, die er bereits eingegangen war, als der Kurs auf einem hohen Niveau notierte und nicht etwa erst wenn er anfing zu fallen, zu profitieren.

Auf der nächsten Seite lesen Sie u.a.

  • „The Giving Pledge“ ist wertlos
  • Trauriges Ableben

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

1
2
3
Markus Kubesch absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studiert Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2017 ist er im Redaktionsteam des EXtra-Magazins beschäftigt.